9. Schloss Neuenhof
Denkmalwertbegründung
Schloss Neuenhof gehört zu den wenigen kunsthistorisch und stadtgeschichtlich bemerkenswerten und herausragenden Baudenkmalen in der Stadt Lüdenscheid. Das Schloß ist der Stammsitz der Herren von Neuhoff. Das ältere Schloß brannte 1693 ab. Danach erfolgte der Neubau für den Drosten Johann Leopold von Neuhoff. Das neue Gebäude wurde 1746 umgebaut. Der geräumige Vorburgplatz wird gesäumt von langgestreckten Wirtschaftsgebäuden des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Als vorderer Hofabschluß dient ein prächtiges, schmiedeeisernes Rokokogitter. Das allseits von Wassergräben umgebene, blockhafte, schlichte Herrenhaus ist über eine Steinbrücke zugänglich. Im Inneren befinden sich stuckierte Decken und Kamine sowie gute Schnitzereien an Türen, Fenstern und eingebauten Schränken aus Anfang und Mitte des 18. Jahrhunderts.
Der Gebäudekomplex besteht aus dem Herrenhaus, den nördlichen und südlichen Ökonomiegebäuden, den Remisen, der Hausgarteninsel, den schmiedeeisernen Gittern, dem Gärtnerhaus, der Garage sowie der Gartenanlage und dem Teich.
Wegen der besonderen Lage des Gebäudekomplexes ist auch der gesamte Sichtbereich des Schlossanlage zu schützen, wie er sich aus dem beigefügten Plan ergibt, um den Gesamteindruck aus einer größeren Sichtentfernung intakt zu halten und nicht zu stören. Der Schutzbereich umfaßt folgende Flurstücke:
Gemarkung Lüdenscheid-Land, Flur 42, Flurstücke 198, 142, 143, 175, 203, 101, 102, 204, 177, 180, 109, 188, 85, 72, 84, 193, 71, 130, 129, 127, 126, 133, 117, 86, 69, 90, 104, 111, 115, 125, 202, 120, 144, 88, 92, 106, 107, 108, 112, 116, 119, 122, 124, 128, 132, 64, 89; Flur 43, Flurstücke 41, 42, 43, 96; Gemarkung Lüdenscheid-Stadt, Flur 51, Flurstück 10.
Historisches
Der Stammsitz des angesehenen märkischen Adelsgeschlechts der von Neuenhoff zu Neuenhof liegt im Elspetal. Prestige, Einfluss und Vermögen der Neuenhofer wuchsen von Generation zu Generation. Neben reichem Grundbesitz besaßen sie gewerbliche Betriebe, eine Drahtrolle und mehrere Hammerwerke. Von gleich hohem Ansehen wie die Neuhofer war das nach ihnen auf Neuenhof einziehende bergische Adelsgeschlecht der Bottlenberger, die als Erben ihres Stammhauses Hackhausen den Güter- und Vermögensstand beachtlich erweiterten.
Die Erbtochter Josina von Neuhoff wurde 1714 mit dem Freiherrn Friedrich Wilhelm Leopold Christian von Bottlenberg genannt Kessell zu Hackhausen getraut. Auf den ledig gebliebenen, 1820 verstorbenen Leopold Friedrich Wilhelm Franz von Bottlenberg folgte der älteste Sohn seiner Nichte, Julius Clamor Friedrich Wilhelm Carl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg als Erbe von Neuhof. Da er auf Haus Ippenburg lebte, war Haus Neuenhof in der Folgezeit nicht mehr dauernd bewohnt. Dieser Zustand dauerte bis 1974, als Alhard Freiherr von dem Bussche-Ippenburg gen. von Kessell als Besitzer mit seiner Familie das so lange verwaiste Schloss bezog.
Die Geschichte von Schloss Neuenhof geht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Auf Neuenhof wird zum ersten Mal urkundlich im Jahre 1326 hingewiesen. Andere Dokumente und die Lage Neuenhofs an einem bedeutenden Fernweg lassen vermuten, dass es sich um eine befestigte Burganlage handelte. Archäologische Funde des Jahres 1981 belegen, dass die mittelalterliche Burg genau den Platz des heutigen Wasserschlosses innehatte. Unmittelbar an den Fundamenten wurden im heutigen Wassergraben Scherben von Gebrauchsgeschirr aus dem frühen 14. Jahrhundert gefunden.
Der Kurbrandenburgische Rat Steffen von Neuhoff erstellte ein zweigeschossiges Wohnhaus mit einem steilen Dach, dessen Baujahr 1643 die Wetterfahne am First anzeigt.
Die Wetterfahne mit dem Wappen Ascheberg-Neuhoff ist die älteste am Schloss zu findende Jahreszahl. Sie zeigt die Wappen der Großeltern von Elisabeth Josina: Steffen von Neuhoff (1608-1671) und Adolpha von Ascheberg zu Rauscheburg.
Die Jahreszahl 1643 weist aber auch noch auf ein anderes bedeutsames Ereignis hin. Im Dreißigjährigen Krieg hatte es eine nahezu Zerstörung der Wasserburg Neuenhof gegeben, die auf Kriegshandlungen schließen lassen könnten. In den Chroniken wird von einem Brand im Jahre 1638 gesprochen. Der anschließende Wiederaufbau der Burg war sodann im Jahre 1643 abgeschlossen und mit der Wetterfahne dokumentiert.
Am 3. Dezember 1693 wurde das Schloss erneut ein Raub der Flammen. Johann Leopold von Neuhoff und Ida Elisabeth Elbertine von Laer ließen das Bauwerk, das in seinen Grundmauern noch bestand, seit 1694 wieder aufbauen und zugleich erweitern. Die unzerstörten Kellergewölbe wurden einbezogen und die weitgehend erhalten gebliebenen früheren Außenwände mit ihren Fensterdurchbrüchen wurden zum Teil als Innenwände wiederverwendet. An der Ostseite ließ er 1746 flankierend zwei Eckpavillons setzen.
Weitere bauliche Veränderungen brachte das 18. Jahrhundert. Das schon damals von Wassergräben umgebene, über eine Steinbrücke zugängliche Schloss erhielt 1740 zwischen den heutigen Türmen einen risalitartigen Eingang, bekrönt von einem reichen, holzgeschnitzten Giebel mit dem Allianzwappen Bottlenberg-Neuhoff. Das Wappen weist auf die Eheschließung der Erbtochter Elisabeth Josina von Neuhoff mit dem rheinischen Freiherrn Friedrich Wilhelm Christian von dem Bottlenberg genannt Kessell zu Hackhausen im Jahre 1714 hin.
Die bauliche Ausdehnung des Herrenhauses war - wie die Maueranker ausweisen - 1746 vollzogen. In die gleich Zeit fiel die Erweiterung des Schlosses nach Westen zur Gartenseite hin. 1782 wurde der Gartensaal fertiggestellt. Bauliche Umgestaltungen der Wirtschaftsgebäude des Schlosses schlossen sich Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts an.
Quellen:
Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis, 1993, (Ulrich Barth, Elmar Hartmann, August Kracht, Heinz Störing), www.schloss-neuenhof.de.
Das Schloss im Jahr 1931
Schloss Neuenhof wurde am 03.12.1984 unter der laufenden Nummer 9 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen. Das Schloss befindet sich in Privatbesitz und ist nur von außen zu besichtigen.