18. Alte Rathausstraße 1 (Altes Rathaus)

Nachdem aufgrund der zunehmenden Industriealisierung der Stadt Lüdenscheid die Bevölkerung ständig anwuchs und demzufolge die Aufgaben der Stadtverwaltung immer umfangreicher wurden, beschlossen die Stadtverordneten am 07. Dezemebr 1869, das Gebäude, das seit 1816 als Rathaus diente und das inzwischen zu klein geworden war, abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Schon damals wurde aus der Bürgerschaft vorgeschlagen, diesen Neubau nicht an der engen Wilhelmstraße zu errichten, sondern auf der "Weide an der Post", die auch Pastorenweide genannt wurde und sich dort befand, wo der spätere Marktplatz war und wo sich heute das neue Rathaus befindet.

Dennoch entschloß man sich für den Standort an der Wilhelmstraße. So wurde von vornherein ein für die aufstrebende Stadt  zu kleines Rathaus gebaut, was zur Folge hatte, dass die Stadtverwaltung im Laufe der Jahre dezentralisiert untergebracht werden musste. Insofern war das Alte Rathaus eine Fehlplanung. Zunächst verhinderte der deutsch/französische Krieg 1870/71 den Neubau des Rathauses.

Aufgrund auf eines mit zwei Preisen zu je 170 Talern ausgeschriebenen Wettbewerbes, wurde der Lübecker Stadtbaumeister Kühtze mit der Bauausführung betraut. Nach dem Beschluss der Stadtverordneten sollte das Rathaus nicht mehr als 21.000 Taler kosten. Dieser Betrag wurde zum überwiegenden Teil durch Spenden der inzwischen rund 8.000 Einwohner der Stadt Lüdenscheid aufgebracht. Das bestehende Rathaus wurde für 950 Taler auf Abbruch verkauft. Am 13. Septemeber 1872 wurde der Grundstein gelegt und im Jahre 1873 erfolgte die Einweihung. Einige Jahre später wurden die fehlenden Toiletten in einem großzügigen Anbau untergebracht. Wegen der ständig wachsenden Einwohnerzahl, die sich von 1880 bis 1890 von 10.000 auf 20.000 verdoppelte und 1907 bereits 30.000 Personen betrug, während das Rathaus auf etwa 15.000 Einwohner ausgerichtet war, mussten nacheinander die höhere Bürgerschule, der Bürgermeister und die Polizei das Gebäude verlassen. Nach und nach verlor dann das Gebäude seine Funktion als Rathaus, bis 1973 das Kulturamt dort einzog.

Heute beheimatet das Alte Rathaus die Volkshochschule der Stadt Lüdenscheid wird als Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude genutzt. Das Alte Rathaus steht im Eigentum der Stadt Lüdenscheid und ist am 03. Dezember 1984 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid unter der laufenden Nummer 18 eingetragen worden.

 

Denkmalwertbegründung

Das im Jahr 1873 eingeweihte Alte Rathaus ist ein kolossal gegliederter dreigeschossiger Kubus zu fünf mal neun Achsen in den Formen eines Palazzos der italienischen Renaissance, der in allen Geschossen Rundbogenfenster aufweist. Das Erdgeschoß ist in Bänderputz mit Bogenquadern aus Putz gehalten und wird durch ein zurückspringendes Kaff abgeschlossen. Darüber liegen die gleichwertigen Obergeschosse, deren Achsen jeweils durch kolossal gliedernde Lisenen voneinander getrennt sind. Die Lisenen sind oben bündig durch einen waagerechten Unterzug unter dem vorkragenden Rundbogenfries verbunden. 

In den Lisenenfeldern der beiden Obergeschosse befinden sich die Rundbogenfenster mit ihren dünnen Archivolten, deren Flügelgesimsstücke die Lisenen hinterschneiden. Die Fenster liegen auf Sohlbankgesimsen, die im ersten Obergeschoß identisch sind mit dem Kaff auf der Hauptfront an der Alten Rathausstraße. Der Haupteingang ist gestaltet als zweiflügeliges Rundbogenportal in gerade verdachtem Gestell aus toskanischen quadratischen Pfeilervorlagen. Die architravierte, rundbogige, doppelflügelige Tür besitzt ein Oberlicht und als Kämpfer eine verkröpfte steinerne Oberlichtbrücke, darauf ein Sinnspruch und ein bärtiger Männerkopf mit einer Schriftrolle in einer wappenähnlichen Kartusche.