148. Ehrenmal Parkstraße

 

Denkmalwertbegründung

Im Jahre 1922 stellte der „Kriegerverein der Stadt- und Landgemeinde Lüdenscheid“ einen Antrag auf Errichtung eines Ehrenmales für die Gefallenen des Weltkrieges. Kurze Zeit später schlug der damalige Stadtbaurat Wilhelm Finkbeiner die Stadtparkterrasse als Standort vor. In der Folge entstand eine heftig geführte Auseinandersetzung über Form und Inhalt des Ehrenmals. Letztendlich wurde 1927 die Durchführung eines Wettbewerbs beschlossen, bei dem 18 Entwürfe abgegeben wurden. Den ersten Preis erhielt der Entwurf „Pro Patria“ des Architekten Fritz Fuss und des Bildhauers Willy Meller. Beide stammen aus Köln. Nach langer, politisch und wirtschaftlich beeinflusster Diskussion wurde nun im Jahre 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Planung endgültig abgeschlossen. Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung aus dem Jahre 1927 wurde jedoch die zentrale Skulptur des Denkmals nicht als „Gefallener“ sondern als „Erwachender“ dargestellt.Die Skulptur, die auf einem breitgelagerten, einem Sarkophag ähnelnden Sockel liegt, bildet das Zentrum des Ehrenmals. Sie ist in eine, nahezu die gesamte Breite einnehmende Treppenanlage eingebunden. Die gesamte Architektur schafft die Dramaturgie, um die zentrale Plastik in Szene zu setzen.

Das abschüssige Gelände wird in zwei Terrassen eingeteilt. Eine niedrige Mauer grenzt das Gelände von der Straße ab. Die seitlichen Eingänge werden wie quadratische Bastionen in den Hang verschoben und rahmen die Treppe, die zur unteren Terrasse führt, deren Substruktionen ebenfalls bastionsartig ausgebaut wurde. Auf der oberen Terrasse stehen im Schatten der Mauer zur Straße hin neun Stelen, deren Seitenflächen mit den Namen der Gefallenen beschriftet sind. Auf den Eingangsterrassen sind Bäume symmetrisch angepflanzt. An den Brüstungsmauern befinden sich Schrifttafeln, die mit einem Stahlhelm bzw. einer Trauermaske bekrönt sind. Wenn man die Anlage betritt erblickt man die mächtige Figur von hinten. Um sie frontal zu sehen, muss man die Treppen heruntersteigen, so dass man unterhalb des mächtigen Sockels steht und die Figur in Untersicht betrachte. Dadurch wird sie noch monumentaler, als sie ohnehin schon ist. Während die Figur nach 1933 schwerwiegende inhaltliche Umdeutungen erfuhr, wurde die architektonische Inszenierung in ihrer ursprünglichen Gestaltung belassen. Die Fertigstellung des Ehrenmals wurde nach der Machtergreifung durch neuerliche Geldspenden vorangetrieben, indem der Druck auf die Spender durch die Veröffentlichung der Spenderlisten erhöht wurde. Am 17. März 1935 konnte das Ehrenmal feierlich eingeweiht werden. Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ und der Befreiung von den Nationalsozialisten wurde das Lüdenscheider Ehrenmal kaum verändert. Im Jahre 1946 wurden die nationalsozialistischen Hoheitszeichen entfernt.

Das Lüdenscheider Ehrenmal ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, weil es ein überaus aussagekräftiges Zeugnis der deutschen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ist. Es wurde zunächst in der Zeit der Weimarer Republik konzipiert, dann von den Nationalsozialisten in seiner inhaltlichen Aussage umgedeutet und von denselben Künstlern, die den ursprünglichen Entwurf geliefert hatten, realisiert. Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ wurde es weitgehend unkommentiert als Gefallenenehrenmal weiter genutzt. Hier berühren sich drei Zeitabschnitte, die gerne als untereinander unabhängige Epochen angesehen werden. Bei intensiver Auseinandersetzung mit dem Objekt wird jedoch deutlich, dass es sich um drei ineinander eng verwobene Geschichtsabschnitte handelt, deren Auswirkungen sich stark überlappen. So ist es für die beiden Künstler, deren „künstlerische Heimat“ im Expressionismus der Nachkriegsjahre des 1. Weltkrieges lag, überhaupt kein Problem, die monumentalen Bedürfnisse der Nationalsozialisten zu befriedigen. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es das gleiche Bedürfnis, die Toten zu betrauern wie schon nach dem ersten Weltkrieg, mit dem Unterschied, dass das Ehrenmal nicht erst geschaffen werden musste. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ehrenmal hat in der direkten Nachkriegszeit nicht stattgefunden. Dies geschah erst später in den 1970er Jahren. So belegt das Ehrenmal eine gesellschaftliche Kontinuität und belegt die politischen und kulturellen Verhältnisse des zwanzigsten Jahrhunderts. Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier historische und kunsthistorische Gründe vor. Die historischen Gründe sind bereits oben kurz erläutert worden. Die kunsthistorischen Gründe liegen zum einen in der durchaus qualitätsvoll gestalteten architektonischen Anlage von Fritz Fuss einerseits und der von Willy Meller geschaffenen Plastik andererseits. Beide waren durchaus namhafte Künstler.