141. Winkhauser Straße 4

 

Denkmalwertbegründung

Bei dem Gebäude handelt es sich um die ehemalige Fabrikantenvilla des Unternehmers August Schnepper. Es wurde im Jahre 1906 in unmittelbarer Nähe zu dem Firmengebäude der Firma "Schnepper und Schrader", das im Jahre 1984 abgebrochen wurde, errichtet. Die Villa steht etwas erhöht über der Winkhauser Straße, in die Tiefe des Grundstücks zurückgesetzt, auf einem rechteckigen Grundriss. Das zweigeschossige zu fünf Achsen ausgebildete mit einem Mansardwalmdach versehene Gebäude wird durch einen an der Ostseite gelegenen Anbau erschlossen, der zunächst als offene Säulenhalle geplant war, dann aber noch während der Bauphase mit farbverglasten Fenstern und einer zweiten Haustür geschlossen wurde. Die Ansichtsfassade zur Winkhauser Straße wird durch stuckierte Fenstereinrahmungen und rustizierte Eckpilaster verziert.

Die Villa Winkhauser Straße 4 ist bedeutend für die Geschichte und die Entwicklung Lüdenscheids sowie für die Geschichte des Menschen in Lüdenscheid um die Jahrhundertwende, da sie Zeugnis einer wichtigen historischen Entwicklung Lüdenscheids ist. Die Firma Schnepper und Schrader entstand im Jahre 1888 in einer Zeit, in der ein enormer industrieller Aufschwung einsetzte, der sich vor allem in der Metallknopffabrikation niederschlug. Die Situation außerhalb des damaligen Stadtzentrums an der Winkhauser Straße war wegen der Nähe zur Bahn, nachdem ein entsprechender Anschluss an die Strecke Hagen - Altena im Jahre 1880 geschaffen wurde, ideal. Im Jahre 1906 ließ sich der Fabrikant August Schnepper nahe der Fabrik "Schnepper und Schrader" (bis 1984 Winkhauser Straße 6 - 8) an der Winkhauser Straße 4 ein Wohnhaus errichten. Das Haus zeugt in vielerlei Hinsicht von einem Unternehmer, der aus der Facharbeiterschicht zum Fabrikanten aufgestiegen war. Der Grundriss und die Struktur des Hauses gibt Aufschluss über den Lebensstil eines wohl erfolgreichen, aber in seinen Ansprüchen eher bescheidenen Bauherrn. Während das Haus von Außen im neobarocken Stil gehalten ist und mit einer aufwändig gestalteten Vorhalle (Säulen, Farbverglasung, geschnitzte Haustüren) ausgestattet wurde, ist die innere Aufteilung und Ausstattung weniger repräsentativ, sondern an den Bedürfnissen der Hausbewohner orientiert. Das Treppenhaus wurde zweckmäßig und raumsparend in die Nordostecke des Hauses verlegt. Ein Hintereingang führt direkt von der Rückseite des Hauses in das Treppenhaus. In allen drei Stockwerken sind die Zimmer über mittig liegende Längsflure erschlossen. Die ursprüngliche Zimmeraufteilung ist noch vollständig erhalten und nur in geringfügigen Details verändert. Ebenso sind wesentliche Details der wandfesten Ausstattung im Laufe der Jahre erhalten geblieben: die beiden aufwändig gearbeiteten Haustüren aus Eiche, die Farbverglasung im Windfang, alle Türblätter sowie Türbekleidungen, Fenster und Fußböden sowie die sehr zurückhaltende Deckenstuckzier in einigen Räumen im Erdgeschoss, wo leider kürzlich im Eingangs-, Flur- und Küchenbereich der Fliesenfußboden entfernt wurde. In den meisten Zimmern des Gebäudes liegen Dielen, nur in den südwestlich gelegenen Wohnzimmern des Erdgeschosses wurde Parkett mit schlichtem Fischgrätmuster verlegt.

Der Vorgarten zur Winkhauser Straße ist ebenfalls in seiner Grundstruktur erhalten. Zwei große Blutbuchen markieren die Ecken des Hauses, ein Kiesweg rahmt eine ebene Rasenfläche und der von der Straße ansteigende Eingangsweg ist mit Hilfe eines Steingartens zu dem höher gelegenen Vorgarten abgesichert. Die rustizierte Sandstein-Einfriedungsmauer mit schmiedeeiserner Pforte und noch teilweise vorhandenem Gitter ist ebenfalls ursprünglich. Für die Erhaltung des Gebäudes Winkhauser Straße 4 liegen volkskundliche Gründe vor, da das Gebäude den Lebensstil einer durch den industriellen Aufschwung entstandenen und ihn tragenden Unternehmerschicht verdeutlicht. Obwohl die dazugehörige Fabrik abgebrochen wurde und an dem Gebäude kleinere Veränderungen vorgenommen worden sind (z. B. Aufstockung der Eingangshalle), geben Grundriss, Struktur und wandfeste Ausstattung Aufschluss über die Lebensform der Bewohner. Daneben liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da das Gebäude mit seiner fünfachsigen Fassade aufgrund der erhöhten Lage zur Straße, der ungestörten Vorgartensituation mit der Einfriedung und dem alten Baumbestand das Straßenbild beherrscht - ohne aufdringlich zu wirken - und sich gegen die kleinteilige straßenbegleitende Bebauung der gegenüberliegenden Straßenseite aufgrund der zurückversetzten Lage dezent abhebt.

Am 05. Dezember 2004 die Fabrikantenvilla unter der laufenden Nummer 141 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen worden.