132. Breslauer Straße 7 (Villa Assmann)

 

Denkmalwertbegründung

Neugotische Villa

Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Lüdenscheid; für seine Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche, wissenschaftliche, architekturgeschichtliche und volkskundliche Gründe vor. Die denkmalwerte Anlage besteht aus

a) der Villa aus dem Jahre 1900

b) dem erhaltenen Rest der zeitgleichen Grundstückseinfriedung

c) der Autoremise von 1910.

Die Villa entstand im Jahre 1900 auf einer bis dahin unbebauten Geländekuppe vor der historischen Kernstadt Lüdenscheids für eine der führenden Industriellen-Familien der Region. Die Villa verweist in Größe und Repräsentativität auf die wirtschaftliche Blüte Lüdenscheids um 1900 und auf die weite soziale Differenzierung in diese Epoche. Das Selbstbewusstsein und Repräsentationsbedürfnis der führenden Familien drückt sich hier aus in der Wahl des Bauplatzes außerhalb des historischen, als unmodern empfundenen Stadtkernes in der Nähe der eigentlichen Produktionsstätten.

Die Erweiterung der Stadt um eine Gürtel aus Fabrikanlagen und zugehörige Unternehmervillen ist eine städtebaulich charakteristische Erscheinung der Industrialisierungsphase, die hier noch gesteigert wird durch die Positionierung der Villa auf einer Geländekuppe, wodurch das Villengebäude allseitig sichtbar "ins rechte Licht gerückt" wird. Es handelt sich um einen Massivbau aus zwei Etagen über hohem Kellersockel. Das rote Backsteinmauerwerk blieb ursprünglich allseitig sichtbar, war jedoch unterbrochen durch gliedernde Werksteinelemente, insbesondere als Fensterrahmungen und im Bereich des verandenartigen ehemaligen Damenzimmers. Der Baukörper ist bis hinauf in die Dachlandschaft reich gegliedert, wobei als wesentliche Elemente das bereits genannte Damenzimmer in Form eines Wintergartens, ein talseitig vorspringender zweiachsiger Risalit, sowie der dreigeschossige Eckturm und die wenig später auf Teilen der Terrasse angefügte Weinstube hervorzuheben sind. Das Gebäude ist damit ein charakteristisches Beispiel für historistische Villenarchitektur in Lüdenscheid und somit von wissenschaftlich-architekturgeschichtlicher Bedeutung.

Das Gebäude zeigt in Inneren trotz einiger Veränderungen klar die ursprüngliche Raumstruktur mit der hohen Diele als Kernstück. Das Erdgeschoß enthält in langer Flucht drei Repräsentationsräume sowie die an die Nordostecke des Gebäudes mit separatem Zugang geschobenen Hauswirtschafträume. In der oberen Etage sind die privaten Gemächer, im ursprünglich nur teilweise ausgebauten Dachraum die Dienstbotenkammern, untergebracht. Das Gebäudeinnere besticht durch die in weiten Teilen historische Ausstattung. Neben fast allen Türgewänden und -blättern und der Treppenanlage in der Diele sind besonders die originalen Buntverglasungen im Bereich des Damenzimmers und vor allem der Diele hervorzuheben. Trotz der nachträglichen (jedoch nicht konsequent verwirklichten) Trennung des Hauses in jeweils eine separate Wohnung pro Etage, den vollständigen Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken, die Entfernung der Wandvertäfelung in Teilen der Diele sowie einer Vereinfachung des Hauptzugangs ist bis heute der hohe Standard der Wohnkultur der Lüdenscheider Oberschicht um 1900 klar ablesbar geblieben. Dies verleiht dem Gebäude volkskundliche Bedeutung. Die baulichen Veränderungen sind im einzelnen zwar bedauerlich, sie haben jedoch die Zeugniskraft der Villa für die Bauweise der Lüdenscheider Oberschicht nicht entscheidend gemindert. Zu nennen ist neben der Auswechselung von Verschleißteilen vor allem die Purifizierung des einst reich dekorierten Risalit-Giebels und die Auswechselung der Turmhaube in geringer Höhe sowie die Vermehrung der Zahl der Dachfenster.

Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz und wird weiterhin zu Wohnzwecken genutzt. Der Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid erfolgte am 12. Juni 1997 unter der laufenden Nummer 132.