Quiz zum Frauentag
Frauenwahlrecht, Frauenquote, Gleichberechtigung im Grundgesetz - reicht es denn nicht mal langsam?
Die kurze Antwort: nein!
Wer es etwas genauer wissen will, kann beim Quiz zum Frauentag Argumente sammeln, warum wir weiter für Gleichberechtigung kämpfen müssen.
Los geht's!
Aktuell sitzen 630 Abgeordnete im Bundestag. Wie viele davon sind Frauen?
A 167Frauen
B 301 Frauen
C 204 Frauen
Insgesamt sitzen 204 Frauen im Deutschen Bundestag, das sind rund 32% aller Abgeordneten.
Warum ist das problematisch? Der Bundestag soll die Gesellschaft bestmöglich vertreten - das bedeutet auch, dass die Gesellschaft darin gut abgebildet sein sollte. Menschen unterschiedlicher Parteien, unterschiedlichen Alters, Geschlechts, Religion und so weiter bringen verschiedene Perspektiven in die politischen Entscheidungen ein.
Wie viele Minuten unbezahlte Sorgearbeit leisten Frauen durchschnittlich pro Tag mehr als Männer?
A 76 Minuten
B 21 Minuten
C 35 Minuten
Im Durchschnitt leisten Frauen 76 Minuten unbezahlte Sorgearbeit.
Zur unbezahlten Sorgearbeit (Carearbeit) zählen alle Erledigungen und Pflichten, die neben der Lohnarbeit anfallen. Also: Einkäufe erledigen, Wäsche machen, das Auto putzen, die Kinder zum Fußball fahren, das Weihnachtsessen planen, die Steuererklärung machen, der alten Nachbarin beim Abwasch helfen. Auf die Woche gesehen leisten Männer ungefähr 20 Stunden Carearbeit, Frauen ungefähr 29 Stunden.
Seit wann dürfen Frauen in Deutschland ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten gehen?
A 1949
B 1977
C 1950
Seit 1977.
Mit dem Gleichberechtigungsgesetz von 1958 wurde der Frau die Berufstätigkeit grundsätzlich erlaubt, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Arbeit “mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar” ist. Und ob das der Fall ist - das bestimmte der Ehemann. Erst 1977 wurde die gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenverteilung abgeschafft und Frauen waren nicht mehr auf die Erlaubnis ihres Ehemannes angewiesen.
Seit wann dürfen Ärzt*innen straffrei öffentlich über Schwangerschaftsabbrüche informieren?
A 2004
B 2019
C 2022
Seit 2022.
Davor war es Ärzt*innen nicht erlaubt, beispielsweise auf ihrer Homepage sachlich darüber zu informieren, welche Methoden für Schwangerschaftsabbrüche sie in ihrer Praxis anbieten. Der § 219a StGB trat im Juli 2022 außer Kraft. Der Paragraf zum “Werbeverbot” stammte noch aus der Zeit des Nationalsozialismus. Er wurde jahrelang kontrovers diskutiert, weil er die Informationsfreiheit einschränkte.
Wie viel Prozent verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer?
A 8 %
B 16 %
C 19 %
Richtig ist: 16 %.
Rechnet man diese Verdienstlücke ("Gender Pay Gap") auf Arbeitstage im Jahr um, arbeiten Frauen also 58 Tage unentgeltlich. Anhand der Anzahl an Tagen wird jedes Jahr der Equal-Pay-Day begangen. In diesem Jahr fiel er auf den 27. Februar 2026.
Häufig wird argumentiert, dass der Unterschied daher kommt, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, seltener Karriere machen oder insgesamt weniger gut ausgebildet sind. Unabhängig davon, dass an der Stelle die Gründe für diese Punkte diskutiert werden könnten: Selbst wenn man das Gehalt von Männern und Frauen in der gleichen Branche, der gleichen Karrierestufe und mit der gleichen Ausbildung vergleicht, bleibt ein Unterschied von 6 %. Das ist der sogenannte “bereinigte” Gender Pay Gap.
Seit wann ist Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland strafbar?
A 1997
B 1969
C 2001
Seit 1997.
Lange wurde argumentiert: was im ehelichen Schlafzimmer passiert, ist Privatsache, und Sex sei doch auch eine eheliche Pflicht. Vergewaltigungen existierten rechtlich gesehen innerhalb einer Ehe nicht, sodass Ehefrauen keinerlei rechtliche Handhabe gegen erzwungene sexuelle Handlungen hatten. In den 80ern forderten Grüne und SPD bereits eine rechtliche Änderung, scheiterten aber damit. Erst Ende der 90er wurde das Thema erneut aufgegriffen und mit großer Mehrheit dafür gestimmt, was uns heute wie eine Selbstverständlichkeit scheint: Vergewaltigung ist auch in der Ehe strafbar.
65 Personen schrieben 1948/49 das Grundgesetz. Wie viele davon waren Frauen?
A 13
B 9
C 4
Vier Frauen waren an der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt.
Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel waren Teil des 65-köpfigen Rates. Ihnen ist es zu verdanken, dass im Grundgesetz in Artikel 3, Absatz 2 die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gesetzlich verankert wurde. Dabei musste vor allem Elisabeth Selbert auch gegen den Widerstand ihrer 3 Kolleginnen ankämpfen und anschließend natürlich gegen deutliche Proteste im Rat. Schließlich gelang es aber - und ein Meilenstein in der Geschichte der Frauenbewegung war gesetzt.
Wie viele Frauen erleben mindestens einmal im Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt (in Deutschland)?
A jede 7.
B jede 5.
C jede 3.
Die Antwort ist erschreckend: jede dritte Frau.
Betroffen sind Frauen aller Altersgruppen und sozialer Herkunft. Zuhause, in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz oder online. Häufig sind die Täter aus dem sozialen Umfeld der Frau: etwa jede vierte Frau kann von körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch ihren (Ex-)Partner berichten. Mädchen und Frauen mit Behinderungen sind besonders gefährdet.
Du erlebst Gewalt oder fürchtest, jemand könnte dir Gewalt antun? Das Hilfetelefon für Frauen ist unter der 116016 für dich da. Rund um die Uhr, jeden Tag im Jahr, anonym und kostenfrei!
Etwa 70 % der erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit. Wie viel Prozent sind es bei den Vätern?
A 8 %
B 19 %
C 32 %
Richtig ist: 8 %.
Die Doppelbelastung aus Sorgearbeit und Berufstätigkeit führt dazu, dass viele Mütter ihre Berufstätigkeit reduzieren, um beiden Bereichen genügen zu können. Väter hingegen bleiben meistens in Vollzeit berufstätig. Diese Aufteilung führt dazu, dass Frauen ihre beruflichen Karrieren weniger gut verfolgen können, in der Folge schlechter bezahlt werden, was wiederum Familien zu der Entscheidung führt, dass das höhere Einkommen des Vaters erhalten bleiben muss. Bei gerechter Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit könnten sowohl Mütter als auch Väter beiden Bereichen gleichermaßen gerecht werden.
Welches europäische Land führte als erstes das Frauenwahlrecht ein?
A Polen
B Dänemark
C Finnland
Finnland!
Deutschland folgte 1918, Schlusslicht in Europa bildete Liechtenstein, wo das Frauenwahlrecht erst 1984 eingeführt wurde.