Stadt- und Geschichtsmuseum Lüdenscheid



Die Dauerausstellung des Stadt- und Geschichtsmuseums kann wegen Umbauarbeiten dauerhaft nicht besucht werden. Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung “Innovatia” ist für das Jahr 2026 geplant. Die Ausstellung "Mein Lüdenscheid - aus der Sammlung Schumacher" ist von der Schließung nicht betroffen.


Vorfreude auf "Innovatia"

Schon lange laufen die Vorbereitungen auf die neue Dauerstellung „Innovatia“ im Stadt- und Geschichtsmuseum Lüdenscheid. Sie dreht sich im Kern um die besondere Innovationsgeschichte Lüdenscheids und der Region der vergangenen Jahrhunderte. „Dahinter steckt ein ausgereiftes und vollkommen neues Format, das wir zusammen mit dem Berliner Ausstellungsbüro Duncan McCauley entwickelt haben“, erklärte Dr. Eckhard Trox im Rahmen der Baustellenbesichtigung.

Die Ausstellung soll künftig zeigen, welche Entwicklungen in langfristiger Perspektive die Voraussetzungen für den bis heute anhaltenden Erfolg der Stadt und Region ausmachten. Sie soll dazu einladen, dies an eigens für die Museen entwickelten Stationen im Kontext von Objekten, Dokumenten und Inszenierungen zu erleben. Filmische Realisierungen mit bedeutenden oder besonderen Persönlichkeiten der Geschichte Lüdenscheids erwecken künftig die Erinnerung zum Leben.

Die chronologisch rückwärts verlaufende Ausstellung beginnt mit einer Einheit unter dem Titel „Vergangene Zukunft“. Denn es soll vor allem an die Geschichte erinnert werden, die für die gemeinsame Zukunft bedeutsam wurde. Welche Dynamik damit zeitweilig verbunden war, präsentiert die „Innovatia“.


Brückenausstellung in den Museen

Brücken sind eindrucksvolle Symbole: Sie stehen für Verbindung, Aufbruch und neue Wege – zugleich können sie, wie im Fall der Rahmedetalbrücke in Lüdenscheid, auch für marode Infrastruktur und die Abhängigkeit vom Individualverkehr stehen. Dieses Spannungsfeld greift das Projekt „Kultureller Brückenschlag Lüdenscheid–Hagen“ als Teil des Regionalen Kultur Programms NRW auf.

Ab dem 18. Juni widmen sich die Museen der Stadt Lüdenscheid in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Die Brücke. Traum und Albtraum einer Stadt“ diesem vielschichtigen Thema. Die Ausstellung beleuchtet die unterschiedlichen Facetten rund um die Brücke – von historischen Postkarten zum Autobahnbau über Exponate, die den „Alltag im Ausnahmezustand“ im über Jahre hinweg stark belasteten Straßensystem Lüdenscheids dokumentieren, bis hin zu künstlerischen Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, die ihre eigenen Perspektiven auf das Thema Brücke einbringen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den persönlichen Erfahrungen der Menschen vor Ort. In Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein sammeln die Museen über eine sogenannte „Fernsprecher“-Station individuelle Erlebnisberichte aus den vergangenen viereinhalb Jahren. So sollen die Eindrücke und Erinnerungen an diese bundesweit außergewöhnliche Situation für die Zukunft bewahrt werden.

Die Ausstellung wird am 18. Juni um 18 Uhr im Foyer der Museen eröffnet. Die Veranstaltung wird von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie den Sängern des Lüdenscheider Männerchores musikalisch und inhaltlich begleitet.

Lüdenscheid, 12. Juni 2026


Musterbücher zurück im Museum

Mit großer Spannung nahmen die Mitarbeitenden des Geschichtsmuseums jetzt einen ganz besonderen Transport entgegen: Nach mehreren Monaten sorgfältiger Bearbeitung lieferten die Restauratorinnen Corinna Krömer und Lea Schürmann-Bartusch aus Kiel die ausgewählten historischen Musterbücher für Knöpfe und Schnallen wieder wohlbehalten in Lüdenscheid ab.

Restaurierte Folianten erzählen Industriegeschichte neu

Foto: Schulte-Zakotnik

Bei den mehreren Kilo schweren „Büchern“ handelt es sich um beeindruckende Folianten aus den Nachlässen traditionsreicher Lüdenscheider Firmen wie Funcke & Brüninghaus, C. Th. Dicke, P. C. Turck Wwe. und Linden. Entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, sind sie wahre Schatzkammern der Industriegeschichte: Auf schweren Pappseiten finden sich Hunderte fein gearbeiteter Metallteile – Knöpfe, Schnallen und Applikationen in nahezu unerschöpflicher Vielfalt. Die Restauratorinnen zeigten sich begeistert von der außergewöhnlichen Formenvielfalt, der handwerklichen Qualität und der großen technischen Variationsbreite der Stücke. Besonders die Fertigungsmethoden, von denen viele heute nicht mehr gebräuchlich oder sogar gänzlich vergessen sind, sorgten bei den Fachleuten für Staunen. 

Musterbücher spielten für die märkische Industrie eine zentrale Rolle. Sie dienten nicht nur als Präsentationsmittel für internationale Kundschaft, sondern auch als interne Arbeitsgrundlage. „Jedes Teil war handschriftlich nummeriert, um es eindeutig zuordnen und die jeweils notwendigen Werkzeuge für die Fertigung festlegen zu können“, erklärt Museumsmitarbeiterin Stefanie Müller. Noch bevor gedruckte Kataloge zum Standard wurden, reisten Handelsvertreter mit schweren Originalmustern oder kunstvoll gezeichneten und handkolorierten Abbildungen durch Europa. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum modernen Produktkatalog war die Gründung einer Musterkartendruckerei durch Wilhelm Tappe im Jahr 1803 – ebenfalls in Lüdenscheid.

Zeitintensives Unterfangen

Foto: Schulte-Zakotnik

Aus dem umfangreichen Bestand des Stadt- und Geschichtsmuseums wurden nun acht Musterbücher umfassend restauriert. Möglich wurde dieses aufwendige Projekt dank Fördermitteln des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das Kieler Restauratorenteam befreite die Bücher von Staubanhaftungen und Verschmutzungen, reinigte und polierte die zahlreichen Metallteile und stabilisierte Buchbindungen sowie lose Heftungen. Bei mehreren hundert Einzelelementen pro Band war dies ein äußerst zeitintensives Unterfangen. 

Der Einsatz hat sich gelohnt: In der aktuell im Aufbau befindlichen neuen Dauerausstellung des Stadt- und Geschichtsmuseums können Besucherinnen und Besucher die restaurierten Musterbücher nach der Eröffnung erstmals wieder im aufgeschlagenen Zustand betrachten. So eröffnen sich faszinierende Einblicke in die Produktrepertoires bedeutender Lüdenscheider Hersteller – und zugleich eine kleine glänzend-glitzernde Zeitreise in den Mode- und Formengeschmack sowie zu den Produktionstechniken des späten 19. Jahrhunderts.

Lüdenscheid, 13. Februar 2026