199. Herzogstraße 15
Denkmalumfang
Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere des Gebäudes, das heißt den Hauskasten mit Fensteröffnungen, Dachform und Dachhaut. Im Inneren sind nur der Keller mit dem alten Kellerabgang, die Geschossbalkenlagen und das Dachwerk, sowie die alten Teile des Kaminzuges denkmalwert. Nicht zum Denkmal gehört der nördliche Anbau, die Fenster, Türen und die Wandoberflächen des denkmalwerten Hauskastens.
Historische Entwicklung
Obwohl der Hauskasten zumindest in Teilen aus der Zeit vor dem Stadtbrand von 1723 zu datieren ist, beginnt die bekannte Hausgeschichte erst mit der Brandakte von 1723, die die Schäden des Stadtbrandes aufführt und taxiert. Zur Zeit des Brandes war der der Bürger und Drahtschmied Dietrich Wilhelm Trente Eigentümer des Hauses, das mit der „Schadensnummer“ 133 in der Brandakte angegeben wird. Trente ist am 1.1.1711 Lüdenscheider Bürger geworden und wurde 1746 zum „Rottmeister“ (militärischer Dienstgrad) ernannt worden. Nach 1800 wird im Lüdenscheider Häuserbuch die Familie Hüsmert als Eigentümer genannt, die es auch bis weit ins 20. Jahrhundert blieb.
Im Urkataster von 1831 ist das Haus in seiner heutigen Form verzeichnet und als Eigentümer wird der Bäcker und Gastwirt Peter Dietrich Hüsmert genannt. Ob sich in dem Haus auch schon zu der Zeit eine Gastwirtschaft befunden hat, ist fraglich, da beim Bauantrag von 1895 von Wohnhaus geschrieben wird.Die ersten aktenkundigen Veränderungen in dem Haus haben 1895 stattgefunden. Hier wurde im Erdgeschoss eine Wand entfernt und durch einen eisernen Unterzug ersetzt sowie die Fenster zur Herzogstraße erneuert. 1901 wird der Fußboden im Erdgeschoss der östlichen Haushälfte tiefer, auf Straßenniveau gelegt. Eisenträger im Längsverband tragen die Steinausfachung.
Der einschneidende, das Innere stark verändernde Um- und Anbau fand 1978 statt.
Das sechsachsige, zweigeschossige traufenständige Haus mit Traufengiebel über der Eingangsachse steht in geschlossener Bebauung mit den Nachbargebäuden. Es steht, wie auch die übrigen Häuser dieser Straße an der unmittelbaren Grenze zum Straßenraum. Es hat die doppelte Breite der Nachbarhäuser. Während die dreiachsig angelegt sind, hat das Haus Herzogstraße 15 sechs Fensterachsen. So liegt auch der Hauseingang nicht in der Mitte, sondern um eine Achse nach Osten verschoben. Die Fenster sind hochrechteckig, die oberen etwas niedriger als die unteren. Die unteren Fenster sind zusätzlich mit Klappläden versehen. Das steile Satteldach ist mit Pfannen gedeckt, der Traufengiebel mit Schiefer, beides ist 1978 erneuert worden.
Ein Traufgesims mit Klötzchenfries bildet den Übergang von der Wand zu Dach. Der Klötzchenfries auf der Giebelseite wurde bei der jüngsten Sanierung hinzugefügt, er gehört nicht zum Denkmal Der Vergleich der Fotos von vor der Sanierung 1978 mit denen danach zeigt, dass am Äußeren des Hauses nur wenig verändert worden ist. Allein der Dachausbau mit den Fenstern im erneuerten Giebelschild kommen hinzu. Die Nordseite allerdings ist vollständig von dem Anbau verstellt worden.
Abgesehen von den Außenmauern und den Fensteröffnungen sowie der Stelle des Kaminzuges hat sich im Inneren fast alles geändert. Allein die rechte, quer zum First stehende Trennwand ist in Teilen vorhanden. Der Querschnitt zeigt, dass die Balkenlagen noch in den entsprechenden Höhen liegen. Der Keller befindet sich nur unter Teilen des Hauses. Der alte Kellerabgang mit dem Unterbau für den Kamin ist noch vorhanden. Im Wesentlichen ist der rechte Teil des Hauses unterkellert. 1901 wurde auch die Kellerdecke erneuert. Statt einer Balkendecke wurde eine preußische Kappendecke eingezogen.
Begründung
Das Gebäude ist bedeutend für Städte und Siedlungen, da es sich um eines der nach dem Stadtbrand von 1723 wiederaufgebauten Häuser handelt. Die Hausstelle(n) ist (sind) in der Brandakte mit 133 und wahrscheinlich auch 132 erwähnt und entsprechend im „Moserplan“ verzeichnet. Somit scheint es sich um zwei Hausstellen zu handeln, die man nach dem Wiederaufbau zusammengefasst hat. Der unregelmäßige Kellergrundriss und die nur teilweise Unterkellerung könnte ein Hinweis darauf sein. Zudem sprechen die sechs Fensterachsen für eine Zusammenlegung der Hausstellen, da die anderen Häuser – bis auf das am anderen Ende der Herzogstraße gelegene – drei Fenster breit sind. Wie alt der Hauskasten wirklich ist, lässt sich zurzeit nicht genau feststellen. Allerdings scheint es so zu sein, dass zwar die Holzteile der Häuser verbrannt sind, aber einiges des aufgehenden Mauerwerks stehen geblieben und wiederverwendet worden ist, so dass hier auch Siedlungsstrukturen von vor dem gro-ßen Stadtbrand erhalten geblieben sind.