140. Alter evangelischer Friedhof

Denkmalwertbegründung

Alte evangelischer Friedhof

Der Friedhof an der Mathildenstraße ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Lüdenscheid; für seine Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftlich-architekturgeschichtliche und -regionalgeschichtliche Gründe vor. Bei dem Friedhof (= Gesamtanlage) handelt es sich um ein Baudenkmal im Sinne des § 2 DSchG NW. Die Unterschutzstellung ist beschränkt auf jene Teile des Fried­hofs, die der Lageplan der Friedhofsordnung von 1894 zeigt. Diesen Umfang hatte der Friedhof in zwei Etappen erreicht: Der älteste Teil wurde 1865 geweiht und umfasst das südliche Areal mit seiner rechtwinkligen Wegeführung mit den Feldern I bis VIII; die 1886 geweihte Erweiterungsfläche mit den Feldern IX bis XVI schließt nördlich an und hat das weite Oval des Feldes XVI zum Mittelpunkt. Die späteren Erweiterungen östlich der beiden beschriebenen Teile können von der denkmalwerten Anlage ausgenommen werden, wenngleich sich auch in diesem Bereich denkmalwerte Bestandteile des Denkmals befinden.

Einzelne Bestandteile des (Gesamt-) Denkmals, insbesondere einzelne Grabstätten, können darüber hinaus besondere Bedeutungsgehalte für sich geltend machen und sind als Bestandteil des Denkmals zu behandeln. Für sich allein besitzen diese Elemente jedoch nach heutiger Kenntnis keinen Denkmalwert, da die Bedeutung der einzelnen Elemente des Baudenkmals (hier: bedeutungsvolle Grabstätten) sich nur im Gesamtzusammenhang des Alten Friedhofs begründen lässt. Das Denkmal bleibt in diesem Falle der Friedhof.

Der Alte Friedhof an der Mathildenstraße zeigt in seinen beiden ältesten Teilen bis heute die weitgehend unveränderte Wegeführung. Den ältesten Teil von 1865 bestimmt die strenge Rechtwinkligkeit der Anlage in spätklassizistischer Manier, wobei insbesondere die beiden Hauptachsen - in Ost-West-Richtung vor der "alten Kapelle" und in Nord-Süd-Richtung in unmittelbarem Bezug auf dieses Bauwerk - von Alleebäumen gesäumt werden. Die Nord-Süd-Achse mündet in den halbrunden Platz mit den Pastorengräbern, der sich über dem Tal und der Erweiterung von 1886 erhebt. Hier wird die Wegeführung von dem Oval des Feldes XVI bestimmt, das von einem weiteren Außenring umschlossen und von einer Ost-West-Achse durchzogen wird, die sich an den Kreuzungspunkten zu gerundeten Plätzen weitet. Diese Wegeführungen sind mit den flankierenden Alleebäumen des ältesten Teiles Bestandteil des Denkmals. Dies trifft eben­falls zu auf die zu geringen Teilen an der südlichen und westlichen Grenze des Friedhofs erhaltene Weißdornhecke, die als Einfriedung des Friedhofs 1865 angelegt wurde. Als zentrale Baulichkeit des Friedhofs ist ferner Bestandteil die "alte Kapelle", die bereits für sich als eigenständiges Denkmal im Jahre 1989 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen wurde.

Die beeindruckende Gesamtwirkung des Alten Friedhofes beruht ganz wesentlich auf dem Erhalt ungezählter originaler Grabeinfassungen des 19. Jahrhunderts sowie ferner auf der demonstrativen Schlichtheit der Gesamtanlage und jeder einzelnen Grabstelle; dabei ist freilich zu berücksichtigen, dass die auf den Fundamenten der natur- oder kunststeinernen Grabeinfassungen in vielen Fällen einstmals angebrachten eisernen Gitter seit dem Zweiten Weltkrieg nahezu ausnahmslos fehlen. Letzterem Umstand ist zuzuschreiben, dass die Grabeinfassungen in ihrer Gesamtheit nicht als Bestandteil des Denkmals angesehen werden können.

 

Neben den bereits genannten sollen folgende Elemente des Alten Friedhofes als Bestandteil des Gesamtdenkmals mit in die Denkmalliste eingetragen werden: 

 

1.       Grabstätte Fam. vom Hofe

          Feld V, Nr. 63/64

          Stele v. 1910 und Grabeinfassung

 

2.       Grabstätte Fam. Gerhardi

          Feld II, Nr. 103

          große Plastik v. Konstantin Dausch um 1900 und Grabeinfassung

 

3.       Grabstätte Fam. Hueck I

          Feld II, Nr. 91/94

          Grabkreuz, liegende Steine ab 1878, Grabeinfassung

 

4.       Grabstätte Fam. Winkhaus-Nottebohm

          Feld II, Nr. 35/36 und 37/40

          Grabeinfassung, liegende Grabplatten

 

5.       Grabstätte Fam. Berg

          Feld II, Nr. 145/150

          Grabeinfassung, Marmorobelisk und Kissensteine

 

6.       Grabstätte Fam. Turck

          Feld II, Nr. 152, 153, 155/156 und 157/158

          Zinkgussmonument "Glaube, Liebe, Hoffnung" (Max Klein 1871), 

          Grabeinfassung, Kissensteine

 

7.       Grabstätte Fam Noelle

          Feld II, Nr. 163/168

          Marmorobelisk, Grabeinfassung, Kissensteine

 

8.       Grabstätte Fam. Kugel

          Feld III, Nr. 87/92

          Familienmonument als Säule mit Urne auf Sockel von 1881, Kissensteine ab 

          1880 und Grabeinfassung (trotz des Verlustes des Gitters)

 

9.       Pastorengräber

          Feld XVI (Pastorenfeld)

          a) Marmorkreuz Pfarrer Pröbsting/Emilie Assmann

          b) zwei Grabplatten Pfarrer Hueck und Ehefrau (1859/1847)

          c) Obelisk Pfarrer Hülsmann (1822)

 

10.      Grabstätte Fam. Dicke

          Feld XVI, Nr. 105/106, Platz 1 - 8

          Marmorobelisk, Grabeinfassung und Grabsteine ab 1892

 

11.      Grabstätte Fam. Hueck II

          Feld XVA, Nr. 6, Platz 1 - 12

          große Kreuz-Steinplatten und Hecke nach einer Gestaltung des Bildhauers 

          Joseph Gollwitzer aus einer Zeit um 1970

 

12.      Grabstätte Fam. Noelle

          Feld XVA, Nr. 4/5

          Grabeinfassung, Stele mit Trauernder mit beidseitig anschließender 

          Balustrade

 

13.      Grabstätte Fam. Branscheid

          Feld VI, Nr. 41/44

          Stele 1890, Grabeinfassung und Kissensteine ab 1881

 

14.      Grabstätte Fam. Linden

          Feld VII, Nr. 1/4

          Halbrunde Stele 1910

 

15.      Grabstätte Fam. Selve I

          Feld II, Nr. 1/2

          Marmorobelisk 1886 und Grabeinfassung

 

16.        Grabstätte Fam. Büren/Huicking

             Feld V, Nr. 41/42

             Zinkgussfigur "Segnender Christus" um 1900

 

17.        Grabstele Turck

             Feld XVIII

             stehendes Grabmal auf der Grünfläche, von einem älteren Friedhof hierher 

             an einen Weg versetzt

 

18.        Grabstele Schmalbein

             Feld XVIII

             stehendes Grabmal auf der Grünfläche, von einem älteren Friedhof hierher 

             an einen Weg versetzt

 

19.        Grabstätte Müller-Weiland

             Feld XVIII, Nr. 76

             Hochkreuz, Grabeinfassung mit Gittern zwischen d. Pfeilern

 

20.        Grabstätte Schneider

             Feld XIV, Nr. 33a

             Exedra in bruchsteinernen Grabeinfassungen, um d. JH-Wende

 

21.        Grabstätte Seuster-Schmidt

             Feld XVI, Nr. 33/34

             Bronzerelief einer Trauernden, Bronzetor im Giebelbogen, Grabeinfassung

 

22.        Grabstätte Fam Schnepper

             Feld IX, Nr. 23/24

             Bronzeplatte mit Trauernder, Bronzetor, Grabeinfassung

 

23.        Grabstätte Basse/Pels-Leusden

             Feld I, Nr. 1, 2, 3, 4

             Kissensteine, Grabeinfassung

 

24.        Grabstätte Fam. Mitschek

             Feld XVa, Nr. 9

             Grabeinfassung, Monument

 

25.        Grabstätte Fam. E.W. Turck

             Feld XVa, Nr. 3

             Stele, Grabstuhl

 

26.        Grabstätte Fam. Assmann

             Feld II, Nr. 55 - 60

             Kissensteine, Grabeinfassung