107. Grabenstraße 18

Das Denkmal umfasst das Wohn und Gaststättengebäude sowie den Festsaal. Beim Gaststättengebäude wird der Bauzustand von 1894 zugrunde gelegt. Der Saal ist in seinem Inneren wohl auch in den 1930er oder 1950er Jahren überformt worden.Im Inneren der Gaststätte gibt es keine bauzeitlichen Oberflächen, so dass hier nur der Baukörper (Außenwände, Geschossdecken mit Dach; EG Gusseiserne Säule, Balkendecke; OG Grundriss) denkmalwert besitzt. Der Zwischenbereich von Gaststätte und Saal ist stark überformt und nicht denkmalwert.

Die erste Information zu o.g. Gebäude findet sich im Urhandriss von 1830/31. Das Gebäude gehört einem Peter Dickhans. Es steht im ehemaligen Graben hinter der geschleiften Stadtmauer und gehört damit zu der ersten Stadterweiterung Lüdenscheids, die etwa seit 1810 fortschreitet. Wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein Billardzimmer sowie eine Kegelbahn von Fr. Boderas an das Haus angebaut, so dass angenommen werden darf, dass sich zu diesem Zeitpunkt schon Gesellschaften in diesem Haus trafen. Ein Situationsplan des Gebäudes existiert von 1891. Er zeigt, dass mittlerweile die Schillerstraße und die Thurmstraße angelegt, bzw. verbreitert worden war und das rückwärtige Gelände hinter dem Haus mit Gebäuden bebaut worden war. Mittlerweile hieß der Eigentümer G. A. Rüggeberg. Das Haus wurde noch als Wohnhaus bezeichnet.

Bei einem Umbau des Wohnhauses wurden die Wände des Erdgeschosses entfernt und durch eine gusseiserne Säule im Zentrum der Grundfläche ersetzt. Dabei wurde die Treppe aus dem ehemaligen Mittelflur in das rückwärtige Haus verlegt. Im Obergeschoss wurden der Grundriss erhalten.

1895 wurde hinter dem Haus ein Saal angebaut und von dem Wirt Ernst Dahlmann ein Conzessions-Gesuch eingereicht. Das gesamte Erdgeschoss mit Ausnahme der Küche war nun Gaststätte. Zudem gab es im Obergeschoss ein Gesellschaftszimmer. 1935 wurden Toilettenanlagen im Bereich der Thurmstraße eingebaut, was verdeutlicht, dass die Wirtschaft florierte. 1990 wurden die Fassaden zur Gartenstraße und der Innenraum der Gastwirtschaft erneuert.

Unmittelbar am Straßenraum erhebt sich das fünfachsige, zweigeschossige Satteldach-Traufenhaus, dessen ornamentale Bauzier erst bei der letzten Renovierung aufgebracht worden ist. Allein das typische Traufgesims und das Stockwerkgesims sind älteren Datums. Im rückwärtigen Bereich ist am Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder angebaut worden. Hier befindet sich ein Saalbau, der eine Traufseite zur Turmstraße hat. Er wurde 1895 errichtet. Der sehr hohe, große Saal hat eine Bühne und ist insgesamt festlich ausgestattet, wobei auch hier nicht sicher ist, aus welcher Zeit die Malschichten sind, bzw. ob beispielsweise die Pilaster nicht später hinzugefügt worden sind.

Begründung

Das Gaststäten- und Wohngebäude mit dem dahinterliegenden Saal ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid, da es eines der früher sehr vielen Gaststättengebäude ist, das in der ursprünglichen Struktur noch erhalten ist. Sowohl der Gaststättenraum als auch der Saal für größere Festivitäten ist noch vorhanden. Allerdings sind die Oberflächen eigentlich nur noch an der Saaldecke vorhanden. Die Entwicklung von einem ursprünglichen Wohnhaus zu einer Gaststätte lässt sich an dem Gebäude noch sehr gut nachvollziehen. Auch dieses gehört zum Denkmalwert. Weiterhin ist das Gebäude bedeutend für Städte und Siedlungen, da es zu einem der ersten Gebäude gehört, die nach Aufgabe der Stadtbefestigung außerhalb, im Stadtgraben gebaut worden sind. Für die Erhaltung und Nutzung liegen volkskundliche Gründe vor, da die Baugruppe das gesellschaftliche Leben in Lüdenscheid anschaulich überliefert. Und schließlich liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da das Gebäude den Straßenraum der Grabenstraße mitprägt. Der Versatz mit dem Nachbargebäude (s. Urkataster) besteht schon seit 1830.