Galerie der
Stadt Lüdenscheid
EDEN NAEL LIEDTKE
Ich will nicht zeichnen - Ich will nur spielen
27.03. – 14.06.2026
ERÖFFNUNG
Freitag, 27.03.2026, 19:00 Uhr
Eden Nael Liedtke wurde das Märkische Stipendium für Bildende Kunst 2026 im Bereich Zeichnung zuerkannt. Die Ausstellung versammelt ein zeichnerisches Tagebuch aus mehreren hundert Blättern – Einblicke in den Erkenntnis- und Erlebnisprozess seiner Identitätsbildung.
Seine Zeichnungen begleiten sein Leben: Sie zeigen die Spitzmaus, die sein Kater im Garten erjagt hat, das Kindheitsfoto auf dem Nachttisch der Mutter, das Zähneputzen im Krankenhaus und die Euphorie, sich nach medizinischen Eingriffen beim Umziehen nicht mehr unwohl zu fühlen. Liedtke stellt dar, wie er vielschichtige Metamorphosen durchläuft, damit er seinen Körper als den eigenen wahrnehmen kann. Diese Angleichung ist ein körperlicher und emotionaler Prozess, geprägt von Schmerz, Veränderung, Ermächtigung und Befreiung.
Zeichnerische Exzellenz und die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Reflexion lassen den Erkenntnis- und Erlebnisprozess seiner Identitätsbildung zu einer künstlerischen Position von bemerkenswerter Stringenz werden. Das vom Künstler bevorzugte, eher kleine Format lässt den Betrachter unmittelbar teilhaben. Ausschnitthafte Einblicke gleichen Momentaufnahmen der Erinnerung und Unbefangenheit. Gleichzeitig finden Schmerz, Missachtung und emotionale Ambivalenz ihren Ausdruck in traumähnlichen Bildern. Das Schwarz des Graphits schafft harmonisch geführte Linien, inhaltliche Schwere wird erleichtert durch Feinfühligkeit und Sanftheit der Strichführung. Es geht um Abweichungen und Gemeinsamkeiten im Erleben und darum, einen Raum für Resonanzen zu schaffen.
Sein stilles Tagebuch entfaltet sich in der Betrachtung als vielschichtiges künstlerisches Werk, das gesellschaftlich relevante Themen ebenso reflektiert wie tief persönliche Erfahrungswelten.
Prof. Christoph Knecht, HBK Braunschweig
Eden Nael Liedtke (geb. 1997 in Hamburg) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig in den Klassen von Herbert Nauderer, Hartmut Neumann, Sybille Springer und Lutz Braun. Er lebt und arbeitet in Hamburg und Goslar.
Der Künstler wird durch die Rehbein Galerie Köln vertreten.
Öffentliche Führungen an folgenden Sonntagen jeweils 15:00 Uhr: 19.04. / 10.05. / 31.05. / 14.06.2026
K N O P F und K U N S T
Die Idee des Kunstknopfes
Am Anfang stand eine Sperrholzscheibe mit 30 Zentimetern Durchmesser. Seit 1988 schufen Künstlerinnen und Künstler aus zwölf Nationen ihren „Knopf für Lüdenscheid“. Reduziert auf engster, kreisrunder Fläche zeigen die KunstKnöpfe der Sammlung der Städtischen Galerie nahezu alle Stilrichtungen zeitgenössischer Kunst.
WARUM DER KNOPF?
Es gab eine Zeit, da wurde Lüdenscheid geradezu als die „Knopfstadt“ bezeichnet. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ist von einer wahren Blüte der Lüdenscheider Knopfindustrie zu sprechen. Die exzellenten Produkte wurden in alle Welt exportiert.
UND DANN DER KUNSTKNOPF!
Zur Eröffnung des Museumsbaus am Sauerfeld 1988 entwickelte der damalige Leiter der Städtischen Galerie eine neue „Knopfidee“. Für die Ausstellung Ein Knopf für Lüdenscheid wurden zahlreiche Künstlerinnen und Künstler eingeladen, einen KunstKnopf zu gestalten. Der größte Teil der Exponate gelangte als Schenkungen in die Sammlung der Galerie. Deren Umfang ist mittlerweile spektakulär und einzigartig.
DAS RUND DES KNOPFES –
Das Ding an sich, worum es sich hier dreht, ist meistens rund. Die dem Knopf zugrundeliegende geometrische Form ist der Kreis. Die Kunstgeschichte kennt den Tondo, das Rundbild. In der Malerei der italienischen Renaissance ist das kreisrunde Bildwerk ein beliebtes Format, das eine ideale, formvollendete Konzentration auf das gewählte Bildthema ermöglicht.
Präzise Formen und mathematische Systeme, so auch der Kreis, sind zentrales Gestaltungsprinzip der Konkreten Kunst. So treten in den Dialog mit dem Rund der KunstKnöpfe eine Anzahl von Arbeiten aus der Sammlung der Galerie und der Kunststiftung Lüdenscheid, die die Kreisform zum Thema haben: u.a. Günter Fruhtrunk, Kuno Gonschior, Friedrich Gräsel, Verena Loewensberg und Lothar Quinte
Die KunstKnopf-Sammlung der Städtischen Galerie zeichnet sich durch eine beeindruckende Vielfalt aus: So zeigt uns Ludwig Wilding sein Prinzip der optischen Irritation, und Bernard Schultze gibt Einblick in ein informelles Rund. Rolf Nolden sucht die rotierende Dynamik in der dritten Dimension, und Sandra Eades formuliert ein reduziertes Vokabular zart aquarellierter bildhafter Zeichen. Das Erlebnis, die besondere individuelle künstlerische Handschrift in einem für alle gleichermaßen identischen Format wiederzuerkennen, weckt gleichzeitig Neugier und Bewunderung.