Lichtmasterplan
Quelle: Integrierte Lichtleitplanung Lüdenscheid, FH Dortmund, Forschungslinie Licht_Raum, Foto: Luftbild Hans Blossey

Den öffentlichen Raum Lüdenscheids mit Kunstlicht zu beleuchten, eröffnet Möglichkeiten, die Architekturen und baulichen Elemente der Stadt auf unterschiedlichen Ebenen zu gestalten. Da das Kunstlicht die Wahrnehmung in der Nacht eindeutig richtet und die Orientierung lenkt, wird eine Stadtgestaltung, -gliederung  und -orientierung mit Kunstlicht erarbeitet, die Stadtrichtungen und -strukturen stärker verdeutlichen oder anders interpretieren als bei Tageslicht. Hierfür wird eine "Licht-Stadt" aus dem gebauten Stadtkörper und seinen sozialräumlichen Inhalten herausgearbeitet, bei der z.B. die Umgebung und die zuführenden Straßen mit Licht organisiert werden, indem die künstlichen Lichter miteinander in eine Ordnung und Beziehung treten. Durch einen Schwerpunkt auf den Kontrast von Licht und Nicht-Licht (Lichtruhezonen) wird nicht nur die Wirkung künstlicher Beleuchtung gesteigert und die Gliederung der Lichtbereiche gestärkt, sondern auch der Wert des Natürlichen und Naturschützenden betont. Ein hieran ausgerichtetes Leitbild wird dazu dienen, die Akteure der nächtlichen Lichtgestalt in den Prozess der Planung einzubeziehen.

 

Ein Leitbild für die "Stadt des Lichts"

Lichtmasterplan
Quelle: Integrierte Lichtleitplanung Lüdenscheid, FH Dortmund, Forschungslinie Licht_Raum, Foto: Luftbild Hans Blossey

Die Stadt Lüdenscheid zeigt eine über Jahrhunderte gewachsene Siedlungsstruktur mit einem klaren Wechsel von bebauter und dichter Stadtfläche zu kultivierter Landschaft. Besonders zeigt sich dabei die topografische Beschaffenheit der Naturzone, an die sich - vom Stadtzentrum ausgehend - die Wohnbereiche und Nebenzentren anfügen, und die industriell geprägte Geschichte, die bis heute eine hohe Bedeutung für die Wirtschaftsstruktur der Stadt Lüdenscheid behält. Auf beiden Ebenen werden zwei Entwicklungstendenzen deutlich: Zentralisierung und Konzentration. Zum einen sind die um den zentralen Kern des historischen Lüdenscheids entstandenen und sich ausdehnenden Ortschaften und Gehöfte über die Jahrhunderte mit dem Zentrum zusammengewachsen, so dass lediglich die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern verbleibenden Ortsidentitäten und deren Namen auf historische Siedlungseinheiten verweisen. Zum anderen sind die vielen kleinen Betriebe aus den Hinterhöfen Lüdenscheids herausgewachsen und konnten sich zu national und international bedeutenden Unternehmen entwickeln.

Das Leitbild der Lüdenscheider Lichtstruktur und Lichtgestalt versucht somit beides: Die abwechslungsreiche Stadtgliederung zu verdeutlichen und dabei Lüdenscheid als Stadt des Lichts deutlich und im Alltag wahrnehmbar zu positionieren. Das Leitbild für die "Stadt des Lichts" nimmt dabei auf unterschiedlichen Ebenen Bezug auf die Gliederungen der Stadt und verdeutlicht diese zunächst mit Hilfe der künstlichen Beleuchtung (z.B. Straßenbeleuchtung und besondere Lichtgestaltungen). Das Leitbild wird sich dafür in unterschiedliche Leitthemen gliedern (z.B. der Unterschied von Stadt und Landschaft oder die Betonung besonderer Aufenthaltsorte), die mit Hilfe von Leitlinien konkrete Vorschläge zu entsprechenden „Lichtgesten" unterbreiten (z.B. Lichtfarben, Helligkeiten, Schaltzeiten u.v.m.).

Stadtgliederungen und Gestaltungsprinzipien

Die in den Leitthemen und Leitlinien ausgearbeiteten "Lichtgesten" können als  Gestaltungsprinzipien verstanden werden. Die ganze Stadt wird entsprechend ihrer charakteristischen stadträumlichen Gliederung so beleuchtet, dass sie über diese Gliederung und deren Bezüge im Kunstlicht erkennbar ist. Die Gliederung - zu der jeweils entsprechende Gestaltungsregeln mit Licht ausgearbeitet werden - erfolgt in:

STADTKÖRPER, als ganze Siedlung in der Landschaft mit dem System der Haupterschließung.

STADTEINHEITEN, als charakteristische Gebietseinheiten mit Bezug zur historischen Identifikation und System der stadteinheitlichen Erschließungen und Abschlüsse.

CLUSTER, als Untergliederung der Stadteinheiten entsprechend Bebauungsform, -charakter und -struktur sowie Erschließung, Topografie, sozialräumlichen Charaktere und Flächennutzung.

STADTELEMENTE, als die Cluster strukturierenden Abschnitte aus z.B. Aufenthaltsorte, Stadträume, Stadtplätze, Stadt- & Landschaftsmarken u.v.m.

Der Masterplan als Element eines Prozesses

Die einzelnen Bausteine des Masterplans für die Stadt Lüdenscheid können wie folgt grob zusammengefasst werden: 

  • Bestandsaufnahme und Analyse
  • Leitbild + Leitthemen + Leitlinien
  • Konzept zur Lichtstruktur und Lichtgestaltung mit Gestaltungsprinzipien und Gestaltungsregeln für Kunstlicht 

Der Masterplan kann damit informieren und aufzeigen, welche Maßnahmen wo und wann entstehen können. Um das gewünschte Lichtbild der Stadt mit ihren unterschiedlichen Lichtern auch in den nächsten Jahren umsetzen zu können, ist mehr nötig als eine Masterplanung. Das heißt, dass der Plan als Teil eines Prozesses verstanden werden muss, der mehrere Jahre benötigt und viele unterschiedliche Interessen integriert und Rahmenbedingungen berücksichtigt. Um das Produkt "Masterplan Licht" umsetzungsorientiert zu positionieren, werden folgende Teilinstrumente entwickelt: 

  • "Pflegewerk" der Lichtgestaltungen
  • Hinweise zu restriktiven und kooperativen Maßnahmen
  • Informationen für den stufenweisen Aufbau der Lichtstruktur durch die öffentliche Beleuchtung einschließlich Angaben zu Zeitschaltungen
  • Hinweise zur Machbarkeit und Prioritäten sowie Angaben zu Einsparpotentialen