128. Humboldtstraße 36 (Villa Hueck)

Das Gebäude Humboldtstraße 36 im Jahr 2004
Das Gebäude Humboldtstraße 36 im Jahr 2004

Oben angegebenes Gebäude wurde 1913 als Wohnhaus der Fabrikanten Noell/Hueck durch einen Barmer Architekten errichtet und ist seither als Villa Hueck am Ort bekannt und geläufig. Die Villa liegt inmitten eines Parks auf einer Terrasse, die von einer Mauer an der Straße abgestützt wird. Im Laufe der Zeit wurde die Stützmauer um einiges im Zuge der Straßenverbreiterung der Humboldtstraße zurückversetzt und vereinfacht, der Park verkleinert, teils bebaut und vereinfachend umgestaltet und in die Terrasse an der Straßenecke ein öffentlich zugänglicher Tiefbunker während des 2. Weltkrieges eingebaut. Somit steht für eine Eintragung in die Denkmalliste einzig das Gebäude an sich zur Verfügung.

Es präsentiert sich als zweigeschossiges, verputztes Walmdachtraufenhaus in symmetrischem Fassadenaufbau zu 7 Achsen mit einem rückwärtigen quadratischen Eckturm unter einer Welschen Haube. Auf der Front zeigt das Gebäude konvexbogige Vorbauten, die auf besondere Räume im Inneren des Hauses schließen lassen und ein Mittelportal, das von einem Portikus mit einem gesprengten Volutengiebel gerahmt ist. Die Straßenfassade wird durch ein übergiebeltes Zwerchhaus und seitliche Gauben betont. (Vgl. Barth-Hartmann-Kracht: Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis, 3. Aufl. 1993, Seite 433).

Einblicke in Villa Hueck aus dem Jahr 1914
Das Herrenzimmer

Die Details am Gebäude sind in allen Einzelheiten seit der Bauzeit erhalten. Von der wandfesten Ausstattung sind nur noch wenige Stücke vorhanden, insbesondere sind hier das getäfelte Vestibül und ein getäfeltes, mit einer Holztonne gewölbtes Bibliothekszimmer, im Erdgeschoß links von der Straße aus gesehen, zu nennen. Der Grundriß des Gebäudes ist vollständig erhalten und entspricht den Bauzeichnungen von 1913.

Auch am Außenbau ist erkennbar, daß der Villa, ganz im Sinne der Wiederbelebung der heimatlichen Bauformen, das Grundrißkonzept des Appartment Double zu Grunde gelegt ist: eine Längswand teilt das Gebäude, in ihr liegen die Kamine und an ihr ist der Flur entlanggeführt. Infolgedessen sind die Treppenläufe im vorderen Hausteil eingebracht, ohne ein wie bei Villen der Zeit übliches repräsentatives Treppenhaus auszubilden. Am Außenbau läßt sich dieses Grundrißprinzip und das Vorhandensein der Trennwand durch eine große Freifläche auf der Mitte der Schmalseite des Hauses ablesen. Weil bei den adeligen Vorbildern, die in Westfalen bald nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden, fehlt auch hier nicht der Eckturm.

Innenansicht
Innenansicht

Somit ist die neubarocke Villa Hueck bedeutend für Lüdenscheid, da sie unter den Fabrikantenvillen am Ort bzw. in der Kernstadt, von denen noch etliche zur vergleichenden Betrachtung zur Verfügung stehen, einen besonderen Typ verkörpert. Zum Vergleich sei hier auch auf die Villa Platehof hingewiesen (Lüdenscheid-Brünninghausen, Platehofstraße 1 - 9/Platehof, hier neues Herrenhaus, klassizistisch). Innerhalb dieser Beispiele ist die Villa Hueck im besonderen Maße geeignet, historische Vorgänge und Entwicklungen am Ort und darüber hinaus zu bezeugen.

Wissenschaftliche Gründe für den Denkmalwert ergeben sich für die Geschichte des Bauens (nicht) vor dem 1. Weltkrieg, weil hier historisch heimatliche Bauformen des Adels reflektiert und in den Wohnhausbau der Großbürger umgesetzt wurden. Hierdurch belegt das Haus des weiteren die sozialgeschichtliche Komponente: Die seinerzeit Bescheidenheit und Zurückhaltung beabsichtigende Selbstdarstellung der Fabrikantenschaft ist durch den sparsam werkgerecht dekorierten Bau verwirklicht.

Der Wintergarten
Der Wintergarten

Städtebauliche Gründe für den Denkmalwert ergeben sich durch den Zusammenhang mit anderen Wohnhäusern derselben Bevölkerungsschicht an der innenstadtnahe gelegenen Humboldtstraße. Im Laufe der baulichen Entwicklung wurde das ursprünglich sehr große Grundstück der Familie seit den 1870ern nach und nach mit Wohnhäusern derselben Fabrikantenfamilie bestellt. Das Haus ist das jüngste aus dieser Bautätigkeit und zieht auf der Terrasse und Straßenecke gelegen besondere Aufmerksamkeit auf sich. Über die großen Freiflächen zwischen den einzelnen Häusern der engeren Umgebung ergeben sich viele Blickmöglichkeiten auf die Villa und insbesondere ihren charakteristischen Turm, wodurch die Villa im Bild der Innenstadt unverzichtbar ist.

Das Wohnzimmer
Das Wohnzimmer