122. Gustav-Adolf-Straße 4 (Firma Berg)

Das Gebäude wurde 1897 für die Knopffabrik Loers & Hueck von den Dort­munder Architekten Schmittmann & Klemp errichtet. Der mächtige dreige­schossigePutzbau ist durch horizontale und vertikale Backsteinzierele­mente gegliedert. Das Gebäude ruht auf einem niedrigen Sockelgeschoß aus Bossenquadermau­erwerk. Die in der Höhe nach oben abnehmenden Geschosse zeichnen sich in der Fassade durch eine individuelle Gestaltung der Fensterformen und -größen aus. Besonders bemerkenswert sind die gußeisernen Stützen, die die Fenster im Erdgeschoß und Obergeschoß teilen. Entsprechend der Nutzung für die Produktion sind die Fenster im Erdgeschoß und 2. Ober­geschoß in Eisen und die Verwaltungsetage im 1. Obergeschoß in Holz ausgeführt. Die Schauseite des Gebäudes wird durch einen Mittelrisalit betont, in welchem sich das in neugotischen Formen gestaltete Eingangs­portal befindet.

Nachdem Wilhelm Berg 1905/06 die Fabrik übernommen hatte, wurde sie nach und nach der veränderten Nutzung, als Aluminiumbetrieb, angepaßt, im wesentlichen durch innere Umbauten und Aufstockung des Flügelbaus zur Bahnseite hin im alten Stil. 1922 wurde zwischen den beiden Flügelbauten ein viergeschossiger Verbindungsbau aus Eisenbeton mit Ziegelmauerwerk gesetzt, dessen Schauseiten mit vereinfachter aber angepaßter Form gestaltet wurden.

Die Aluminiumindustrie ist auf das Engste mit dem Kommerzienrat Carl Berg jun., dessen Unternehmen ebenfalls aus der Knopffabrikation hervorgegan­gen ist, verbunden. Er erkannte frühzeitig (1888) die Möglichkeit, die in diesem neuen Material verborgen waren und schuf die Voraussetzungen für seine industrielle Verwertung. Er entwickelte Legierungen, die das ursprüngliche weiche Material härten und gleichzeitig dehnen ließen. Lüdenscheid wurde somit Geburtsort einer weltweiten Aluminiumindustrie. Carl Berg begann, die Verarbeitung des Aluminiums in großem Maßstab im Jahre 1891, als auf seinen Vorschlag hin Beschläge der Mannschaftszelte des Deutschen Heeres aus Aluminium hergestellt und geliefert wurden. 1895 gelang ihm eine besonders harte Legierung, die Viktoria-Aluminium. Damit konnte jetzt Aluminium zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet werden.

Die Fabrik Gustav-Adolf-Straße 4 oberhalb des Bahnhofes übernahm Carl Berg 1905/06. Sie diente allein der Verarbeitung des Aluminiums für die Herstellung von Heeresausrüstungsgegenständen sowie Haus- und Küchenge­räten. Ständig neue Produktionsverfahren hielten die Fabrik konkurrenz­fähig.

Aufgrund seines Dokumentationswertes für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Knopf- und Aluminiumbereich kommen der Firma Carl Berg örtliche und überörtliche Bedeutung zu. Das Fabrikgebäude mit seiner historistisch gestalteten Fassade ist zudem ein anschauliches Dokument für den Industriebau der 1890er Jahre, der zu dieser Zeit in Westfalen noch ganz dem traditionellen Stilempfinden verhaftet war. Es dient weiterhin der Erforschung der frühen Arbeit der Dortmunder Archi­tekten Schmittmann & Klemp, die vorwiegend im Ruhrgebiet tätig waren (u.a. Herne, Flottmannhallen).                            

 

Das Gebäude Gustav-Adolf-Straße 4 wurde am 20. Juli 1992 unter der laufenden Nummer 122 in die Dankmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.