98. Hohfuhrstraße 42 (Villa Berg)

Bei der Villa Hohfuhrstraße 42 handelt es sich um einen zweigeschossigen neubarocken Putzbau in Form eines Kubus mit asymmetrischen Risaliten und Anbauten. In den Giebeln und an den Fenstern befindet sich neubarocke Stuckzier. Im Inneren des Gebäudes ragt die große, über alle Etagen reichende Halle, die noch weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten teilweise noch mit originalen Einrichtungsgegenständen versehen ist, hervor. Auch ist noch die alte Rufanlage für das Personal sowie die zentrale Staubsauganlage vorhanden.

Etwas abseits vom Hauptgebäude steht die Automobilgarage. Bei diesem Gebäude handelt es sich um einen schlichten, nur durch einige Lisenen geschmückten Putzbau unter einem verschieferten Mansarddach. Zur Straße hin wird das Grundstück durch ein sehr qualitätsvolles neubarockes Gitter abgeschlossen. Beide Gebäude wurden im Jahre 1906 von den Düsseldorfer Architekten Kayser und von Groszheim für die Familie des Kommerzienrats Carl Berg, einen der bedeutensten Lüdenscheider Industriellen der Gründerzeit, erbaut

Quelle: LWL - Amt für Denkmalpflege

Als im Jahre 1906 die Bauerlaubnis für die Villa erteilt wurde, wurde auch die Anlage des dazugehörigen Villengartens schon geplant und vermutlich im gleichen Jahr noch ausgeführt. Die etwa zeitgleiche Planung ist belegt durch einen Bewässerungsplan eines Düsseldorfer Büros aus dem Jahre 1906. In diesem Plan wird neben den Leitungen das Wagesystem eines typischen Villengartens aus der zeit um die Jahrhundertwende im sogenannten „gemischten Stil“, das heißt, dass gradlinige und geometrisch regelmäßige Formen zu unregelmäßigen geschwungenen Linien kontrastieren, dargestellt. Der Plan zeigt einen geometrisch regelmäßigen Anlageteil mit einem Wegerechteck mit innenliegendem Rondell, der symmetrisch und der Villa formal zugeordnet ist.

An dieses Rechteck schließt sich südwestlich ein quadratisches Feld mit laufendem Weg mit einer halbkreisförmigen Ausbuchtung auf der Nordwestseite an. Der regelmäßige Anlageteil wird eingebettet in ein asymmetrisches, großzügig geschwungenes Wegesystem mit einer Reihe von Halbrund- und Rundplätzen. In der nördlichen Gartenecke mündet diese in einen größeren Rechteckplatz. Der Vorgarten und der Anlagebereich bei dem ehemaligen Kutscherhaus werden durch gradlinige und kreisbogensegmentförmige Wegeformen geprägt.

Der vorhandene Plan gibt keine Auskunft über die Bepflanzung des Villengartens. In der Regel waren die regelmäßig geometrischen Anlageteile durch intensiv zu pflegende Zierpflanzungen geprägt, während die Gartenbereiche mit unregelmäßig geschwungenem Wegenetz als Wandelgarten dienten und entsprechend großzügig bepflanzt waren. Die Halbkreis- und Kreisplätze deuten erfahrungsgemäß auf mehr oder weniger geschützte Sitznischen hin, die entweder ganz im Verborgenen lagen oder zum Betrachten der Zieranlagen dienen sollten. Die großzügige Rechteckfläche in der Bordecke der Anlage könnte dabei ursprünglich entweder als Sitzterrasse oder als Lagerplatz Abfälle gedient haben.

Quelle: LWL - Amt für Denkmalpflege

Das historische Wegesystem ist zum Teil noch erhalten, zum Teil, besonders in den regelmäßigen Anlageteil hinter der Villa, der inzwischen in rasen eingesät wurde und heute als Spielplatz dient, noch durch das Bodenrelief erschließbar. Das Gartengelände fällt von der an seinem höchsten Punkt errichteten Villa deutlich nach Norden hin ab und wird durch teilweise rampenartig ausgebildete Wege erschlossen. Die Böschungen sind zum Teil durch Zyklopensteine oder durch Rasen befestigt. Als nördlicher Abschluss des regelmäßigen Anlageteiles ist eine Reihe von halbrunden Steinen mit Eisenbohrungen vorhanden. Villa, ehemaliges Kutscherhaus und Villengarten gehören untrennbar zusammen und sind als eine Gesamtanlage zu betrachten. Es handelt sich hierbei um ein bedeutendes Beispiel einer Villenanlage aus der Zeit um die Jahrhundertwende für eine Lüdenscheider Industriellenfamilie, die über Deutschland hinaus bekannt war und ist. Damit ist diese Gesamtanlage bedeutend für die Geschichte der Stadt Lüdenscheid. Für die Erhaltung und Nutzung dieser Gesamtanlage liegen wissenschaftliche Gründe vor, weil es sich hier um ein typisches Beispiel einer Reihe von Villenanlagen für bekannte Lüdenscheider Fabrikantenfamilien aus der Zeit nach der Jahrhundertwende handelt, deren Gärten nur relativ bescheidenen Repräsentationsansprüchen dienten, da es zu jener Zeit im Gegensatz zu den 1920er Jahren nicht schicklich war, seinen wahren Reichtum zu zeigen.Für die Erhaltung und Nutzung dieser Gesamtanlagen liegen auch städtebauliche Gründe vor, weil die Lage des Objektes am ansteigenden Hang über dem als bebauten Tal in Randlage zur Innenstadt kennzeichnend für die städtebauliche Entwicklung Lüdenscheids um die Jahrhundertwende ist. Nur an dieser exponierten Stelle war die Anlage eines den Ansprüchen dieser bedeutenden Industriellenfamilie gerecht werdenden großen und zentrumsnahen Villengartens, von dem her man auch noch über das Tal sehen konnte, damals räumlich überhaupt möglich.

Als rahmende Pflanzungen sind paarweise torartig gesetzte Linden, Kiefern und Taxus sowie ein Kranz von Kastanien bei der Platzform südwestlich des der Villa zugeordneten Rondells besonders hervorzuheben. Daneben wird die Bepflanzung durch exotische Nadelgehölze, Fichten, Rhododendren und Farnkräuter neben einer Reihe jüngerer Gartengehölze und einem stark mit Jungwuchs durchsetzten waldartigen Bestand mit streckenweiser bodendeckender Pflanzung aus Efeu in der nördlichen Gartenecke geprägt. In der nordwestlichen Ecke der Anlage befindet sich eine Obstwiese bei der Ruine des ehemaligen Hühnerhauses. Es ist charakteristisch für Villengärten des frühen 20. Jahrhunderts, dass der Nutzgartenteil etwas versteckt in einem abgelegenen Anlageteil unterbracht wurde.