89. Haferkasten Brüninghausen

Der Haferkasten genannte aushäusige Behälter, ein alter schreinermäßig gestalteter Kleinspeichertyp, findet sich in einigen Beispielen des 16.- 18. Jahrhunderts noch im Märksichen Sauerland.
Diese Kastenspeicher sind anch draußen gestellte große Spitzdeckeltruhen, die mit ihren Eckstollen auf einem Schwellenrost stehen. Ein Steinfundament oder früher einmal sog. Mäsuepfeiler, wie sie heute noch an Haferscheunen des Westmünsterlandes vorkommen, hoben den geschreinerten Kasten aus dem Bereich der Bodenfeuchtigkeit.

Die kurzen Mäusepfeiler sind nach oben konisch zulaufend. Sie tragen auf ihren Köpfen Steinplatten. Die Mäuse kommen um den spitzen Winkel, den die Platte mit dem zugespitzten Stein bildet, nicht herum. Ein Strohdach (später ein Ziegeldach) überdeckte wetterfest den Spitzdeckel dieser aushäusigen westsauerländischen Korntruhen. Im westlichen Münsterland bleiben einige Erinnerungen an die Kornkästen bei den nicht befahrbahren -nur durch Luken beladbaren- "Museschoppen" für Hafer bewahrt.
Der Haferkasten in Lüdenscheid-Brüninghausen

Bei dem Kasten in Lüdenscheid-Brüninghausen aus dem Jahr 1755 handelt es sich um einen zweigeschossigen pfannengedeckten Kornkasten des Eckpfostentyps. Diese Korn- und Haferkästen waren früher fester Bestandteil jedes Bauernhofes. Sie verschwanden jedoch ziemlich schnell, als die veränderten Wirtschafts- und Bevorratungsmethoden sie überflüssig machten. Sie sind daher inzwischen recht selten geworden.

Der Haferkasten in Brüninghausen stellt ein Dokument bäuerlicher Wirtschaftsweise dar und ist außerdem auch als frühes Zeugnis der Zimmermannskunst anzusehen, die zwischen Fachwerkbau und Möbelschreinerei anzusiedeln ist.

Der Kasten steht in Privateigentum und ist seit dem 26. Mai 1989 unter der laufenden Nummer 89 in der Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid verzeichnet.