Am 8. März 1875 schlug der Präsident des Oberlandesgerichts in Hamm dem regierungspräsidenten in Arnsberg vor, den ganzen Bezirk des Kreisgerichts in Lüdenscheid dem Kreisgericht Iserlohn als Hauptgericht zuzuweisen. Als Gründe gab er an, dass der Umfang der Verfahren in Lüdenscheid für fünf Richter zu gering geworden sei, so dass zwei Richter genügen würden, und die Gerichtsräumlichkeiten in Lüdenscheid für ein Kreisgericht nicht ausreichten.

Iserlohn sei außerdem dank der neuen Eisenbahnlinien für Lüdenscheid keine Entfernung mehr. Neben Iserlohn wurde auch an eine Verlegung nach Hagen gedacht. Aber Iserlohn bot sich deshalb an, weil es Sitz des Staatsanwalts war. Der Justizminister stimmte zu. Bevor jedoch die Verlegung durchgeführt werden konnte, kam es zu einer allgemeinen Neuorganisation des Gerichtswesens im Jahr 1878, in deren Verlauf das Kreisgericht Lüdenscheid zum Amtsgericht mit verminderten Gerichtsaufgaben zurückgestuft wurde. Jetzt blieb ihm im wesentlichen nur die Stadt- und Landgemeinde Lüdenscheid, und es wurde dem Landgerciht Hagen unterstellt, dem es vorher gleichgeordnet war. Das war für Lüdenscheid das Ende einer Entwicklung, die mit der Justizreform von 1752 begonnen hatte und der Stadt von ihrer früheren Bedeutung als Gerichtsort wenig übrig ließ.
Der heutige Haupteingang
Der heutige Haupteingang

Seit Beginn der Neuzeit hatte bis 1719 ein Hochgericht in Lüdenscheid bestanden, das als Appellationsgericht zuständig war für altena, Neuenrade und die halbe Grafschaft Mark bis Amt Bochum, Wetter, Herdecke, Volmarstein und Schwelm. Es besaß die Halsgercihtsbarkeit und hatte noch bis etwa 1800 einen Scharfrichter. Von zwei Hinrichtungen im 16. Jahrhundert auf dem Galgenberg berichten die Quellen. Nach 1652 unterstanden dem Hochgrafen in Lüdenscheid noch die drei Gerichte Herscheid, Hülscheid und Lüdenscheid.

Die Justizreform von 1752 schaffte das Amt des Hochgrafen ab und richtete Landgerichte ein, in unserem Gebiet in Lüdenscheid und Altena.  Seitdem gehörten nur noch die Kirchspile Lüdenscheid, Herscheid, Kierspe, Valbert, Meinerzhagen, Rönsahl, Hülscheid, Halver und Breckerfeld zum Gersichtsbezirk Lüdenscheid, der nach der Franzosenzeit wiederum um Hülscheid und Breckerfeld verkleinert wurde. Immerhin war aber Lüdenscheid noch gleichberechtigt mit den anderen Stadt- und Landgerichten wie Duisburg, Essen, Dortmund und Hagen, um nur einige zu nennen, und war mit diesen direkt dem Appellationsgericht in Cleve, dem späteren Oberlandesgericht in Hamm, unterstellt.

1849 wurde aus dem Stadt- und Landgericht Lüdenscheid das Kreisgericht. Es erfuhr damit eine weitere Verkleinerung seines Bezirks: Valbert, Meinerzhagen, Rönsahl und ein Teil von Kierspe schieden aus. Das Ende dieser Entwicklung war die Einstufung als Amtsgericht im Jahr 1878.

Das Gebäude auf einer undatierten Ansicht

Die tieferen Gründe für diese Rückstufung beruhten auf dem ungeheuren Aufschwung der Industrie an Rhein und Ruhr und der damit verbundenen Bevölkerungsexplosion. Trotz seiner ebenfalls erstaunlichen Entwicklung war Lüdenscheid damit in eine Randlage geraten, die durch die unsere Stadt ausklammernde Linienführung der Eisenbahn verkehrsmäßig noch verstärkt wurde. 1907 erhielt das seine Unterkunft in der Philippstraße.

aus: "Geschichte der Stadt Lüdenscheid 1813- 1914", Autor: Günter Deitenbeck,1985, hrsg. Stadt Lüdenscheid

Das Gebäude Staberger Straße 3 beheimatet heute die städtische Schulpsychologische Bertungsstelle und steht in städtischem Eigentum. Am 22. Mai 1986 ist es unter laufenden Nummer 57 in die Denkamlliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen worden.