Schloss Neuenhof im Jahr 2004
Schloss Neuenhof im Jahr 2004

Schloss Neuenhof gehört zu den kunsthistorisch und stadtgeschichtlich ansehnlichen und herausragenden Baudenkmälern in der Stadt Lüdenscheid.

Es handelt sich um eine im Stil der Zeit gestaltete Schlossanlage, die zu den wertvollsten Barockbauten im Märkischen Sauerland zählt.

Der Gebäudekomplex besteht aus dem Herrenhaus, den nördlichen und südlichen Ökonomiegebäuden, den Remisen, der Hausgarteninsel, dem Gärtnerhaus, der Garage sowie der Gartenanlage und dem Teich. Als vorderer Hofabschluss dient ein prächtiges schmiedeeisernes Rokokogitter. Das Hauptgebäude mit seinen Türmen besteht aus Keller-, Erd- und Obergeschoss und ist von Wasser umgeben. Der ansehnliche Vorburgplatz wird gesäumt von langgestreckten Wirtschaftsgebäuden des späten 18. und frühen 19. Jh.. Im Inneren befinden sich stuckierte Decken und Kamine sowie gute Schnitzereien an Türen, Fenstern und eingebauten Schränken, Anfang und Mitte 18. Jh..

Bild Schloss Neuenhof

Der Stammsitz des angesehenen märkischen Adelsgeschlechts der von Neuenhoff zu Neuenhof liegt im Elspetal. Prestige, Einfluss und Vermögen der Neuenhofer wuchsen von Generation zu Generation. Neben reichem Grundbesitz besaßen sie gewerbliche Betriebe, eine Drahtrolle und mehrere Hammerwerke. Von gleich hohem Ansehen wie die Neuhofer war das nach ihnen auf Neuenhof einziehende bergische Adelsgeschlecht der Bottlenberger, die als Erben ihres Stammhauses Hackhausen den Güter- und Vermögensstand beachtlich erweiterten.

Die Erbtochter Josina von Neuhoff wurde 1714 mit dem Freiherrn Friedrich Wilhelm Leopold Christian von Bottlenberg genannt Kessell zu Hackhausen getraut. Auf den ledig gebliebenen, 1820 verstorbenen Leopold Friedrich Wilhelm Franz von Bottlenberg folgte der älteste Sohn seiner Nichte, Julius Clamor Friedrich Wilhelm Carl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg als Erbe von Neuhof. Da er auf Haus Ippenburg lebte, war Haus Neuenhof in der Folgezeit nicht mehr dauernd bewohnt. Dieser Zustand dauerte bis 1974, als Alhard Freiherr von dem Bussche-Ippenburg gen. von Kessell als Besitzer mit seiner Familie das so lange verwaiste Schloss bezog.

Bild Schloss Neunhof

Die Geschichte von Schloss Neuenhof geht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Auf Neuenhof wird zum ersten Mal urkundlich im Jahre 1326 hingewiesen. Andere Dokumente und die Lage Neuenhofs an einem bedeutenden Fernweg lassen vermuten, dass es sich um eine befestigte Burganlage handelte. Archäologische Funde des Jahres 1981 belegen, dass die mittelalterliche Burg genau den Platz des heutigen Wasserschlosses innehatte. Unmittelbar an den Fundamenten wurden im heutigen Wassergraben Scherben von Gebrauchsgeschirr aus dem frühen 14. Jahrhundert gefunden.

Bild

Der Kurbrandenburgische Rat Steffen von Neuhoff erstellte ein zweigeschossiges Wohnhaus mit einem steilen Dach, dessen Baujahr 1643 die Wetterfahne am First anzeigt.

Die Wetterfahne mit dem Wappen Ascheberg-Neuhoff ist die älteste am Schloss zu findende Jahreszahl. Sie zeigt die Wappen der Großeltern von Elisabeth Josina: Steffen von Neuhoff (1608-1671) und Adolpha von Ascheberg zu Rauscheburg.

Die Jahreszahl 1643 weist aber auch noch auf ein anderes bedeutsames Ereignis hin. Im Dreißigjährigen Krieg hatte es eine nahezu Zerstörung der Wasserburg Neuenhof gegeben, die auf Kriegshandlungen schließen lassen könnten. In den Chroniken wird von einem Brand im Jahre 1638 gesprochen. Der anschließende Wiederaufbau der Burg war sodann im Jahre 1643 abgeschlossen und mit der Wetterfahne dokumentiert.

Am 3. Dezember 1693 wurde das Schloss erneut ein Raub der Flammen. Johann Leopold von Neuhoff und Ida Elisabeth Elbertine von Laer ließen das Bauwerk, das in seinen Grundmauern noch bestand, seit 1694 wieder aufbauen und zugleich erweitern. Die unzerstörten Kellergewölbe wurden einbezogen und die weitgehend erhalten gebliebenen früheren Außenwände mit ihren Fensterdurchbrüchen wurden zum Teil als Innenwände wiederverwendet. An der Ostseite ließ er 1746 flankierend zwei Eckpavillons setzen.

Eine undatierte Ansicht
Eine undatierte Ansicht

Weitere bauliche Veränderungen brachte das 18. Jahrhundert. Das schon damals von Wassergräben umgebene, über eine Steinbrücke zugängliche Schloss erhielt 1740 zwischen den heutigen Türmen einen risalitartigen Eingang, bekrönt von einem reichen, holzgeschnitzten Giebel mit dem Allianzwappen Bottlenberg-Neuhoff. Das Wappen weist auf die Eheschließung der Erbtochter Elisabeth Josina von Neuhoff mit dem rheinischen Freiherrn Friedrich Wilhelm Christian von dem Bottlenberg genannt Kessell zu Hackhausen im Jahre 1714 hin.

Die bauliche Ausdehnung des Herrenhauses war - wie die Maueranker ausweisen - 1746 vollzogen. In die gleich Zeit fiel die Erweiterung des Schlosses nach Westen zur Gartenseite hin. 1782 wurde der Gartensaal fertiggestellt. Bauliche Umgestaltungen der Wirtschaftsgebäude des Schlosses schlossen sich Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts an.

Quellen: 
Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis, 1993, (Ulrich Barth, Elmar Hartmann, August Kracht, Heinz Störing), http://www.schloss-neuenhof.de.

Das Schloss im Jahr 1931
Das Schloss im Jahr 1931

Schloss Neuenhof wurde am 03.12.1984 unter der laufenden Nummer 9 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen. Das Schloss befindet sich in Privatbesitz und ist nur von außen zu besichtigen.