Die Situation in der Philippstraße um 1913
Die Situation in der Philippstraße um 1913

Mit Schreiben vom 23. September 1901 beantragte der Lehrer Albert Lüttringhaus die Erlaubnis zur Errichtung eines Neubaus auf dem Grundstück an der Philippstraße, Flur 56. Die Bauerlaubnis zu diesem Vorhaben wurde durch die damalige Baupolizeibehörde am 07. Oktober 1901 erteilt. Die Planung des Gebäudes wurde durch den Bauunternehmer  Otto Liemke  erarbeitet.

Das zweigeschossige Wohnhaus steht auf einem über Eck angelegten Grundriss. Es ist in der Form eines Krüppelwalmdachhauses mit rechtem Seitenrisalit mit Zierfachwerkgiebel gestaltet. Der ursprünglich durch ein Vordach geschützte Eingangsbereich wurde 1937 durch einen massiven zweigeschossigen Vorbau erweitert, so dass die ursprünglich akzentuierte Ecklösung etwas abgemildert wurde. Besonderes Gestaltungselement neben dem Zierfachwerk ist das im Erdgeschoss befindliche Spitzbogenfenster.

Die Philippstraße in einer undatierten Ansicht mit Blick auf das Alte Amtsgericht. Das Gebäude Philippstraße 22 befindet sich am rechten Bildrand.
Die Philippstraße in einer undatierten Ansicht mit Blick auf das Alte Amtsgericht. Das Gebäude Philippstraße 22 befindet sich am rechten Bildrand.

Obwohl der Grundriss weitgehend erhalten blieb, gab es im Laufe der Zeit einige Funktionsverschiebungen, zumal das Einfamilienwohnhaus zeitweise als Etagenwohnhaus genutzt wurde. Gut erhalten sind die Treppenanlage sowie die meisten Türen. Allerdings wurden die Fenstergrößen auf der Rückseite des Gebäudes verändert. Der abschüssige Garten ist nur über den Keller zu erreichen.

Das Wohnhaus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid, da an dem Gebäude noch sehr gut vermittelt werden kann, wie das mittlere Bürgertum um 1900 gelebt hat. Im Erdgeschoss waren die Küche und die öffentlichen Wohnräume, wobei zwischen Wohn- und Esszimmer und Guter Stube unterschieden wurde. Im Obergeschoss waren die privaten Wohnräume. Im Dachgeschoss gab es noch einmal zwei Stuben, neben denen die Mägdezimmer lagen. Zur Erfüllung der häuslichen Aufgaben waren neben der Küche eine Vorratskammer und im Keller die Waschküche mit Ausgang zum Garten angelegt. All diese Einrichtungen sind auch heute noch, wenn auch in anderer Nutzung, räumlich vorhanden.  

Das Äußere des Hauses entspricht dem Inneren. Die Straßenfassade ist aufwendig gestaltet, während die übrigen Hauswände untergeordnet sind und die Fensteröffnungen funktional von innen heraus angeordnet sind. Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe vor, da das Haus mit seinen Entlehnungen aus dem Historismus und dem Heimatstil eine typisches Gebäude um 1900 darstellt. Der Denkmalumfang bezieht sich auf das Äußere des Gebäudes mit den noch erhaltenen Fenstern an der Straßenfront, Tür und Dachgestalt und das Innere des Hauses, insbesondere der Türen und des Treppenhauses. Nicht denkmalwert sind der Garagenanbau und der seitliche Eingangsvorbau.

Das Gebäude Philippstraße 22 bnefindet sich in Privatbesitz und ist seit dem 14.08.2007 unter der laufenden Nummer 159 in der Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid verzeichnet.