4. Mittelster Osemundhammer Schloss Neuenhof

Die Lage des Osemundhammers
Die Lage des Osemundhammers

Bei Hammerwerken handelt es sich um Standorte früher Industrieanlagen, in denen das Roheisen weiterverabeitet wurde. Im wesentlichen bestanden sie aus einem ober- (Wasser wird auf das Rad geführt) oder auch unterschlächtigen Wasserrad (Rad dreht sich im fließenden Wasser), dessen Achse, die Hammerwelle, mit sogenannten "Daumen", d. h. eisernen Keilen, versehen war, die ein regelmäßiges Heben und Senken des Hammers bewirkten. Auf diese Weise ließen sich Rohfabrikate herstellen, die von Schmieden zu den endprodukten (z. B. Pfannen, Sensen, Draht) weiterverarbeitet werden konnten. Bei dem Mittleren Osemundhammer zu Schloss Neuenhof handelt es sich um einen Osemundhammer, der Drahtosemund für die Weiterverarbeitung zu Draht hergestellt hat.

In seiner Ausarbeitung aus dem Mai 1997 erläutert der Lüdenscheider Heimatforscher Dr. Manfred Sönnecken (gest. 08.11.2003) die geschichtlichen Zusammenhänge zum mittelsten Osemundhammer so treffend, dass diese hier ungekürzt wiedergegeben wird.

In jüngster Zeit wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erneut auf Schloss Neuenhof gelenkt, da industriearchäologische Funde einen unmittelbaren Zusammenhang von Eisenerzeugung und Herrensitz im oberen Elspetal warscheinlich machen. Diese Funde sind insofern bedeutsam, da sie die Bedeutung des lokalen Adels als Unternehmer in der eisenschaffenden Industrie verdeutlichen, auf der anderen Seite aber auch neue Erkenntnisse zum historischen Zusammenhang von Eisenerzeugung- und verabeitung ermöglichen.

Unterhalb der Schlossanlage sind heute noch deutlich im Gelände die Reste des Mitlleren Osemundhammers zu Neuenhof erkennbar. Dietrich Woeste zählt diesen neben dem Obersten und Untersten Osemundhammer zu den ältesten Anlagen ihrer Art. Wenn auch die historische Überlieferung nicht weiter als in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, also in die Mitte des 17. Jahhunderts zurückreicht, so haben die neueren Funde um den Neuenhof im oberen Elspetal um so mehr den Beweis erbracht, dass die Tradition der Eisenverhüttung und verarbeitung in diesem Tal viel älter ist und mindestens in das 14. Jahrhundert zurückreicht.

Der Elspebach
In diesem Bereich des Elspebaches befinden sich die unscheinbaren Reste des ehemaligen Osemundhammers

Der Mittlere Hammer, dessen obertägige Relikte beseitigt wurden, dessen Lage aber noch an den Resten des ehemaligen Obergrabens, insbesondere aber an den unmittelbar am Bach liegenden Resten seiner Schlackenhalde noch deutlich erkennbar ist, hat in dem Forschungsprojekt "Eisen- und Stahlerzeugung im märkischen Sauerland. Eine Produkitonskette von der Rennverhüttung bis zum Beginn des Osemundfrischens (ca. 800 - 1600 n . Chr.)" eine Rolle gespielt, da an diesem Ort eine noch relativ erhaltene Schlackenhalde eines Osemundhammers sich befindet, der Drahtosemund für die Weiterverabeitung zu Draht hergestellt hat, während die im oberen Volmetal und seinen Nebentälern benachbarten Osemundhämmer warscheinlich vom Beginn ihrer Produkitionstätigkeit an Knüppelosemund als Vorprodukt für die Messer- und Klingenproduktion im Raume Remscheid-Solingen produziert haben.

Es wurden daher vom Mittleren Neuenhofer Hammerplatz mit der einzigen noch relativ erhaltenen Schlackenhalde dieser Art Schlackenproben gezogen, die im Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf analysiert wurden. Von dieser Untersuchung ausgehend, konnte der Unterschied zwischen Drahtosemund und Knüppelosemund festgestellt und beschrieben werden.

Anmerkung: Dieses Forschungsprojekt wurde durchgeführt in der Zeit von 1994 - 1996 unter der Leitung von Dr. Bendix Trier, (damaliger) Direktor des Westfälischen Museum für Archäologie, Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel, Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und Dr. D. Horstmann vom Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf.

Im 18. Jahrhundert gehörten zum Neuenhof fünf Osemundhämmer und ein Anteil von 8/9 am Bremecker Osemundhammer. Außerdem gehlörten zum Neuenhof noch ein einfacher und ein doppelter Rohstahlhammer, sechs Reckhämmer, ein Stahlhammer und ein Sensenhammer. Von diesen Wasseranlagen lagen allein sieben in Verbindung zum Schloss im oberen Elspetal. Schon diese Aufzählung zeigt die Bedeutung der Herren vom Neuenhof für die Industriegeschichte dieser Zeit. In der historischen und industrieachäologischen Forsschung der vorindustriellen Zeit nimmt das Schloss Neuenhof mit seinen wassergetriebenen Anlagen seit dem 14. Jahrhundert insbesondere in der Verknüpfung von Eisenerzeugung und Eisenverarbeitung einen hervorragenden Platz ein.

 

Der Elspebach diente als "Kraftwerk" für den Osemundhammer
Der Elspebach diente als "Kraftwerk" für den Osemundhammer
Im 18. Jahrhundert gehörten zum Neuenhof fünf Osemundhämmer und ein Anteil von 8/9 am Bremecker Osemundhammer. Außerdem gehlörten zum Neuenhof noch ein einfacher und ein doppelter Rohstahlhammer, sechs Reckhämmer, ein Stahlhammer und ein Sensenhammer. Von diesen Wasseranlagen lagen allein sieben in Verbindung zum Schloss im oberen Elspetal. Schon diese Aufzählung zeigt die Bedeutung der Herren vom Neuenhof für die Industriegeschichte dieser Zeit. In der historischen und industrieachäologischen Forsschung der vorindustriellen Zeit nimmt das Schloss Neuenhof mit seinen wassergetriebenen Anlagen seit dem 14. Jahrhundert insbesondere in der Verknüpfung von Eisenerzeugung und Eisenverarbeitung einen hervorragenden Platz ein.

Der Mittelste Osemundhammer Schloss Neuenhof wurde am 18. August 1999 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.