197. Platehofstraße 11/11a

Das früheste mit diesem Haus in Verbindung stehende Datum ist das Jahr 1521. Bei einer dendrochronolgischen Untersuchung wurde bei zwei Sparrenpaaren dieses Fälldatum festgestellt. Weitere Proben konnten auf den Winter 1593/94 datiert werden. Unter Vorbehalt lässt sich folgendes feststellen: „Baubefunde und Dendrochronologie lassen den Schluss zu, dass das Haupthaus Platehof 11 im 16. Jahrhundert, spätestens 1594 (d) in seiner heutigen Form errichtet wurde.

Da der größte Teil des Dachwerks kurz nach 1521 datiert und damit fast drei Generationen älter ist, ist sogar nicht auszuschließen, dass 1594 ein älterer, möglicherweise in Fachwerkbauweise errichteter Bau verlängert wurde und massive Außenwände erhielt.“

Der Wohnteil des Hauses in seiner heutigen Form nimmt fast die Hälfte des Hauses ein und geht über drei Geschosse. Die Ausgestaltung lässt sich stilgeschichtlich in das 17. Jahrhundert datieren. Hier müssten nach erstem Eindruck auch verschiedene Umbauten stattgefunden haben.

Um 1900 wurde das westliche Seitenschiff unter Hinwegnahme der Dielenwand in eine Wohnung umgebaut. Auch das Dach wurde in dieser Zeit verändert, indem die Wände zu einem Drempel hochgezogen wurden. In der Folge mussten auch die Giebelwände erhöht werden. Um eine neue Dachhaut aufzubringen wurden auch die Sparren entsprechend erhöht. Durch diese Maßnahme wurde die Lagerfläche im Dachraum vergrößert. Zugleich wurde auf dem Nordgiebel eine größere Luke eingebrochen.

Des Weiteren konnte das dritte Geschoss des Wohnteils 1898 aufgestockt und ausgebaut werden. Die Backsteinaufstockung zeigt diese Maßnahme deutlich. Zu dieser Zeit wohnten – wie in dem oben abgebildeten Grundriss zu sehen ist – neben der Familie Brüninghaus noch zwei weitere Familien im Haus.

Thomas Hostert beschreibt die frühe Eigentümergeschichte von Niederbrüninghausen. Er schreibt, dass Niederbrüninghausen durch Belege von 1756 und 1788 ein Freigut war. 1633 führt Gut Niederbrüninghausen die höchsten Steuern in Brüninghausen ab.

Am Hang zwischen Platehofstraße und Verse, unmittelbar an der Straße liegt traufständig das aus Bruchstein errichtete ehemalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Heute stellt es sich als verputzter Steinbau mit Wellplattendeckung dar. Die Fenster sind aus Kunststoff. Mittig im First befindet sich ein mächtiger Kaminkopf, ein weiterer ist an der südöstlichen Hausecke. Der „alte“ Wohnteil nimmt fast die Hälfte des Hauses ein. Die Wohngiebelansicht zeigt, dass er in drei Geschossen ausgebaut ist. Das ehemalige Wirtschaftstor auf der Nordseite ist zu einer Tür verkleinert worden.

Das westliche Seitenschiff und ein Teil der Diele wurde zu einer Wohnung umgebaut, dabei wurden fünf gleichmäßige, hochrechteckige Fensteröffnungen mit Segmentbogenabschluss in die Bruchsteinwand eingebrochen. Die östliche Giebelwand und die entsprechenden Räume (Stall und Hillen) sind nahezu vollständig erhalten.

Heute wird das Haus von verschiedenen Parteien bewohnt, so dass die historischen Eingänge, zu verschiedenen untereinander nicht verbundenen Wohnungen führen. Der Eingang auf der Ostseite hat ein vergittertes Oberlicht. Von dem Flur gehen zwei Türen zu Stuben ab, die sich am Südgiebel befinden. Der Flur mündet in einer steilen Treppe, die ins Obergeschoss führt. Hier sind weitere Räume, die durch Fenster vom Südgiebel belichtet werden. Die Treppe führt weiter, nach rechts gewendet ins Dachgeschoss, wo sich weitere Zimmer befinden. Die drei Stuben im Erdgeschoss des Kammerfaches sind untereinander durch Türen verbunden.

Das Gebäude um 1908

Begründung

Das ehemalige Reidemeisterhaus Platehofstraße 11/11a ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid im Speziellen von Niederbrüninghausen. Obwohl das Haus Veränderungen erfahren hat und in seinem heutigen Bestand noch unbeantwortete Fragen aufwirft, ist es insgesamt deutlich geworden, dass es sich um ein wichtiges gebautes Zeugnis handelt. Die dendrochronologischen Proben legten die frühesten Bauphasen 1521 und 1593/94 fest.

Damit würde es sich offensichtlich um das älteste bekannte Gebäude in Lüdenscheid handeln. Wirtschaftsteil und Wohnteil sind nahezu gleich groß. Einen großen Anteil am Wirtschaftsteil bilden die Lagerflächen. Die teilweise noch vorhandenen Gitterstäbe sind auch typische Merkmale für ein Reidemeisterhaus, da die gelagerte Ware wertvoll war, musste das Haus gesichert werden. Weiterhin zeigt der Wohnteil mit den aufwendigen Zimmertüren und den verputzten Balkendecken (Kölner Decken) eine gehobene Ausstattung, die auf einen gewissen Wohlstand verweist.

Weiterhin ist das Gebäude bedeutend, weil es die Geschichte der Arbeits- und Produktionsbedingungen verdeutlicht.

Der „Urhandriss“ zeigt das um 1830 die Verse hier noch zu einem Teich angestaut war, an dem sich zwei Hämmer befanden. Haus und Standort an der Verse vermitteln noch deutlich die historische Situation. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass es sich um ein Reidemeisterhaus handelt. Der Produktionsstandort für Metallprodukte war unmittelbar neben dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da das innere Fachwerkgerüst sowie der Dachstuhl die Gefügetechnik des 16. Jahrhunderts bezeugen. Auch die Bruchsteinbauweise und die späteren Veränderungen zeigen die regionale Bautechnik bzw. den späteren Umgang mit dem Haus. Letzteres ist wichtig, da der Dachraum umgebaut wurde, um mehr trockene Lagerfläche zu schaffen, die man eventuell benötigte, da man das westliche Seitenschiff der Wirtschaftsdiele um 1900 in eine Wohnung verwandelte. Zu der Zeit wohnten drei Parteien in dem Haus. Der Wohlstand der früheren Jahre scheint da nicht mehr vorhanden gewesen zu sein.

Das Denkmal umfasst das Äußere und Innere des ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäudes.