196. Höher Weg (ev. Auferstehungskirche)

Denkmalumfang

Das Denkmal umfasst das gesamte Innere und Äußere wie es auf der Kartierung zu sehen und im Folgenden beschrieben wird. Das heißt Kirche, Turm, Zwischenbau, Gemeindesaal mit Nebenräumen sowie den Außenanlagen mit Treppen zum Kirchenvorplatz.

Beschreibung

Die Auferstehungskirche wurde 1953 von dem Lüdenscheider Architekten Hans Meißner für die evangelisch-lutherische Gemeinde geplant, die aufgrund der sich vergrößernden Mitgliederzahl 1952 den „Höher“ Pfarrbezirk von dem älteren „Loher“ Pfarrbezirk abgeteilt hatte. Zwischen 1954 und 1956 wurde die Kirche gebaut. Das in den Planungen vorgesehene große Chorfenster und die seitlichen Chorfenster wurden jedoch nicht umgesetzt.

Voraussetzungen und Gründe für den Kirchenbau werden in der Urkunde, die im Grundstein eingemauert ist, genannt: Der Kirchenbau wurde nötig, da sich die evangelisch-lutherische Gemeinde durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten stark vergrößert hatte. Der Bauplatz befand sich inmitten einer neu entstehenden Siedlung, die gleichzeitig mit der Kirche entstanden ist, in der die Zugezogenen eine neue Heimat gefunden hatten. Aber auch die alt eingesessenen Lüdenscheider nutzten die Wirtschaftswunderzeit der 1950er-Jahre, um sich dort ein Eigenheim zu bauen.

Die Kirche mit ihren Nebengebäuden steht in Hanglage, erhöht auf einem Eckgrundstück an einer Straßenkreuzung. Aufgrund von Substruktionsmauern ist das eigentliche Gelände um die Kirche eben, verliert aber andererseits den unmittelbaren Bezug zum Straßenraum. Nur der Turm ragt leicht zurückgesetzt direkt von der Straße in die Höhe und markiert den Standort. Vor ihm führt eine breite Treppe auf den Kirchvorplatz nördlich des Gebäudes. Die Mauern, die sich straßenbegleitend erheben, wirken von hier wie eine „Bastion“.

Gen Westen öffnet sich das Gelände ebenerdig zur Straße, sodass dort ein Vorplatz (Parkplatz) entstehen konnte, der von der Kirche und dem Flügelbau mit Gemeindesaal und Küsterwohnung eingefasst ist. Die Küsterwohnung liegt ebenerdig zum Vorplatz. Die Kirche selbst steht in Nord-Süd-Ausrichtung. Entsprechend schließen die Flügelbauten einerseits Gemeindesaal/Küsterwohnung nach Westen und Zwischenbau und Turm nach Osten an den Kernbau an.

Die Fundamente der Kirche, des Seitenflügels und des Zwischenbaus sind aus Bruchstein, das aufgehende Mauerwerk aus verschieden starken Ziegelsteinwänden (Wortwahl des Architekten), das bei der Kirche mit einem Betonrähm abschließt. Die Innenwände sind aus Bimsstein, die Orgelempore ist aus Stahlbeton. Der Dachverband der Kirche ist aus Stahlbindern gefertigt und mit Biberschwanzziegeln in altrot eingedeckt, der des Seitenflügels und des Zwischenbaus aus Tannenholz und ebenfalls mit Biberschwänzen belegt.

Der Glockenturm besteht aus einem Stahlbetonskelett, die Zwischenfelder sind mit Gitterziegeln ausgemauert. Die Betonstützen stehen auf einer Fundamentplatte. Sämtliche Geschossdecken sind aus Stahlbeton. Alle Gebäudeteile sind verputzt und weiß gestrichen.

Die Kirche ist ein Längsbau über hohem Sockelgeschoss, der mit einem Satteldach abschließt. Die fünf auf der Ostseite und die drei auf der Westseite hohen Segmentbogenfenster in eingetieften Feldern bestimmen die Traufseiten. Auf der nördlichen Giebelseite befindet sich der Haupteingang, darüber in der großen Giebelfläche ein monumentales Sgraffito von Wilhelm Korth, welches Jesus und die Emmausjünger darstellt. Die Chorseite mit dem Rundfenster im Giebelschild ist in den Hang gebaut.

Der zweigeschossige Seitenflügel mit ausgebautem Walmdach, das im Osten an das Kirchenschiff anschließt, wird vom Vorplatz erschlossen. Hier befindet sich der separate Eingang zum Gemeindesaal und der Eingang zur Küsterwohnung. Zwischen freistehendem Turm und Kirche erstreckt sich ein eingeschossiger, nach Norden stark durchfensterter und nach Süden mit drei Rundfenstern versehener Zwischentrakt, der mit einem Satteldach geschlossen ist. Hier befindet sich ein weiterer kleiner Saal und der Durchgang zum oberen südöstlichen Vorplatz der Kirche.

Im Inneren handelt es sich um einen längsgerichteten Kirchensaal mit raumbreiter Empore über dem Eingangsbereich im Norden, Längswänden mit großen Segmentbogenfenstern und Wandvorlagen, der von einer Flachtonne mit Holzrastergliederung überspannt wird. Der ausgeschiedene, trapezförmige Altarraum öffnet sich mit einem Segmentbogen zum Kirchenschiff und wird durch ein rückwärtiges Rundfenster betont. Seitliche Falttüren ermöglichen die Öffnung zum rechtwinklig angrenzenden Gemeindesaal im Seitenflügel. Die bauzeitliche Farbverglasung im Schiff mit Symbolen zu Leben und Passion Christi sowie den Sakramenten stammt ebenso wie das Rundfenster über dem Altar mit der Darstellung der Auferstehung von Paul Thol.

Bei Umbauarbeiten 2002 wurde der Boden des Altarraumes abgesenkt und zum Schiff vorgezogen. Der dunkle Steinboden wurde durch helles Parkett ersetzt. Zusätzlich wurde der Altarraum durch verdeckte Seitenfenster belichtet, dies war eigentlich schon in den ursprünglichen Plänen von Meißner vorgesehen. Die bauzeitlichen Prinzipalstücke – Altar und Kanzel – wurden entfernt und durch schlichtere Möbel ersetzt.

Allein der Taufstein aus dunklem Dolomit mit Schale und Messingdeckel ist noch vorhanden. Auch das hölzerne Hängekreuz an der südlichen Wand, die Altarleuchter aus Messing, sowie die schweren Leuchter und die Wandappliken im Kirchensaal sind noch bauzeitlich. Schließlich ist auch der kanzelartige Austritt für den Vorsänger an der Emporenbrüstung mit seiner Bemalung aus der Bauzeit.

Der Gemeindesaal lässt sich durch eine Falttür zum Kirchenschiff öffnen. Über ein Treppenhaus an der Westseite können der Konfirmandenraum im Dachgeschoss und der separate Eingang zum Gemeindesaal bzw. die Toiletten erschlossen werden.

Begründung

Die hier beschriebene Baugruppe, die sich um die Kirche mit ihrer Ausstattung gruppiert, sowie Außenanlagen sind bedeutet für die Geschichte des Menschen, hier für Stadtgeschichte von Lüdenscheid, da sie beispielhaft einen Aspekt der Nachkriegszeit in Lüdenscheid belegen. Die wachsende Stadt musste neue Wohnviertel erschließen, um die Hinzugezogenen unterzubringen. Zu diesen neuen Wohnvierteln gehörte selbstverständlich eine evangelische Kirche mit Gemeindezentrum. Sie bot neben einer Heimat für die Gläubigen Versammlungsmöglichkeiten und Austausch für die Gemeindemitglieder. Wie Satelliten ordneten sich die neuen Kirche auf den Bergen um die alte Stadtkirche an.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor. Insgesamt bewegt sich die Baugruppe zwischen Tradition und moderater Moderne. Während die Kirche und der Flügelbau eher konventionell gestaltet sind, folgt der Turm mit dem aufgesetzten Glockengehäuse eher einer moderaten Moderne. Interessant ist die Anordnung der Baugruppe. Zentrum ist die Kirche, an der ein Seitenflügel angefügt ist. Der Turm steht frei und wird durch einen niedrigen Verbindungstrakt an die Kirche gebunden. Im Zusammenspiel mit den topographischen Gegebenheiten ergibt sich ein spannungsreiches Gebäudeensemble.

Die Auferstehungskirche in Lüdenscheid gehört zu den frühen Beispielen mit einem freistehenden „Campanile“.

Weiterhin liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da die Ausnutzung des Geländes, die Lage zur Stadt und in der Siedlung auch heute noch den städtebaulichen Anspruch der Erbauer veranschaulicht. Außerdem liegen für die Erhaltung und Nutzung künstlerische Gründe vor, da die Kunst am Bau (Sgraffito) und die Kunst in der Kirche (Farbverglasung, Leuchter, Taufe, etc.) typische aber auch ausdrucksstarke Zeugnisse der Epoche sind.