Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere der beiden Haushälften Luisenstraße 3/5. Im Inneren ist das Denkmal auf die Keller, das konstruktive Gerüst mit Wänden, Geschossdecken und Dachstühle sowie die Grundrisse beschränkt. Besonders hervorzuheben sind die wandfesten Ausstattungsgegenstände, wie das offene Herdfeuer im Haus Nummer 3 mit Nische und den Stiegen. Weiterhin ist der Vorplatz mit Brunnen denkmalwert.

Beschreibung:

Das in der Fluchtlinie zurückspringende Doppelhaus steht zwischen zwei jüngeren, historistischen Etagenwohnhäusern. Es handelt sich um ein wohl um 1800 errichtetes Gebäude, welches mit seiner nördlichen Kellermauer an die ehemalige Stadtmauer grenzt.

Im Moserplan von 1723 handelt es sich um das Haus Nummer 23, welches sich 1723 im Eigentum von Johann Leopold Clomberg (von 1702 – 1704 Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid) befand und in der Folge im Eigentum von dem Advokaten und Reidemeister Dr. Hermann Richard Pollmann stand.[1]

Das Haus mit Viehhaus ist 1723 abgebrannt. Der Schaden belief sich auf 800 Reichstaler. Der Verlust von Vieh wird allerdings nicht explizit genannt.[2] Es handelt sich um eine große Hausstelle eines wohlhabenden Bürgers. Im Zuge der Diskussion um brandsichere Dachdeckungen beim Wiederaufbau der Stadt nach dem letzten großen Stadtbrand wird zunächst Schiefer als Baustoff vorgeschlagen. Dies wird allerdings wieder verworfen, da sich nur wenige der betroffenen Bürger diesen Baustoff leisten konnten. Der oben genannten Advokat und Reidemeister Dr. Pollmann wird jedoch -wie noch zwei andere Bürger- hiervon ausdrücklich ausgenommen.[3] 1725 ist das Haus des Herm. Richard Pollmann, der zu der Zeit mit der „Profession“ Rat und Bürgerm. betitelt wird, wieder aufgebaut. Der Bau wird taxiert mit 758,33 Reichstaler.[4]

Im Jahr 1800 erfolgt ein Besitzerwechsel. Der Uhrmacher Wigginghaus übernimmt das Haus.[5] Vermutlich baut er auf dem Grundstück ein neues Haus und errichtet auf der relativ großen Hausstelle das heute noch bestehende Doppelhaus.

Das Doppelhaus steht heute leicht zurückgesetzt zwischen der historistischen Nachbarbebauung, die sich westlich und östlich anschließt. Das Urkataster von 1831 zeigt, dass auch die Nachbarbebauung des Doppelhauses Luisenstraße 3/5 in derselben Fluchtlinie stand und so an dieser Stelle -der Einmündung der Annengasse in die Luisenstraße- eine platzartige Aufweitung des Straßenraums bestand.

Das achtachsige, zweigeschossige Gebäude steht traufenseitig zur Luisenstraße. Die mittleren vier Fensterachsen sind mit einem Giebel überdacht, unter dessen Zentrum, genau in der Mitte des Gebäudes, die Hauseingänge für die beiden Haushälften in einer rahmenden Architektur zusammengefasst sind. Während die linke, zu Hausnummer 3 gehörige Haustür noch alten Bestand darstellt, stammt die rechte Haustür als Nachbau aus jüngerer Zeit. Aufgrund des hohen Kellersockels wird das Gebäude heute über eine zweiläufige Treppe erschlossen.



[1] Das Lüdenscheider Häuserbuch – Alfred Dietrich Rahmede, Lüdenscheid 1967, S. 18f. – überträgt die Häusernummer falsch, denn die Nr. 23 (Moserplan) ist identisch mit den Hausnummern Luisenstraße 3 und 5. Die realtiv große Hausstelle erklärt sich vielleicht durch die Tatsache, dass dort neben dem Haus auch noch eine Vieh-Haus stand. Wilhelm Sauerländer, Die Brandakte von 1723, Lüdenwcheid 1958, S. 31.

[2] Sauerländer, s. Anm. 1,, S. 75.

[3] Sauerländer, s. Anm. 1, S. 115.

[4] Sauerländer, s. Anm. 1, S. 158.

[5] Rahmede, s. Anm. 1, S. 19.

Unter dem Treppenpodest befindet sich eine Brunnenanlage, die im Jahre 1981 wieder freigelegt wurde. Sie ist über eine neu gebaute Treppenanlage erschlossen. Alte Ansichten aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen, dass der Vorplatz des Hauses höher lag und dadurch die Treppe zu den Haustüren zu dieser Zeit nicht so hoch war. Auf der Rückseite des Gebäudes lassen sich in der Wand noch die früheren Ausgänge erkennen, die sich an derselben Stelle befinden, wie die Haustüren auf der Straßenseite. Diese Ausgänge lassen sich den früheren Küchenräumen zuordnen. Im Haus Luisenstraße 3 ist noch das offene Herdfeuer der ehemaligen Küche zu sehen. 

Im Gebäudeinneren sind vor allem die Gewölbekeller zu nennen. Die Gewölbetonnen sind jeweils quer zur Firstrichtung angelegt. Es ist durchaus möglich, dass sie noch Teil des Vorgängerhauses sind. Ansonsten ist das Innere der beiden Haushälften stark verändert. Allein die Flursituation mit der Stockwerkerschließung könnte noch der alten Lage entsprechen. Die Stiege in der Luisenstraße 3 ist erneuert worden, in der Luisenstraße 5 stammt die Stiege aus dem 19. Jahrhundert und entspricht daher nicht der bauzeitlichen Ausführung um 1800.

Begründung:

Das Doppelhaus Luisenstraße 3/5 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte Lüdenscheids, da es trotz der Veränderungen im Inneren noch wichtige Spuren sowohl des Wiederaufbaus nach dem letzten großen Stadtbrand von 1723 aufweist als auch die weitere Entwicklung der Stadt im 19. Jahrhundert dokumentiert. So verweist schon die Eigentümerchronologie auf die Form des heutigen Hauses und lässt damit auf die alte Hausstelle schließen, die im Jahr 1723 von dem Advokaten und Reidemeister Dr. Hermann Richard Pollmann bewohnt wurde. Diese Hausstelle ist so groß gewesen, dass später dort ein Doppelhaus entstehen konnte. Dies erklärt vielleicht auch die besondere Gestalt dieses Hauses, welche in der Kernstadt so nicht noch einmal vorkommt. 

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da trotz der starken Reduktion im Inneren, die Keller in Verbindung mit der ehemaligen Stadtmauer noch gut erhalten sind. Zudem ist die Erschließung des Gebäudes Luisenstraße 3/5 noch gut nachvollziehbar. Hier zeigt sich beispielsweise der Gegensatz zum Gebäude Luisenstraße 27, welches Mitte des 18. Jahrhundert errichtet wurde. Denn während die hier in die ehemalige Stadtmauer gebrochenen Öffnungen aufgrund einer damaligen Verordnung durch Eisengitter gesichert werden mussten, entsprechen diese Öffnungen um 1800 schon normalen Türöffnungen, wie sie auch auf der Vorderseite des Gebäudes vorhanden sind. Dies dokumentiert, dass die ehemalige Stadt zur Erbauungszeit des Hauses Luisenstraße 3 und 5 (nach 1800) keine Bedeutung mehr als Schutz- oder Zollgrenze hatte.

Weiterhin sind für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe anzuführen, da die zurückliegende Flucht der Häuser auf die alte platzartige Aufweitung dieses Teiles der Luisenstraße verweist und damit noch ein Hinweis auf den alten Stadtgrundriss erhalten ist.