Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere, somit den verputzten, aus Bruchstein gemauerten Hauskasten, von dem ein Teil die historische Stadtmauer darstellt. Weiterhin im Inneren das konstruktive System und den Keller, hier insbesondere den Gewölbekeller und den noch vorhandenen Backofen bzw. Kaminzug. Nicht zum Denkmal gehören die neuzeitlichen Ausbauten im Inneren.

Beschreibung:

Das Gebäude ist im sog. „Moserplan“, der das Stadtbild Lüdenscheids im Jahr 1723 aufzeigt, unter der laufenden Nummer 9 verzeichnet. Zu dieser Zeit hat ein „Wittibe“ (alte Bezeichnung für Witwer) mit Namen Jürgen von der Leyen darin gelebt. Zeitnah  ist als Bewohner noch der „Wittibe“ Jacob Krefft nachgewiesen. In der Brandakte von 1723 sind alle Gebäude, welche dem letzten großen Stadtbrand in Lüdenscheid zum Opfer gefallen sind dokumentiert und auch taxiert worden (Wilhelm Sauerländer, Die Brandakte von 1723, Lüdenscheid 1985, S. 75). Aus dieser historischen Quelle geht hervor, dass das Gebäude in seiner Gänze abgebrannt sein soll. Weiterhin geht daraus hervor, dass der Wiederaufbau wohl 100 Reichstaler kosten sollte und an Hausgerät noch einmal ein Schaden von 40 Reichstalern entstanden sei. Auf der Seite 165 der o. g. Brandakte wird im Jahre 1725 eine Taxierung für den Wiederaufbau in Höhe von 300 Reichstalern vorgenommen.

Das heutige Gebäude Luisenstraße 27 steht auf der nördlichen Seite der Luisenstraße, auf der Parzelle zwischen Straßenfläche und der historischen Stadtmauer. Die nördliche Giebelwand steht auf der historischen Stadtmauer. Die Mauer ist dadurch erkennbar, da sie auf beiden Seiten des Gebäudes ohne erkennbare Mauerfugen fortgeführt wird. Auf dieser Seite des Gebäudes lag vor der Stadtmauer der heute nicht mehr vorhandene Stadtgraben. Aufgrund der aus der Denkmalwertuntersuchung gewonnen Eindrücke vor Ort, könnte der aus Bruchstein ausgeführte Hauskasten mit dem Gewölbekeller vor 1723 datiert werden. 

Wie eine Substruktionsmauer steht die Kellermauer, die mit dem Verlauf der historischen Stadtmauer, wie er in dem o. g. „Moserplan“ eingezeichnet ist, übereinstimmt. Der Keller mit der im hinteren Bereich befindlichen Quertonne, dem schmalen Gang auf der Westseite und den vorderen Kellern zur Straße, ist zwischen Mauer und Straße gespannt und gleicht so den Geländevorsprung zwischen Straßenniveau vorn und dem tieferen Gelände des ehemaligen Stadtgrabens, nördlich des Hauses aus. Ein hochrechteckiges, mit einer sehr tiefen durch Gewölbe- und Stadtmauer hindurch gebrochenes Fenster belichtet den Gewölbekeller. Zudem führt eine, ebenfalls augenscheinlich nachträglich eingebrochene Tür durch die historische Stadtmauer. Das vergitterte Fenster scheint sehr alt (Wiederaufbau 1725) zu sein. Diese Annahme begründet sich dadurch, dass die aus dem 18. Jahrhundert  stammende Auflage erfüllt wurde, einen Durchbruch durch die Stadtmauer zu damaliger zu sichern. Die Tür ist wohl später eingefügt worden. 

In dem sehr großen Block, der sich zwischen dem hier beschriebenen Gewölbekeller und den im vorderen Teil (Straßenseite) befindlichen, ehemals mit einer Balkendecke, heute mit einer Betondecke geschlossenen Kellerräumen befindet, „steckt“ augenscheinlich noch ein Backofen. Aus der Bauakte ist zu entnehmen, dass der Bau dieses Backofens am 01.11.1881 durch den damaligen Eigentümer beantragt und in der Folge auch ausgeführt wurde. Aus den zugehörigen bauzeitlichen Planzeichnungen geht auch hervor, dass der Keller als Backstube genutzt wurde.

Über dem Kellergeschoss erhebt sich ein zweigeschossiges, dreiachsiges, mit einem Satteldach abschließendes und giebelständig zur Straße stehendes Haus. Es ist aus Bruchstein ausgeführt und verputzt. Die Traufwände laufen konisch auseinander, so dass das Gebäude auf der Nordseite breiter ist als auf der Südseite (Straßenseite). Dies bestimmt natürlich auch den Grundriss des Hauses. Das Gebäude wurde im Inneren „kernsaniert“. Der Verlauf der Innenwände, die Stockwerkerschließung, der Dachausbau etc. wurde zu großen Teilen in jüngerer Zeit erneuert. Die Fenster und die Haustür, sowie sämtliche wandfeste Ausstattung sind erneuert worden. Allerdings gibt es einen voraussichtlich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Kaminzug. Die Erneuerung hat offensichtlich nach alten Vorlagen stattgefunden.

Begründung:

Das Gebäude Luisentraße 27 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid, da es zu den nach dem Stadtbrand wieder aufgebauten Häusern gehört. Zudem dürften der vorhandene Gewölbekeller und die heute in das Gebäude integrierte historische Stadtmauer älter sein. Gerade die Kellersituation belegt mit dem in Teilen erhaltenen Backofen die Hausgeschichte, so dass das Leben und Wirtschaften in diesem Gebäude noch in Ansätzen nachzuvollziehen ist.  Wenn auch große Teile im Inneren in jüngerer Zeit erneuert worden sind, gibt das Gebäude in seiner Gesamtheit noch Auskunft über die Proportionen und räumlichen Verhältnisse, die man in Lüdenscheid im 18. Jahrhundert vorfand. 

Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor, da es sich bei diesem Haus um ein sogenanntes „Mauerhaus“ handelt, welches also im Zusammenhang mit der historischen Stadtmauer und unter Ausnutzung derselben errichtet wurde. Es zeigt heute noch deutlich die Größenverhältnisse, die räumlichen Zuordnungen und die Fluchtlinien, welche bereits im „Moserplan“ von 1723 verzeichnet sind. Weiterhin sprechen für die Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe für eine Eintragung in die Denkmalliste, da der Hauskasten, der Gewölbekeller unter anderem auch die Bauweise des Wiederaufbaus von 1725 und der Zeit davor belegt.