Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Innere und Äußere des Gebäudes.

Beschreibung:

Das Haus ist im preußischen Urkataster von 1831 als ein Gebäude eingezeichnet. Im Häuserbuch von Alfred Dietrich Rahmede werden unter der Ringmauerstraße 14 zwei Häuser (Moserplan Nr. 26 und 27) des sogenannten „Moserplans“ subsumiert. Es sollen die Häuser von Claeß Halverscheidt und Peter v. d. Calmecke sein.[1] Allerdings wird in der Brandakte der Verlust des Claeß Halverscheidt, dem das Eckhaus (Moserplan 26) gehört haben soll, folgendermaßen beschrieben: Claes Halverscheidt sein Haus, so außer der Stuben und Keller ganz verbrannt, könnte unter 300 RT. nicht wieder erbauen und hätte an Mobilien 40 RT. verloren.[2]  Dieser Keller würde aber im Haus von Peter v. d. Calmecke liegen, bei dem in der Brandakte kein Keller genannt wird, so dass angenommen werden kann, dass es sich bei dem Haus Ringmauerstraße 14 insgesamt um das Haus des Claes Halverscheidt handelt, wie es auch gut 100 Jahre später im Urkataster von 1831 angegeben ist.

Somit wäre der Gewölbekeller schon vor 1723 vorhanden gewesen und durch den Brand nicht zerstört worden. Er legt auch, neben der städtebaulichen Situation, die durch die Straßenbiegung bedingt ist, die Lage des Hauses fest. Der Keller befindet sich im südlichen Teil des Hauses, die Gewölbetonne verläuft in West-Ost-Richtung. Ursprünglich war der Keller durch einen Kellerhals mit Öffnung zur Straße (Westen) erschlossen. Ob die innerhäusige Treppe später entstanden ist oder nur der obere Teil verlegt worden ist, lässt sich zur Zeit nicht sagen. Heute führt die Kellertreppe auf den im hinteren Haus (Osten) liegenden Flur.

[1] Alfred Dietrich Rahmede, Lüdenscheider Häuserbuch, Lüdenscheid 1967, S. 22.

[2] Wilhelm Sauerländer (Hg.), Die Brandakte von 1723, Lüdenscheid 1985, S. 72.

Auch ein Teil des Hauses soll nach dem Brand noch gestanden haben, denn es heißt in der Brandakte (s.o.), dass neben dem Keller auch noch die Stube gestanden hat. Das Haus wurde also auf dem älteren Kern nach 1723 wieder aufgebaut. Es wurden ein Obergeschoss und ein Dachstuhl aufgesetzt. Der Dachstuhl – Kehlbalkendach mit Sparren und teils mit Streben gesichert – ist entsprechend dem Grundriss und dem ums Eck geführten Giebel verzogen. Bis in die 1980er-Jahre war der Dachstuhl mit einer Wellblechdeckung gedeckt, zurzeit hat das Haus eine Schieferdeckung.

Das zweigeschossige Haus hat zu allen Straßenseiten Fenster. Ursprünglich befand sich die Haustüre in der abgeschrägten Ecke – eine Stufe ist noch zu erkennen – und führte unmittelbar in die Küche. Da sich dort auch ein Kaminzug befand ist anzunehmen, dass es sich um die ursprüngliche Küche handelt. Des Weiteren gibt es im Inneren eine durchgehende ost-westlich verlaufende Wand, die zumindest heute das Treppenhaus von den Wohnräumen trennt. Ob das immer so war, kann zurzeit nicht näher bestimmt werden, allerdings macht das Treppenhaus ohne den heutigen Eingang – der nicht immer an dieser Stelle war – keinen Sinn, sodass hier auch Stuben gewesen sein könnten

Begründung:

 

Das Handwerkerhaus – der Eigentümer wird in der Brandakte als Drahtschmied bezeichnet – ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid, weil es eines der wenigen Häuser ist, die auf allen historischen Plänen Lüdenscheids sicher verortet werden können.[1]

An der Historie des Hauses kann die Stadtgeschichte Lüdenscheids dadurch abgelesen werden, indem die Nachrichten der Brandakte von 1723 an ihm nachvollzogen werden können. Außerdem wird durch seine Lage der historische Straßen- bzw. Stadtmauerverlauf verdeutlicht. Gewölbekeller und Dachstuhl zeigen das Alter des Hauses, während der Hauskasten noch zu erforschen wäre. Dies sollte bei zukünftigen Hausreparaturen oder Sanierungen unternommen werden. Dennoch kann durch Größe und Bauteile des Hauses auch auf das Leben und Wirtschaften eines Handwerkers im 18. und 19. Jahrhundert geschlossen werden.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da das Haus verdeutlicht, wie der Wiederaufbau nach einem großen, verheerenden Stadtbrand durchgeführt wurde und wie die Bauweise und die Materialwahl des 18. und 19. Jahrhunderts in Lüdenscheid aussah. Weiterhin liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da sowohl die Eckbebauung als auch die dichte, kleinteilige Bebauung, die diesen Teil der Lüdenscheider Altstadt in dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts bestimmt hat, hier gut nachvollzogen werden kann.


[1] Ebd. S. 189.