Denkmalumfang:

Das Denkmal besteht aus dem gesamten Inneren und Äußeren des Hauses.

Beschreibung:

Das kleine Handwerkerhaus steht auf der Fläche, die im sogenannten „Moser-Plan“ mit 117 angegeben ist und das in der Brandakte unter der gleichen Nummer zu erschließen ist. Nach der Brandkatastrophe von 1723 war das Haus ab- oder besser ausgebrannt. Das Haus gehörte Clemens Schmidt von Beruf Drahtschläger. Das Gebäude wurde mit 50 RT taxiert.[1]An anderer Stelle in der Brandakte wird Clement Schmied (sic) als Bewohner genannt.[2] Weiterhin wird Schmidt noch einmal als Bezieher von Armenrente erwähnt.[3]

Im Lüdenscheider Häuserbuch  wird die Marienstraße 13 unter „alten und bemerkenswerten Häusern“ aufgeführt: „Keller und Giebelteil liegen höher als bei Haus Nr. 11. In diesem Giebelteil ist noch eine Bodenluke mit Trielenvorrichtung. Da im Jahre 1746 für beide Hausteile verschiedene Besitzer genannt werden, müssen sie damals schon getrennt bestanden haben. Das Haus ist in einem einigermaßen guten Zustand.

Besitzer: 1723 Drahtschmied Clemens Schmidt, 1746 Jürgen Schmidt, 1754 Andreas Grashoff, dann Johann Dietrich Grashoff, 1759 Hermann Andreas Grashoff dann Christoph Grashoff, 1770 Landrat von Holtzbrinck (aus Konkursmasse), dann Obristwachtmeister von Holtzbrinck, 1771 Leopold Ziemann, 1781 Wilhelm Berg, 1803 Peter Dünneweg, 1817 Kreisbote Wilhelm Dünneweg (Mitkämpfer der Befreiungskriege, 1822 Fabrikant Hermann Dietrich Schulte, 1831 Kleider macher Philipp Sprato, 1841 Herm. Dietr. Brocksieper, 1847 Gottlieb Turck, 1859 Schuster Ferdinand Jacobi, 1864 Liefmann Lennhoff, 1865 Ludwig Uerpmann, dann Friedr. Herzhoff, 1890 August Crone, 1912 August Nell, 1930 Frau Rudolf Tomszik. [4]

Das Haus bildet die rechte Hälfte eines Doppelhauses unter einem gemeinsamen Satteldach, das giebelständig zur Marienstraße ausgerichtet ist. Beide Häuser haben einen gemeinsamen Kaminzug unmittelbar hinter dem Straßengiebel (Osten). Das nördlich anschließende Haus springt etwa um zwei Meter zurück, sodass auf der Nordseite in jedem Geschoss ein weiteres Fenster Platz hat. Das Nachbarhaus schließt nicht unmittelbar an, eine sehr schmale, nicht begehbare Traufgasse liegt zwischen beiden Häusern. Auf der Rückseite (Westen) befindet sich ein kleiner, schachtartiger Hof, der zur Belichtung der rückwärtigen Räume dient.

Das zweigeschossige, zweiachsige Haus ist zu großen Teilen aus Bruchstein gemauert, teils jedoch aus Fachwerk ergänzt. Die Wand unter dem First zwischen den beiden Häusern ist im Erdgeschoss aus Bruchstein, im Ober- und Dachgeschoss aus Fachwerk. Die Straßenseiten sind verputzt, die rückwärtige Wand ist teils bruchsteinsichtig, teils verputzt. Hier fällt auf, dass die Eckvermauerung in großen, gut ausgearbeiteten Werksteinen aufgemauert ist, die übrige Mauer – soweit sichtbar – mit flachen Steinplatten ausgeführt wurde. Der Giebel ist wie beim Straßengiebel verbrettert.

 

Die Geschosse verspringen zum Nachbarhaus, sodass die Häuser zwar nach dem Stadtbrand von 1723 gemeinsam errichtet worden sein könnten, aber wohl unterschiedliche Bedingungen für den Wiederaufbau herrschten. Deutlich wird der Niveauversprung im Giebel, die Verbretterung, die auf beiden Häusern aufgebracht worden ist, beginnt bei der Marienstraße 13 etwa 20 cm über dem der linken Haushälfte. Der Aufbau entspricht spiegelverkehrt dem Nachbarhaus. Der Eingang auf der innenliegenden Fensterachse. Das danebenliegende Erdgeschossfenster wurde 1941 statt eines Schaufensters eingebaut.

Das Innere ist durch einen Innenflur erschlossen, daneben befindet sich eine Stube – eventuell war hier vor 1941 ein Ladenlokal – im hinteren Raum des Hauses war wohl die Küche, zumindest ist hier ein eigener Kaminzug, oben sind entsprechend Räume angeordnet, auch im Dach, das über eine weitere steile Stiege zu erreichen ist, befindet sich eine weitere Kammer. Hier ist auch die ehemalige Ladeluke, sodass dieser Raum früher auch für Lagerzwecke genutzt worden sein könnte. Der Spitzboden ist auf der Seite dieses Hauses mit einem Ollern (gestampfter Lehmboden) abgedeckt.

Im Gegensatz zu Haus Marienstraße 11 befindet sich unter dem Haus Marienstraße 13 ein durchgehender Bruchsteinkeller, der mit einer Balkendecke geschlossen ist. Im Flur im Erdgeschoss sind Reste einer hölzernen Wandpaneel erhalten. Die als Raumteiler dienenden, eingestellten Fachwerkwände, die Stiegen und die vor allem im Obergeschoss vorhandenen alten Türen gehen offensichtlich noch auf die Bauzeit zurück.

Begründung:

Das Haus Marienstraße 13, das mit dem Nachbarhaus Marienstraße 11 unter einem Satteldach zusammengefasst ist, ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid, da es das Leben und Wirtschaften von Handwerkern im 18. und 19. Jahrhundert in Lüdenscheid auf anschauliche Weise dokumentiert. Im Abgleich mit den eher abstrakten Quellen Häuserbuch, „Moserplan“ (Wiederaufbauplan nach dem Stadtbrand von 1723) und Urkataster bildet das Haus eines der wenigen erhaltenen, im Stadtbild sichtbaren Zeugnisse, durch das die Stadtgeschichte unmittelbar erfahrbar wird.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor, da die Häusergruppe (Marienstraße 11 und 13) zu den wenigen Beispielen im Stadtkern von Lüdenscheid gehört, an der das sehr kleinteilige, vorindustrielle Stadtbild, das vor der Kommerzialisierung der Innenstadt im Historismus (siehe Wilhelmstraße) existierte, noch ablesbar ist.

Zudem liegen für die Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da das Haus den Umgang mit der Ruine und den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand dokumentiert, wie auch eine maximale Raumausnutzung, indem das Dach von zwei kleinen Häusern zu einem Großen zusammengelegt wurde, um im Inneren mehr Raum zu schaffen und offensichtlich auch, um kostengünstig zu bauen.



[1] Wilhelm Sauerländer (Hg.), Die Brandakte von 1723, Lüdenscheid 1985, S 31.

[2] Ebenda S. 61.

[3] Ebenda S. 99.

[4] Alfred Dietrich Rahmede, Lüdenscheider Häuserbuch, Lüdenscheid 1967, S. 17.