Denkmalumfang:

Das Denkmal besteht aus dem gesamten Inneren und Äußeren des Hauses.

Beschreibung:

Das kleine Handwerkerhaus steht auf ursprünglich zwei Parzellen und setzt sich auch aus ursprünglich zwei Häusern zusammen, wie sich aus dem sogenannten „Moser-Plan“ und aus der Brandakte erschließen lässt. Zudem finden sich auch in dem heutigen Bau noch Hinweise auf die ehemals zwei Wohneinheiten. Nach der Brandkatastrophe von 1723 waren beide Häuser ab- oder besser ausgebrannt. In dem Vorderen mit der Nr. 116 (Moserplan) wohnte Johann Wilhelm Faber, seines Zeichens Drahtschmied. In der Verlustbeschreibung, die in der Brandakte aufgeführt ist, heißt es: „Joh. Wilh. Faber und Herm. Died. Hohoff, deren Haus einem jeden zur Halbscheid 75 RT. zu stehen kömmt, macht zusammen 150,- (Taler) wobei Hohoff noch 30,- Rt. an Reparation angeleget. Anbei hätte ein jeder an Mobilien wohl vor 50 Rt. verloren.[1]

In dem hinteren Haus Nr. 32 (Moserplan) wohnte Herman Hueß, der Schneider war. Er verlor sein Haus, „so ganz verbrannt, wäre 50 Rt. wert gewesen; dabeneben hätte wohl vor 50 Rt an Gereide verloren.“[2] Das macht zusammen einen Verlust von 100 Rt. Wie eine weitere Bemerkung in der Brandakte zeigt wurden auch beide Häuser wieder aufgebaut. So heißt es in der Wiederaufbauakte: „Anno 1725 den 29. Dec. Seind zufolge Publicati nachstehende Bürgere erschienen, und folgende Taxation ihrer wieder auferbauenden Häuser angeschlagen: 75. Herman Hueß 100 Rt. bzw. Wilh. Faber u. Herm. Died. Hohof 400 Rt.[3]"

Das Haus bildet die linke Hälfte eines Doppelhauses, das unter einem gemeinsamen Satteldach vereint ist. Beide Häuser stehen giebelständig zur Straße. Sie sind durch eine Firstwand getrennt, ein Kamin in der Mitte des Straßengiebels wird von beiden Häusern genutzt. Das Haus grenzt unmittelbar an den Straßenraum. Es handelt sich um ein zweigeschossiges, dreiachsiges, verputztes Bruchsteinhaus mit verbrettertem Giebel.

Der Eingang befindet sich in der zur Mitte weisenden Fensterachse. Links daneben sind zwei gekoppelte Fenster. Darüber im Obergeschoss wiederholt sich die Abfolge neben zwei gekoppelten Fenstern, hier ist ein weiteres Fenster über der Tür angeordnet. In dem vorkragenden, verbretterten Giebel befindet sich ein weiteres Fenster. Das Nachbarhaus hat eine weitgehend entsprechende Straßenfassade, allerdings verspringen die Fenster leicht in der Höhe und spiegeln damit aber auch eine unterschiedliche Geschosshöhe der beiden Häuser. Während die Fenster vor etwa 30 Jahren erneuert wurden, sind die Haustüre und das darüber angeordnete Gesims wohl Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus erneuert worden.

 

Das passt auch zu dem wenigen Datierbaren im Inneren des Gebäudes. Die Treppe ist nach Ausweis der Geländerstäbe in der gleichen Zeit in das Gebäude eingebaut worden. Zudem liegt sie zwischen den „beiden Häusern“. Ein kleiner Flur führt in den hinteren Teil des Hau-ses, in dem sich die Treppe befindet. Daneben ist ein größeres, längsgerichtetes Zimmer, welches im hinteren Teil in das querliegende hintere Zimmer (hintere Haus) übergeht. In der Nordwand des Hauses befinden sich Nischen, die auf ehemalige Fenster weisen. Das nörd-lich anschließende Grundstück war nicht bebaut. Im Obergeschoss ist die alte Hausteilung durch die Zimmeraufteilung ebenfalls noch erhal-ten. Im Dachraum über der Dachkammer zeigt sich, dass die Trennwand zwischen den bei-den Häusern – zumindest im oberen Bereich – nur aus Brettern besteht, der Dachraum ist wiederum für beide Häuser gemeinsam angelegt. Nur der Keller unter dem hinteren Haus ist zugänglich, der unter dem vorderen Haus wurde in den 1980er-Jahren verfüllt. Beide Keller waren aber auch nicht miteinander verbunden. Die Zusammenlegung von Haus 116 und Haus 32 (Moserplan) könnte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts passiert sein, da die Treppe im hinteren Teil des Hauses so wie die Haus-türe nachträglich eingebaut worden sind und offensichtlich aus derselben Zeit stammen. Sowohl der Stil der Geländerstäbe als auch die Lage der Treppe im Haus sowie die wohl nachträgliche Öffnung in der Geschossdecke sprechen für eine Zusammenlegung der bei-den Kleinhäuser im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Spätestens mit dem Bau des südlich anschließenden Hauses muss die Zusammenlegung abgeschlossen gewesen sein, da nun die Belichtung und der eigenständige Zugang des hinteren Hauses nicht mehr gegeben waren.

Begründung:

Das Haus Marienstraße 11, das mit dem Nachbarhaus Marienstraße 13 unter einem Sattel-dach zusammengefasst ist, ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid, da es das Leben und Wirtschaften eines Handwerkers im 18. und 19. Jahrhundert in Lüdenscheid auf anschauliche Weise dokumentiert. Aufgrund der Hausgeschichte einerseits und dem Moserplan bzw. Urkataster ist es möglich die ursprünglichen Gebäudegrößen zu rekonstruieren, sodass auch hier noch einmal an-schaulich nachvollzogen werden kann, welche bescheidene Größe ein solches Haus hatte. Weiterhin liegen siedlungsgeschichtliche Gründe vor, da im Gebäude noch die ursprüngli-chen Fensteröffnungen abzulesen sind, sodass hier deutlich wird, dass das südliche Nach-bargrundstück nicht bebaut war und das hintere Haus von Süden erschlossen und belichtet wurde. Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor, da die Häusergruppe (Marienstraße 11 und 13) zu den wenigen Beispielen im Stadtkern von Lüdenscheid gehören, an der die Bauweise eines Handwerkerhauses noch ablesbar ist. Weiterhin ist es ein Beleg dafür, wie auf vielfältige Weise Raum geschaffen wurde, beispielsweise wurde mit der Zusammenlegung des Daches der Dachraum vergrößert.



[1] Wilhelm Sauerländer (Hg.), Die Brandakte von 1723, Lüdenscheid 1985, S 72.

[2] Ebenda S. 76.

[3] Ebenda S. 165, 166.