Die Ludwigstraße in Lüdenscheid

Bei den o. g. Wohnhäusern handelt es sich um eine Gruppe von fünf viergeschossigen Mietswohnhäusern, die um einen schmalen Vorgarten zurückversetzt, in geschlossener Blockbebauung und dem Gefälle der Straße entsprechend abgestuft, den Straßenraum Ludwigstraße nach Westen begrenzen.Sie wurden ab 1905 ausgehend von der Ludwigstraße 25 kontinuierlich bis 1907 in der Reihenfolge Ludwigstraße 23, 19, 21 und 17 von dem Bauunternehmer Karl Bölling, Lüdenscheid errichtet.

Die Häuser 19 und 23 wurden dreiachsig angelegt, während die übrigen sechsachsig gestaltet wurden. Der Eingang befindet sich bei allen in der Mitte des Erdgeschosses und ist über eine Treppe, die das niveauausgleichende Sockelgeschoss überbrückt, erreichbar. Die Fassaden haben leicht unterschiedliche Putzgestaltungen. Die beiden frühesten Hausnummern 25 und 23 weisen noch historistische Dekorationsformen auf, während die späteren (nur ein Jahr später) schon mit zeitgenössischen Jugendstilformen gestaltet wurden. Die frühen Bauten zeigen noch eine etwas aufwendigere Gestaltung (Mittelrisalit oder Sprengwerk im Dachgeschoss), während die späteren Bauten vor allem in der Dachgestaltung (durchgehende Traufe) schlichter werden.

Im Innern hat sich die ursprüngliche Grundrissaufteilung von Treppenhaus und Wohnungen erhalten. Die Zwei- und Dreiraum-Wohnungen sind, zumindest in der Planung mit mehreren Eingängen versehen, so dass möglichst viele Benutzungsvarianten möglich waren. Es handelt sich um sehr einfache Grundrisse: Nach hinten raus liegt die Küche, nach vorne sind ein- bzw. zwei Wohn-Schlafzimmer. Die Toilette befindet sich auf dem Halbstockwerk, jeweils für eine Etage (zwei Wohnungen). Somit erfüllen die Wohnungen den zu dieser Zeit üblichen Standard für Arbeiterwohnungen.
Die Ludwigstraße in Lüdenscheid

Die Mietswohnhäuser Ludwigstraße 17 - 25 sind bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Menschen in Lüdenscheid, da sie den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Lüdenscheid um 1900 aus Sicht der Arbeiterwohnverhältnisse belegen.

Die Ein- und Zweiraumwohnung war für die Wohnverhältnisse von Arbeitern in Lüdenscheid typisch. Die Zweiraumwohnung war die Normalwohnung der Arbeiterfamilie, das häusliche Leben, zu dem im Durchschnitt vier Personen gehörten, spielt sich somit in Küche und Schlafzimmer ab. Mit dem raschen Fortschreiten der Industrialisierung seit den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es in der Stadt einen dauernden Wohnungsmangel. Das Jahr 1906 war das Jahr mit der höchsten Bevölkerungszunahme, wobei 65,8 % des Bevölkerungszuwachses aus Zuwanderern bestand.

Das bedeutet konkret, dass für diese Menschen Wohnraum geschaffen werden musste. Während die Stadt Lüdenscheid in den 1920er Jahren selbst große Wohnungsbauanstrengungen machte, wird der frühe Wohnungsbau vor dem 1. Weltkrieg noch weitgehend durch private, unternehmerische Hand bewerkstelligt. Die Stadt kann durch umfassende Bodenpolitik, dank ihres großen Grundbesitzes regulierend eingreifen. Weiterhin arbeitet die Stadt durch Bauberatungen, Aufstellung von Plänen durch das Stadterweiterungssamt und durch den Stock für zweistellige Hypotheken an der Verbesserung der Verhältnisse. So gehört auch das Gebiet nordwestlich zu den neu erschlossenen Gebieten.

Die Gebäude sind auch siedlungsgeschichtlich bedeutend, da die Aufsiedlung des bis dahin ländlich geprägten Gebietes nicht in lockerer Bebauung vorgenommen wurde, sondern eine sehr verdichtete Blockbebauung vorgezogen wurde. Die durch diesen Häuserblock vorgegebenen, verdichteten Strukturen gaben die Bebauung des gesamten Gebietes vor.

 

Die Ludwigstraße in Lüdenscheid
Die Miethauszeile wurde am 28. Juni 2004 unter der laufenden Nummer 155 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen. Sie steht in Privateigentum und wird z. Zt. (Stand 06/2005) umfassend saniert.