3. Evangelische Kirche Oberrahmede

Die ev. Kirche Oberrahmede im Jahr 1937
Die ev. Kirche Oberrahmede im Jahr 1937

1822 schlossen sich die beiden Gemeinden Lüdenscheid-Stadt und Lüdenscheid-Land zusammen, um den dringend notwendigen Neubau der baufälligen Stadtkirche durchführen zu können. Dem Vereinigungsvertrag von 1822 war ein langwieriger Streit um die Baufälligkeit der Kirche vorausgegangen. Dabei ging es der Stadt im Grunde weniger um die Kirche als vielmehr um die endliche Erringung der Parität mit der Kirchenspielgemeinde. Das Verhältnis zwischen konservativ beharrenden Landbewohnern und den allem Neuen aufgeschlossenen Städtern war gespannt. Auf beiden Seiten ging es um Einflussmöglichkeiten. So wurde 1843 die politische Gesamtgemeinde Lüdenscheid-Stadt und Land aufgelöst.

Im Rahmedetal sollte der Streit um den Standort der Kirche und der damit verbundenen Lage des Friedhofs solche Formen annehmen, dass er zum Austritt eines Teils der neuen Gemeinde aus der Landeskirche und zur Gründung einer neuen "freien" evangelischen Gemeinde außerhalb führte, der Gemeinde Oberrahmede.

Eine undatierte Aufnahme der ev. Kirche
Eine undatierte Aufnahme der ev. Kirche

Die Bewohner des oberen und unteren Tals hatten bezüglich des Standortes der zu bauenden Kirche gegensätzliche Auffassungen. Das Konsistorium legte den Platz am "Stockey" endgültig fest. Im Juni 1888 beschloss die gewählte Kommission des oberen Tales den Austritt aus der Landeskirche. Alle Versuche zur Rückkehr in die Landeskirche schlugen fehl und so wurde die Gründung einer "Freien Evangelischen Gemeinde Oberrahmede" als eingetragener Verein beschlossen, dessen Statut v. 12. Dezemeber 1888, das am 21. Dezember 1888 vom Amtmann Opderbeck als staatlicher Aufsichtsbehörde genehmigt wurde, die Gemeinde auf das Bekenntnis der unierten preußischen Landeskirche festlegte und alle Mitglieder verpflichtete, die notwendigen Unterhaltskosten beizusteuern.

Als Folge des Austritts fehlte jede seelsorgerische Betreuung; es gab keine Konfirmation, kein Abendmahl und keine Taufen mehr. Die kirchliche Beisetzung Verstorbener wurde verweigert, es sei denn, gegen hohe Gebühren. Amtmann Opderbeck erzwang 1890 die Einrichtung einer Anlage eines kommunalen Friedhofes. 1896 ging der Friedhof ganz in den Besitz der Kirchengemeinde Oberrahmede über; 50 Grabstellen blieben jedoch zur Verfügung der Landgemeinde. Der Antraq auf Benutzung eines Klassenzimmers in der Schule Oberrahmede für den Konfirmationsunterricht wurde abgelehnt. Lehrer durften, was sonst üblich war, bei den Gottesdiensten nicht als Organisten mitwirken. Später durften die zwei Glocken der neu gebauten Kirche nicht läuten, weil sie u. a. den Unterricht der schule störten.

 

Eine undatierte Innenansicht der ev. Kirche Oberrahmede
Eine undatierte Innenansicht der ev. Kirche Oberrahmede

Am 5. Juni 1889 erklärte sich Pastor Habermas bereit Handlungen wie Taufen, Konfirmationen und Trauungen zu übernehmen. Schon gleich nach seiner Einführung machte er sich an die Ausgestaltung der Gemeinde. Er gründete einen Kirchen- und Posaunenchor und Vereine für Frauen, Jungfrauen und junge Männer. Mit Hilfe eines Lüdenscheider Arztes richtete er Kurse in Erster Hilfe ein und hielt Vorträge über gesundheitliche Fragen. Die junge Gemeinde ging nun mit aller Kraft daran, den Bau einer Kirche und eines damit verbundenen Pfarrhauses zu verwirklichen. Die Gemeinde musste selbst die Finanzierung besorgen, und hier war es in erster Linie Habermas, dessen Energie und Ideeneinfallsreichtum die Voraussetzungen dafür schufen. Die Einweihung der Kirche fand am 1. August 1890 statt. Aufgrund der starken finanziellen Belastung kehrte die Kirchengemeinde Oberrahmede letztendlich am 01. November 1894 als selbständige Gemeinde in die Landeskirche zurück.

Das Kirchengebäude steht auch heute noch im Eigentum der Kirchengemeinde und wurde am 17. September 1984 unter der laufenden Nummer 3 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.

 

Die ev. Kirche in Oberrahmede im Jahr 2004
Die ev. Kirche in Oberrahmede im Jahr 2004

Denkmalwertbegründung:

Kirchenanlage

a. neugotische, vierjochige Saalkirche mit eingezogenem Chor im 5/8-Schluß und Nordostturm, achtseitige Pyramidenhaube und Fronton. Nachfolgebau der preußischen Normalkirche. Strebepfeiler in Backstein. Intakte teppichhafte neugotische Farbverglasung. Inneres mit hölzernem Muldenge¬wölbe in Schiff und Chor, ansonsten purifiziert. Sakristeianbau am Chor. Erbaut 1890, Sakristei 1907.

b. Pfarrhaus, zweigeschossig seitlich an die Kirche angesetzt mit Dreistaf¬felgiebel als Satteldachtraufenhaus mit dreiachsigem gleichwertigem Mittelrisalit. In Einheit mit der Kirche reizvolle Staffelung im Grundriß.

c. Ehemaliger Konfirmandensaal, neugotisch mit Spitzbogenfenstern als eingeschossiges Satteldachgiebelhaus mit Dreistaffelgiebel. d. Kirchhof mit Baumbestand der Zeit und Stützmauern.