184. Volmestraße 141 (ehem. Schule Winkhausen)

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere des Gebäudes. Weiterhin gehören die Linden auf der Nord- und der Südseite zum Gebäude.

Beschreibung:

Schon 1905 beschäftigte sich die Schulkommission von Brügge mit der Schulsituation in Brügge und Umgebung. Sie schlug der königlichen Regierung vor, die Schule in Schlade zu schließen und im Ausgleich eine zweiklassige Schule in Winkhausen einzurichten. Im Januar 1907 wurde beschlossen, dort eine einklassige Schule zu bauen. 1908 begann man mit dem Bau einer zweiklassigen Schule in Winkhausen an der Volmestraße. Die Pläne zeigen jedoch eine vierklassige Schule, sodass 1912 ohne Probleme und größere Umbauten die zwei weiteren Klassen angebaut werden konnten. Es handelt sich also um ein einheitlich als vierklassige Volksschule geplantes Gebäude. Dennoch lässt sich der Anbau aufgrund der Mauerstärken im Plan ablesen. Nach Norden und nach Süden wird das Grundstück durch Linden begrenzt, die wohl mit der Entstehung des Gebäudes gepflanzt wurden. Das verputzte Gebäude steht leicht zurückgesetzt, als traufständig langgezogener Bau an der Volmestraße. Ein zweiachsiger Risalit, der als Zwerchhaus endet, trennt den rechten und den linken Flügel, sodass die Ansicht von der Straße ein, dreiteiliges Gebäude zeigt.

Ein leicht aus der Mitte nach rechts gerückter, zweiachsiger, giebelständiger Bauteil, der leicht zurückgesetzt links und rechts ebenfalls zweiachsige, traufständige Flügel hat. Der rechte schließt mit einem Krüppelwalm, der linke mit einem Walmdach ab. Das Dach ist mit Biberschwanzdeckung gedeckt. Während der linke Flügel aufgrund der großen, doppelflügeligen Tür und den großen, hohen Fenstern als der Klassentrakt zu erkennen ist, weist der mittlere und rechte Teil eine einflügelige Haustür und kleinere Fenster auf. Hier befanden sich die Lehrerwohnungen. Die Haustür öffnet sich zum Flur, der zum einen die Klassenräume des Erdgeschosses erschließt und zum anderen zur ins Obergeschoss Treppe führt.

Neben der Haustüre sind auch die gesamte Fenster in diesem Teil des Gebäudes bauzeitlich. Auch die Fußbodenfliesen (wo vorhanden), die Treppe, das Treppengeländer und ein Wandschrank in einem Klassenraum gehören zur Ursprungsausstattung. Auf der Talseite dieses Gebäudeteiles befand sich im Kellergeschoss die Wohnung des Schuldieners. Sie war von außen und über den Keller des Wohnteils zu erschließen. Der Lehrerwohnteil hatte einen eigenen Eingang, dahinter befand sich das Treppenhaus, von dem die beiden Wohnungen erschlossen wurden. Auch hier sind Haustüre, Treppe, Treppengeländer, Fliesenboden im Treppenhaus, Wohnungstüren sowie die Zimmertüren noch bauzeitlich. Ansonsten ist die Ausstattung in beiden Gebäudeteilen äußerst schlicht und sachlich. Nach Norden und nach Süden wird das Grundstück durch Linden begrenzt, die wohl mit der Entstehung des Gebäudes gepflanzt wurden.

Das beschriebene Gebäude ist bedeutend für die Geschichte des Menschen hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid-Brügge. Brügge ist der Ortsteil von Lüdenscheid, der schon durch den Chausseebau in der Mitte des 19. Jahrhunderts für Lüdenscheid wichtig wurde, aber seit dem dem Bau der Volmebahn 1876 noch wesentlich an Bedeutung für die Stadt Lüdenscheid gewann. Er nahm daraufhin großen Aufschwung. Da es der Stadt Lüdenscheid nicht gelungen war, einen direkten Bahnanschluss zu bekommen, musste sie die „zweitbeste Lösung“ über Brügge akzeptieren. 1880 wurde die Anschlussstrecke zwischen Brügge und Lüdenscheid eröffnet. Brügge als wichtiger „Umschlagbahnhof“ für die Lüdenscheider Industrie wurde.

Eine Postkarte von Brügge um 1900 zeigt wie der Ort wächst. Noch heute prägt die Architektur der Jahrhundertwende (um 1900) den Ort. Mit dem Anstieg der Bevölkerung stieg auch das Bedürfnis nach einer Schule vor Ort. Die Schule in Winkhausen ist ein Beleg für den wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes. Auch die Verdopplung der Schulräume nach nur vier Jahren zeigt, dass die Schule benötigt wurde. Weiterhin ist das Gebäude bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhälnisse, da es zeigt, wie ehemals Schule funktionierte. Die Lehrer wohnten unmittelbar in der Schule. Es gab einen sehr engen Kontakt zwischen Arbeit und Wohnen. Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor.

Der Bau zeigt eine für die Zeit typische, schlichte Bauweise, deren verschiedene Baukörper in der „Dachlandschaft“ zusammengefasst werden. Der Putzbau wird durch die großen Fenster bestimmt, die auf die Funktion des Gebäudes hindeuten. Die Eingangstür weist Anklänge vom Jugendstil auf. Weiterhin liegen städtebauliche Gründe vor, da die Lage der Schule zeigt, wie sich der Ort an Chaussee und Eisenbahn entlang entwickelte.