183. Raithelplatz 5 (Berufskolleg für Technik)

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst die Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars von 1913 und das Kriegerdenkmal auf dem Raithelplatz. Nicht zum Denkmal gehören die großen westlichen und östlichen Anbauten.

Beschreibung:

Im 19. Jahrhundert wurde die Volksschullehrerausbildung neu geregelt. Bis dahin fand der Unterricht in den Elementarschulen meist mit nicht ausgebildeten Lehrern statt. Im späten 18. und im 19. Jahrhundert etablierten sich jedoch Lehrerseminare zur Ausbildung von Volksschullehrern. In Lüdenscheid wurde 1875 eine evangelische Präparandenanstalt ins Leben gerufen. Nach anfänglichem Zustrom nahm das Interesse jedoch wieder ab, sodass die Anstalt 1885 ge-schlossen wurde. 1908 wurde das staatliche Lehrerseminar eröffnet, das seine Unterrichtsräume in der Westschule hatte; ab 1913 standen die neuen Seminargebäude am Buckesfeld zur Verfügung.

Beauftragt mit der Aufgabe wurde der Regierungsbaumeister Keßler des königlichen Hau-bauamtes in Hagen. Von dem Bau von 1913 bestehen nur noch der Mittelbau mit nördlichen Anbau für Turnhalle und Aula sowie der westliche Flügel mit der ehemaligen Direktorenwoh-nung. Der entsprechende östliche Flügel mit den ehemaligen Lehrer- und Oberlehrerwoh-nungen ist wohl im Zusammenhang mit den Neubauten in den 1970er-Jahren abgebrochen worden. Zudem haben die sehr groß dimensionierten Anbauten, die jedoch den zentralen Ursprungsbau aufgrund ihrer reduzierten Höhe nicht allzu sehr bedrängen, den Gesamtein-druck verändert.

Das dreigeschossige, ursprüngliche dreizehnachsige Hauptgebäude ist mit einem schiefer-gedeckten Walmdach mit Aufschieblingen gedeckt. Heute sind auf der östlichen Seite, wo ursprünglich der östliche Flügelbau ansetzte, noch einmal zwei Fensterachsen hinzuge-kommen. Die zentrale Fensterachse ist durch das Eingangstor hervorgehoben, die übrigen sind jeweils zu Dreiergruppen zusammengefasst. Jede Gruppe wird durch eine Gaube über der jeweils mittleren Achse bekrönt. Über einem Werksteinsockel erhebt sich der Putzbau, dessen einziger Schmuck die leicht erhabenen Fensterfaschen sind. Im oberstern Geschoss werden diese mit einem ebenfalls schlichten Bandgesims zusammengefasst.

Abschließend leitet ein nur „angedeutetes“ Kon-solgesims zum Dachüberstand und zum Dach über. Wesentliches Element dieser Fassade sind die Fenster. Blickpunkt ist das zentrale Portal, das durch rahmende Säulen, Rustikaputz und gesprengten Volutengiebel im 1. Obergeschoss, der vom Adler bekrönt wird, hervorge-hoben wird. Auf der Brüstung des Fensters im 1. Obergeschoss, das inmitten des gesprengten Giebels liegt, steht „Königliches Lehrerseminar“. Der westliche Flügelanbau besteht aus einem Scharnierbau und einem quergestellten Kopfbau. Über dem ebenfalls aus Werkstein gemauerten Sockel erhebt sich der Putzbau, dessen Obergeschoss mit Schiefer verkleidet ist. Dem schiefergedeckten Walmdach ist auf der Südseite ein risalitartig vorstehendes Zwerchhaus mit Giebelabschluss vorgestellt. Das Innere des Hauptgebäudes sowie des ehemaligen Direktorenwohnhauses sind noch in wichtigen Teilen vorhanden. So ist der Grundriss mit Eingangsbereich, Querflur und Treppenhaus sowie die meisten Klassenräume bzw. ehemalige Turnhalle und Aula vorhanden.

Auch die prächtige Treppenanlage, viele Türen und wandfeste Putzdetails sind erhalten. Der Übergang mit ehemaligem Direktorenzimmer zur Direktorenwohnung besteht ebenfalls noch. Auch die Wohnung mit Treppenanlage, Türen und Raumaufteilung ist weitgehend erhalten. Die Turnhalle und die darüber befindlichen Aula und Musiksaal sind als Räume noch erfahrbar, wenn sie auch heute in anderer Form genutzt werden.

Im Eingangsbereich des ehemaligen Lehrerseminars steht auf einem Grünstreifen zwischen zwei Bäumen ein Kriegerdenkmal: Auf einem Podest gemauert aus Werksteinen in Form eines Altares mit überstehender Abschlussplatte, die an eine Mensa erinnert, wird auf einem kleinen „Steinkissen“ ein aus Stein gehauener Stahlhelm „aufgebahrt“. Auf der Vorderseite des Podestes ist eine dunkle Granitplatte eingelassen, auf der steht: „Unseren Gefallenen 1914 – 1918. Das Lehrerseminar Lüdenscheid. Auf den drei anderen Seiten sind ebenfalls Granitplatten eingelassen, auf denen die Namen der Gefallenen stehen.

Begründung:

Das ehemalige Lehrerseminar in seinem oben beschriebenen Umfang ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte Lüdenscheids im Allgemeinen sowie für die Geschichte der Pädagogik im Speziellen, denn es markiert die Abkehr vom „Laienlehrer“ zum professionell ausgebildeten Volksschullehrer, der sowohl in den Grundkenntnissen der klassischen Lehrfächer als auch in musischen Fächern unterrichtet wurde. Für die Orts-geschichte ist es bedeutsam, da das Lehrerseminar für Lüdenscheid ein Prestigegewinn war und hier die Volksschullehrer der gesamten Region ausgebildet wurden.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe vor, da das gut erhaltene Gebäude den auf den Klassizismus bzw. auf den Spätbarock zu-rückgreifenden Heimatschutzstil sehr gut repräsentiert. Es ist der Stil, der insbesondere von Protagonisten wie Paul Schultze-Naumburg als Reformstil vertreten wurde und als Antwort auf den zu der Zeit weitgehend abgelehnten Historismus verstanden wurde. Dass dieses Gebäude in seiner architektonischen Qualität auffiel, macht eine Bemerkung eines Gehei-men Regierungsrates aus Berlin von 1915 deutlich(s. Bauakte), der sich in Lüdenscheid aufhielt: „Bei einem kurzen Aufenthalt in Lüdenscheid besuchte ich auch das neue Lehrerseminar, welches in Lage und Bau bemerkenswert ist. Es würde mich interessieren zu erfahren, ob dieser Bau mit städtischer Beihilfe oder vielleicht ganz auf städtische Kosten ausge-führt ist und von wem der Entwurf herrührt.“

Weiterhin liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da es die Ausbreitung Lüdenscheids seit dem frühen 20. Jahrhundert zeigt. Denn auch die damals freie Lage auf dem Buckesfeld scheint den o.g. Gast, der bei der staatlichen Stelle für Natur-denkmalpflege in Preussen arbeitete, beeindruckt zu haben. Ursprünglich waren die Gebäu-de in Gärten, die den Lehrern und Schülern zugeordnet waren, eingebettet. Die erhöhte Lage erlaubte einen Blick auf Lüdenscheid. Obwohl die Gebäude heute inmitten von Vorstadt-siedlungen stehen und von Neubauten umgeben sind, lässt sie noch etwas von der ehemaligen Alleinlage erahnen.