181. Schützenstraße 43 (ehem. Fabrikantenvilla)

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere des Gebäudes, die Doppelgarage und die südliche und östliche Grundstückseinfriedung.

Beschreibung:

Leicht erhöht über der nach Süden abfallenden Schützenstraße erhebt sich das ins Grund-stück zurückgesetzte Gebäude. Der Lüdenscheider Architekt Robert Lamm hat es 1927 für den Ingenieur August Delling errichtet. 1928 kam die auf der Grenze zum Nachbargrundstück stehende Doppelgarage und die Einfriedung des Grundstückes auf der südlichen und östlichen Grundstücksgrenze hinzu. Dabei wurde insbesondere der Hauseingang mit Treppe in seiner Gestaltung herausgehoben. Es handelt sich um ein vollunterkellertes, zweigeschossiges Haus, das mit einem weit vor-kragenden Walmdach mit Aufschieblingen geschlossen ist. Es ist aus dunkelroten, hartge-brannten Backstein, die Betontraufe ist hell gestrichen und das Dach ist mit schwarzen Pfannen gedeckt. Zwei Kaminzüge im First betonen die Symmetrie.

Die vierachsige, zweigeschossige Straßenfassade hat im Erdgeschoss über die beiden mitt-leren Fensterachsen einen Erker, der heute mit einem großen Fenster, ursprünglich aber mit vier schmalen hochrechteckigen Fenstern geschlossen war. Diese korrespondierte mit den fünf in der Gaube befindlichen Fenstern. Der Hauseingang befindet sich auf der Nordseite, die ansonsten mehrere kleine, unterge-ordnete Fenster aufweist. Diese sind jedoch kunstvoll in die Wand eingebunden und ein dreieckiges Oberlicht korrespondiert mit einem Oberlicht über der Eingangstür.

Hier sind auch noch die bauzeitliche Haustüre und die Fenster vorhanden. Die Gartenfront ist ebenfalls wie die Straßenfront sehr symmetrisch aufgebaut. Über einem Erdgeschoss, das auf der linken Seite eine Loggia hat (Abstellraumeinbau später) und auf der rechten einen Win-tergarten hatte (wobei die Fenster nicht verändert sind), springt das Obergeschoss hinter einem Balkon etwas zurück. Auch hier ist der Mittelteil mit einem zweiachsigen Risalit wieder etwas nach vorne geholt. Eine dreieckförmige Gaube betont genau die Mitte. Hier sind die beiden Fenstertüren, die zum Balkon führen, zu nennen, da sie noch bauzeitlich sind und die alte Aufteilung belegen. Die Klappläden, die die Fensteröffnungen früher rahmten, nahmen

Im Inneren ist es vor allem die sehr vollständig erhaltene wandfeste Ausstattung, die den Bau aus anderen dieser Zeit heraushebt. Haustüren, Zimmertüren, Wandverkleidungen, Wandfliesen, Bodenbeläge, Wandschränke, Treppen, Treppengeländer, Kaminplatz und Heizungsverkleidungen, Badeinrichtungen mit Waschbecken, Handtuchwärmer etc.. Selbst die Kurbeln und die Mechanik für die Klappläden sind noch vorhanden. Im Grundriss gibt es auch nur wenige Veränderungen. Der Wintergarten ist mit einer Leicht-baumauer vom ehemaligen Salon getrennt worden und wird heute als Bad genutzt. Auch im OG sind die Zimmer und Bäder mit Einrichtung weitgehend erhalten.

Begründung:

Das hier in Rede stehende Gebäude ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Menschen in Lüdenscheid, da es in besonders guter Weise das Leben und Wirtschaften des Lüdenscheider Großbürgertums am Ende der 1920er-Jahre zeigt. Das sehr großzügig angelegte Haus mit einer überaus gediegenen Ausstattung zeigt nicht nur den Geschmack, sondern auch die Lebensweise. Obwohl nur ein Hauseingang vorhanden ist, sind die Wege des Personals weitgehend von den Wohnräumen getrennt. Küche, Treppe in Keller und Obergeschoss lassen sich begehen, ohne die Wohnräume zu queren. Das Speisezimmer ist mit der Küche durch eine Nebentür verbunden.

Die Wohndiele ist dunkel mit Holzpaneel – einer feinen Tischlerarbeit – ausgekleidet, der Kamin verweist auf die Aufenthaltsqualität dieses Raumes im Winter, im Sommer war er der Durchgang in den Garten. Herrenzimmer und Salon gingen über in einen Wintergarten, der den Blick, aber nicht den Zugang zum Garten ermöglichte. Man trennte noch Innen und Außen, obwohl die Wohndiele sich weit zum Garten öffnete. Im Obergeschoss waren die Schlaf- und Aufenthaltsräume. Es gab einen Teil für die Eltern mit Bad, es gab einen weiteren Teil für die Kinder ebenfalls mit Bad. Interessanterweise hat-ten die Kinder ein Spielzimmer, dies war vor allem in reformorientierten, fortschrittlichen Haushalten zu finden. Im Dachgeschoss befanden sich die Kammern fürs Personal sowie der Trockenboden. Zwei Fremdenzimmer waren vorhanden, die darauf hinweisen, dass Besuch in diesem Haus nicht ungewöhnlich war.

Für Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor. Obwohl der Architekt Robert Lamm in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre einer der bekanntesten und erfolgreichsten Architekten Lüdenscheids war, ist nicht viel über ihn bekannt. Hier baut er ein gediegenes, im Reformstil gestaltetes Haus, was in Ausstattung und An-spruch das gehobene Bürgertum zufriedenstellen soll. In der Ausformung des Hauses ist Lamm auf der Höhe der Zeit. Er verbindet Ideen von Muthesius und Frank Lloyd Wright mit Formen des Expressionismus. Insbesondere die Eingangsgestaltung nimmt Formen des Expressionismus auf. Die Gesamtform des Hauses mit dem großen, gleichmäßigen Walmdach, das weit über den Baukörper herausragt und sehr flach anläuft verweist er auf Häuser des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Das Gesamtkonzept birgt auch viel von den Ideen Hermann Muthesius', der mit seinem 1905 erschienenen Buch „Das englische Haus“ ganze Generationen von Architekten prägte. Dennoch hat es insgesamt eine Eigenständigkeit, die auf die Diskussion zwischen Architek-ten und Bauherrn verweist.