177. Kölner Straße 53 - 59 und 61 - 65

Die Bebauung an der Kölner Straße besteht aus zwei Blöcken. Der erste ist straßenbegleitend, der zweite füllt die scharfe Kurve der Kölner Straße, indem er konkav die Kurve spiegelt, sodass vor dem Gebäude ein recht geräumiger Vorplatz entstanden ist. Die Wohnungen sind 1924 von Finkbeiner gebaut worden. Auch hier wird wieder in einzelnen Wohnblöcken geplant, die abgestuft der topographischen Situation folgen. Die Fassaden sind recht schlicht gestaltet, nur die Hauseingänge sind leicht hervorgehoben. Ein Sohlbankgesims im 1. Obergeschoss gliedert etwas die Fassade.

Die Ausstattung der Treppenhäuser entsprach weitgehend den anderen von Finkbeiner er-richteten Häusern: Hinter der Haustüre ein mit gekachelten Wänden ausgestatteter Gang, der als Windfang diente und in den hinteren Teil des Hauses führt, wo sich das Treppenhaus befindet. Hier sind Wohnungstüren und Treppen, wie in allen anderen hier aufgeführten Bauten, noch bauzeitlich. Ein weiterer Ausgang führt in den Hof. Die Loggien, die in diesen Wohnung bestanden, wurden zugebaut und mit Bädern versehen.

Begründung:

Die Gebäude sind bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid. In den 1920er Jahren gab es in Lüdenscheid Wohnungsmangel, dem mit Bauten unter anderem der öffentlichen Hand entgegen gewirkt werden sollte. Dabei gab es durchaus Unterschiede im Zuschnitt der Wohnungen, sodass unterschieden werden kann zwischen Kleinwohnungen für sozial schlechter gestellte Klientel und etwas größeren, etwas besser ausgestatteten Wohnungen für beispielsweise Lehrer.

Die große Zahl der Wohnungen waren Dreiraumwohnungen, die wohl für Arbeiterfamilien vorgesehen waren. Die hier aufgeführten Wohnungsbauten stehen für die Anstrengung der Stadt Lüdenscheid, den Wohnungsmangel zu beseitigen und adäquaten Wohnraum zu schaffen. Die Bauten sind sowohl in ihrem Äußeren als auch in der Ausstattung der Wohnungen von einer außer-ordentlichen Qualität, sodass nicht von billiger Wohnraumbeschaffung gesprochen werden kann. Da es viele innerstädtische Baugrundstücke gab, die zudem im Besitz der Stadt waren, wurde zunächst einmal hier gebaut. Dadurch kam es zu vielen „kleineren“ und mittleren Bauvor-haben an unterschiedlichen Standorten.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor, da sich diese Bauvorhaben immer in die bestehende Umgebung eingepasst, aber zugleich der gesamten Situation eine neue Qualität gegeben haben. Dies wird auch daran deutlich, dass die Bauten bis heute das Bild der Stadt Lüdenscheid an vielen Orten prägen. Schon 1926 wurden die Bauten in der Zeitschrift „Moderne Bauformen“ gewürdigt: „In Lü-denscheid ist es ihm gelungen, mit künstlerischem Gefühl für die individuellen Gegebenheiten des Stadtgeländes und mit feinem Empfinden für die Fehler jüngst vergangenen Städte-baues nicht nur die Härten dieser verfehlten Bauweise zu mildern, sondern auch neue künst-lerische Werte in diese nun einmal bestehende Anlage hineinzutragen.

An dem Zug der Straßen war nichts mehr zu ändern, aber durch die Art, wie die Häusergruppen gestaffelt, wie die Bauweise von den vorhandenen vierstöckigen Mietskasernen zu niedriger Bebauung übergeleitet wurde, das spricht von dem Geschick des Architekten in der Bewältigung der Baumassen und Anpassung an das Gelände.“ Für die Erhaltung und Nutzung liegen weiterhin wissenschaftliche, hier architekturhistori-sche Gründe vor. Wilhelm Finkbeiner hat als Stadtbaurat von Lüdenscheid die Stadt vor allem in den 1920er Jahren durch seine Wohnungsbauten geprägt. Er verfolgte einen ge-mäßigten Reformstil, der sich aus dem Heimatschutzstil entwickelt hat. Um eine spätere wissenschaftliche Aufarbeitung seines Werkes zu ermöglichen, sollten die Bauten einer wei-teren Erforschung zur Verfügung stehen.