176. Honseler Straße 10 a - 16 c

Bei den Wohnblöcken in der Honseler Straße, die 1926 errichtet wurden, handelt es sich um Zwei- und Dreiraumwohnungen, wobei die Wohnküche als Raum gezählt wird. Die Wohnun-gen waren überwiegend für junge Familien. Im Äußeren wurden die Fassaden strukturiert, indem die Treppenhäuser durch spitzeckige Erker hervorgehoben und die straßenseitigen Giebel mit Erkern im Erdgeschoss und Vorhangfenstern im Dachgeschoss ausgestattet wurden.

Durch die Stellung der Blöcke zur Straße entstanden Höfe, die am hinteren Ende durch pavillonartige Häuser, die durch Bögen mit den Blöcken verbunden sind, abgeschlossen wer-den. In einem befand sich das Waschhaus und die Wohnung des Waschmeisters für die gesamte Siedlung und in dem anderen der Hausmeister mit einem kleinen Laden. Die Treppenhauswände sind mit Fliesen belegt sowie der Fußboden, die Treppe ist ab dem Erdgeschoss aus Holz mit einem Geländer mit gedrexelten Docken. Haus- und Wohnungstüren sind hier recht schlicht gehalten, aber auch hier sind sie durchgestaltet.

Begründung:

Die Gebäude sind bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsge-schichte von Lüdenscheid. In den 1920er Jahren gab es in Lüdenscheid Wohnungsmangel, dem mit Bauten unter anderem der öffentlichen Hand entgegen gewirkt werden sollte. Dabei gab es durchaus Unterschiede im Zuschnitt der Wohnungen, sodass unterschieden werden kann zwischen Kleinwohnungen für sozial schlechter gestellte Klientel und etwas größeren, etwas besser ausgestatteten Wohnungen für beispielsweise Lehrer.

Die große Zahl der Wohnungen waren Dreiraumwohnungen, die wohl für Arbeiterfamilien vorgesehen waren. Die hier aufgeführten Wohnungsbauten stehen für die Anstrengung der Stadt Lüdenscheid, den Wohnungsmangel zu beseitigen und adäquaten Wohnraum zu schaffen. Die Bauten sind sowohl in ihrem Äußeren als auch in der Ausstattung der Wohnungen von einer außerordentlichen Qualität, sodass nicht von billiger Wohnraumbeschaffung gesprochen werden kann. Da es viele innerstädtische Baugrundstücke gab, die zudem im Besitz der Stadt waren, wur-de zunächst einmal hier gebaut. Dadurch kam es zu vielen „kleineren“ und mittleren Bauvorhaben an unterschiedlichen Standorten.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor, da sich diese Bauvorha-ben immer in die bestehende Umgebung eingepasst, aber zugleich der gesamten Situation eine neue Qualität gegeben haben. Dies wird auch daran deutlich, dass die Bauten bis heute das Bild der Stadt Lüdenscheid an vielen Orten prägen. Schon 1926 wurden die Bauten in der Zeitschrift „Moderne Bauformen“ gewürdigt: „In Lüdenscheid ist es ihm gelungen, mit künstlerischem Gefühl für die individuellen Gegebenheiten des Stadtgeländes und mit feinem Empfinden für die Fehler jüngst vergangenen Städte-baues nicht nur die Härten dieser verfehlten Bauweise zu mildern, sondern auch neue künstlerische Werte in diese nun einmal bestehende Anlage hineinzutragen.An dem Zug der Straßen war nichts mehr zu ändern, aber durch die Art, wie die Häusergruppen gestaffelt, wie die Bauweise von den vorhandenen vierstöckigen Mietskasernen zu niedriger Bebauung übergeleitet wurde, das spricht von dem Geschick des Architekten in der Bewältigung der Baumassen und Anpassung an das Gelände.“ Für die Erhaltung und Nutzung liegen weiterhin wissenschaftliche, hier architekturhistori-sche Gründe vor. Wilhelm Finkbeiner hat als Stadtbaurat von Lüdenscheid die Stadt vor allem in den 1920er Jahren durch seine Wohnungsbauten geprägt. Er verfolgte einen gemäßigten Reformstil, der sich aus dem Heimatschutzstil entwickelt hat. Um eine spätere wissenschaftliche Aufarbeitung seines Werkes zu ermöglichen, sollten die Bauten einer wei-teren Erforschung zur Verfügung stehen.