Eine Ansicht aus dem Jahr 1922

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das Äußere und Innere der Gebäude Nummer 3 und 5. Während im Gebäude Nummer 3 die wandfeste Ausstattung wie Treppe mit Geländer, Wohnungsein-gangstüren, Zimmertüren und Fußböden zum Denkmalumfang gehören, beschränkt sich der Denkmalumfang im Inneren des Gebäudes Nummer 5 auf das Treppenhaus und die Woh-nungsgrundrisse. Letzteres gilt auch für die Wohnung im Haus Nummer 3 unten links. Dort wurden die Türen und Fußböden erneuert.

Ein Blick im Jahr 2016 auf die Gebäude

Beschreibung:

Die beiden dreigeschossigen Etagenwohnhäuser wurden im öffentlichen Auftrag durch den Stadtbaurat Wilhelm Finkbeiner 1922 errichtet. Es handelt sich um großzügig angelegte, geräumige Wohnungen, die schon mit Toiletten und Bad, zumindest im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss ausgestattet waren. Beide Häuser sind als langer Wohnblock mit zwei her-vorgehobenen Treppenhausrisaliten errichtet. Das dreigeschossige Satteldachtraufenhaus gibt vor, nur zweigeschossig zu sein, indem das 2. Obergeschoss als Dachgeschoss eines Mansardendaches gestaltet wurde. Allerdings springt nur die Mauer leicht zurück, ist mit ei-nem Wandbehang verkleidet und vor allem mit einem Traufgesims und Dachrinne von dem 1. Obergeschoss abgesetzt. Durch die expressionistisch überformten neobarocken Gestal-tungselemente, übergiebelte Eingangsrisalite, hohes Erdgeschoss mit giebelartigen Fensterbedachungen und Imitation eines Mansarddaches, wird der Bau in seinen Proportio-nen geordnet und gegliedert.

Die Treppenhäuser und die Wohnungstüren weisen die zeittypische Gestaltung der 1920er Jahre auf, indem ebenfalls Formen aus dem Barock expressionistisch überformt werden. Die Wohnungen, die in Gebäude Nummer 3 sämtlich in ihren Grundrissen erhalten sind, weisen einen großzügigen Grundriss auf. Im Keller gab es für das Haus eine gemeinsame Waschküche, auch eine Neuerung, die in den 1920er Jahren in Mietwohnungen etabliert wurde und für die großen Wohnungen des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses gab es im 2. Obergeschoss jeweils eine Perso-nalkammer. Aus der angenehmen Wohnlage der Häuser in der Nähe des „Loher Wäldchen“, dem groß-zügigen Zuschnitt der Wohnungen mit Sanitäranlagen und Zimmer für Personal lässt sich schließen, dass es sich um Wohnungen für das gehobene Beamtentum bzw. für die bürger-liche Bevölkerungsschicht handelte.

Ein Bild aus dem Jahr 2016

Begründung:

Die Gebäude sind bedeutet für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid. In den 1920er Jahren gab es in Lüdenscheid eine große Wohnungsnot, der mit Bauten unter anderem der öffentlichen Hand entgegen gewirkt werden sollte. 1922 gab es 1292 Wohnungssuchende. Die Stadt baute in diesem Jahr 90, Bauvereine und Private 70 Wohnungen.  Da es viele innerstädtische Baugrundstücke gab, die zudem im Besitz der Stadt waren, wur-de zunächst einmal hier gebaut. Dadurch kam es zu vielen „kleineren" Bauvorhaben an un-terschiedlichen Standorten.

Während beispielsweise an der Kölner Straße eher Kleinwoh-nungen gebaut wurden, wurden hier, wo es sich um ein kleineres Baugrundstück mit weniger Wohnungen handelte, große Wohnungen gebaut. Diese Wohnungen zeigen auch heute noch in der teilweise reduzierten Überlieferung die Wohnweise des Bürgertums. Die Woh-nungszuschnitte zeigen die Wohnlichkeit, die Sanitär- und Wirtschaftsräume (WC und Bad in der Wohnung, Waschküche im Keller) belegen den steigenden Wohnkomfort durch die modernen Veränderungen im Haushalt, die Personalzimmer weisen auf die soziale Stellung der Bewohner hin.

Ein weiteres Bild aus dem Jahr 1922

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturhistorische und städ-tebauliche Gründe vor. Wilhelm Finkbeiner wurde 1919 zum Stadtbaurat von Lüdenscheid ernannt. Er hat die Stadt vor allem in den 1920er Jahren durch seine Wohnungsbauten ge-prägt. Er verfolgte einen gemäßigten Reformstil, der sich aus dem Heimatschutzstil entwi-ckelt hat. Schon 1926 wurde sein Werk in der Zeitschrift „Moderne Bauformen" gewürdigt: In Lüdenscheid ist es dem Stadtbaurat Reg.-Baumeister Finkbeiner gelungen, mit künstleri-schem Gefühl für die individuellen Gegebenheiten des Stadtgeländes und mit feinem Emp-finden für die Fehler jüngst vergangenen Städtebaues nicht nur die Härten dieser verfehlten Bauweise zu mildern, sondern auch neue künstlerische Werte in diese nun einmal beste-hende Anlage hineinzutragen.

An dem Zug der Straßen war nichts mehr zu ändern, aber durch die Art, wie die Häusergruppen gestaffelt, wie die Bauweise von den vorhandenen vierstöckigen Mietskasernen zu niedriger Bebauung übergeleitet wurde, das spricht von dem Geschick des Architekten in der Bewältigung der Baumassen und Anpassung an das Gelände. Dieses stadtbildprägende Werk Finkbeiners kann unter anderem an den beiden Häusern an der Mittelstraße sehr gut nachvollzogen werden.

Quellen:

1 Karl-Peter Seuster, Wohnungsbau und Bevölkerungsbewegung der Stadt Lüdenscheid in Westfalen vor und nach dem Weltkriege, Dresden 1932.

2 Ebd. Statistik für 1922.

3 Wilhelm Kästner, Städtische Wohngruppen in Lüdenscheid i.W. ln: Moderne Bauformen, JG 25, 1926, S.153-169, hier S.154