Ein Ansicht aus den 1990ern aus der Luft

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das gesamte Innere und Äußere des Wohn- und Wirtschaftsgebäu-des. Nicht zum Denkmal gehört der nordöstliche Anbau an den Wirtschaftsteil aus den Jah-ren nach 1908 und 1935.

Beschreibung:

Der heutige Zustand des Hauses zeigt einen Wohnteil, der – trotz einiger Veränderungen – einen Baubestand aus dem späten 18. Jahrhundert aufweist und einen Wirtschaftsteil, der zwischen 1908 und 1935 stark überformt und erweitert wurde. Dabei sind die Erweiterungs-anbauten nicht denkmalwert. Im Urkataster von 1830 ist das Haus verzeichnet. Der Umriss entspricht dem Plan aus der Bauakte von 1908, als der damalige Eigentümer einen Antrag zur Neueindeckung des Da-ches stellte. Es zeigt einen großen, breiten Wohnteil und einen schmaleren Wirtschaftsteil. Es handelt sich um einen verputzten Bruchsteinbau, der mit Doppelhohlpfannen gedeckt ist. Die Fensteröffnungen sind mit sichtbaren Stürzen (Holz?) abgefangen.

Ein Fenster im Giebel ist vergittert. Das Gitter ist in den Sturz (hier Sandstein) eingelassen. Die regelmäßig angeordneten Fenster im Wohnteil könnten verändert worden sein, das lässt sich im derzei-tigen Zustand nicht eindeutig beantworten. In die südwestliche Wand des Wirtschaftsteils ist ein nicht sehr großer Wappenstein mit folgender Inschrift eingelassen: CASPAR NOLL – ANNA CATRIN VOM STAADT ANNO 1711 DEN 23 IUNY. Der Grundriss im Inneren des Wohnteils stimmt bis auf den nicht mehr vorhandenen Kaminblock in der Küche noch weitgehend mit dem Plan von 1908 überein. Der Wohnteil ist als Etagenbau errichtet. Er ist von der südöstlichen Giebelseite erschlossen. Der Mittelängsflur dient zur Erschließung der Räume, die rechts und links des Flures angeordnet sind und der vor Kopf befindlichen Küche.

Eine Treppe führt ins OG, dem ein entsprechender Grundriss zugrunde liegt. Allerdings reicht hier der Flur über die gesamte Tiefe des Wohnteils. Der Hauskasten ist zum Dachstuhl durch einen Ollern (gestampfter Stroh-Lehm-Boden) abgeschlossen. Die Dachsparren über dem Wohnteil dürften noch die bauzeitlichen sein, die allerdings mehrfach verstärkt worden sind. Von der Küche führt eine Steintreppe in den Gewölbekeller, der unter der Stube in der südwestlichen Hausecke liegt. Die sehr qualitätvolle wandfeste Ausstattung (Treppe und Türen) weisen spätbarocke bzw. klassizistische Dekorationen und Ornamentik auf, die frühestens in die Zeit um 1780/90 da-tiert werden können. Der Hausgrundriss würde einer entsprechenden Datierung nicht entge-genstehen, sodass möglicherweise der Wohnteil um 1780/90 erneuert wurde und an einen älteren Wirtschaftsteil angebaut wurde. Hierfür spricht die auffällig starke Wand zwischen Wirtschaftsteil und Wohnteil und die unterschiedliche Breite der beiden Hausteile. Zudem befindet sich an der Südwestwand des Wirtschaftsteils der o. g. Wappenstein.

Seit 1675 war der Hof in der Familie Nölle, die für die Stadt Lüdenscheid und darüber hinaus von großer Bedeutung ist. Caspar Nölle, der auf dem o. g. Stein genannt ist, war Zimmer-mann. Die Othlinghausen zugehörigen Waldungen boten eine gute Grundlage für diesen Beruf. Zimmerleute lebten überwiegend auf dem Lande, denn die notwendigen natürlichen Ressourcen sprachen für einen Standort außerhalb der Städte. (Wilfried Reininghaus, Kirch-türme und Britanniawaren. Die Familie Nölle in Othlinghausen und Lüdenscheid und ihre Unternehmen. In: Der Märker 1991, H. 6, S. 228) Caspar Nölle war ein wohlhabender und geachteter Mann. Er arbeitete mit Michael Moser zusammen, dem Baumeister, der u. a. für das 1723 abgebrannte Lüdenscheid einen Wiederaufbauplan verfasste. Caspar Nölle wirkte in diesem Fall auch mehrfach als Gutachter. (Wilhelm Sauerländer, Die Brandakte von 1723, Lüdenscheid o.J.)

Einer der beiden Söhne von Caspar Nölle, Heinrich Wilhelm, übernahm den Hof. Er besaß später mit seinem Sohn Caspar Heinrich Nölle mehrere Hammerwerke, wo das Eisen auch weiterverarbeitet wurde. Sie bilden die Grundlage zum Handel mit Eisen und damit für den Aufstieg in das ländliche Honoratiorentum (ebd. S. 230). Letzterer verhei-ratete sich 1780 bzw. 1782 mit Töchtern von Reidemeistern, gehörte also zum Heiratskreis der wirtschaftlichen Führungsschicht. Anfang des 19. Jahrhunderts verlegten seine Söhne den Sitz des Handelsgeschäfts nach Lüdenscheid. 1837/38 wurde der Othlinghauser Besitz verkauft. Die Daten der beiden Hochzeiten könnten mit einem teilweisen Neubau bzw. einer Renovie-rung des Hauses einhergehen. Stilistisch würde das sehr gut passen.

Begründung:

Das in Rede stehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte in Lüdenscheid, weil es auch noch in seinem heute leicht veränderten Zustand deutlich zeigt, wie die Menschen des späten 18. Jahrhunderts hier gelebt und gearbeitet haben. Wohn- und Wirtschaftsteil sind voneinander getrennt. Der Wohnteil war ursprünglich größer als der Wirtschaftsteil. Hieraus geht hervor, dass es sich nicht um ein vordringlich landwirtschaftlich genutztes Gebäude handelt, Landwirtschaft wurde hier wohl im Nebenerwerb betrieben. Es handelt sich hier um ein Wohnhaus von Zimmer-leuten, die später im Handel erfolgreich waren. Der Wohnteil zeigt mit seiner wandfesten Ausstattung wirtschaftlich wohlhabende Verhältnisse. Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier geschichtliche und kunstge-schichtliche Gründe vor. Historische Gründe liegen vor, weil die Bewohnerfamilie bedeuten-de Handwerker in der Grafschaft Mark waren. Über sie liegt ein guter Archivalienbestand vor, der im Zusammenhang mit dem Gebäude an Wert gewinnt. Weiterhin liegen kunstge-schichtliche Gründe vor, da die wandfeste Ausstattung ein gutes handwerkliches Niveau belegt.