Kirchplatz 3 2017

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere des Hauses mit der wandfesten bauzeitlichen Ausstattung (Türen, Wandpaneel, Fußböden, Treppen) und den Einbauten im westlichen Gewölbekeller sowie der Dachstuhl, Ollern und Zugang zum Dachraum. Das Haus gehört zur Randbebauung des Kirchplatzes. Es ist Bestandteil der in geschlosse-ner Bebauung errichteten Häuserreihe zwischen Kirchplatz und Herzogstraße und gehört damit zum ältesten Häuserbestand der Altstadt.

Obwohl die Hausakte erst mit einem Entwässerungsplan von 1906 beginnt, lässt sich der Bau auf den Wiederaufbau in Folge des Brandes vom 20. August 1723 datieren. Die „Brandakte" weist auf dem Grundstück des heutigen Hauses zwei Häuser aus. Im Stadtplan von dem Architekten Moser von 1723 sind das die Häuser Nr. 109 und 110.

Diese Beobachtung wird im Haus bestätigt. Der Keller des Hauses, der zur tiefer liegenden Herzogstraße ebenerdig liegt, weist zwei gänzlich unterschiedliche Bestandteile auf. Wäh-rend die Keller im westlichen teil gewölbt sind und Reste von zwei Feuerstellen aufweisen, ist der östliche Teil des Kellers mit einer Balkendecke geschlossen. Die Feuerstellen, die sich in den gewölbten Kellern andeuten, finden in dem darüber liegenden Haus keine Kami-ne, so dass der Verdacht besteht, dass die Gewölbekeller von der Vorgängerbebauung stammen. Weiterhin bemerkenswert ist, dass sich ein Brunnen im Keller befindet.

Das fünfachsige, zweigeschossige Wohnhaus unter Satteldach mit einem Giebel über der Mittelachse ist in der leicht radial angelegten Häuserzeile eingepasst, so dass das Haus einen trapezförmigen Grundriss aufweist und auf der Rückseite (Herzogstraße) sehr viel breiter ist. Es ist aus Bruchstein aufgeführt, die Innenwände sind aus Fachwerk. Der Dach-stuhl ist bauzeitlich.

Kirchplatz 2017

Der Eingang befindet sich am Kirchplatz. Über einen zentralen Mittelflur wird das Haus er-schlossen. Links befinden sich zwei Zimmer, die durch eine schweifbogenförmige Doppeltür voneinander getrennt sind. Das vom rückwärtigen Raum abgeteilten Zimmer ist erst in jün-gerer Zeit entstanden. Auf der anderen Seite des Flures befinden sich ebenfalls zwei Räu-me, von denen der vordere (zum Kirchplatz) die Küche ist. Die schmale Stiege ist ebenfalls bauzeitlich. Im Obergeschoss findet man einen ähnlichen Grundriss vor, wobei die Räume niedriger sind. Die Geschossbalken verlaufen parallel zum First, was sich letztlich aus der Dachstuhlkonstruktion erklärt.

Im Dachraum der wiederum durch eine fest installierte Stiege erschlossen wird, deren Öffnung im Dachraum mit Stein eingerahmt ist, zeigt sich der bau-zeitliche Dachstuhl. Ein Ollern (Lehmboden) isoliert den Hauskasten zum Dachraum hin. Der Dachstuhl hat eine völlig unabhängige Konstruktion von dem darunter liegenden Hauskas-ten, so dass im Brandfall der Dachstuhl vom Haus gerissen werden konnte, ohne den Haus-kasten zu zerstören. Da die Geschossbalken des Obergeschosses parallel zum First verlaufen, können sie nicht als Zuganker wirken. Das Wohnhaus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen, hier für die Stadtgeschichte von Lüdenscheid, da es sich hier um die älteste Bauschicht, die wir im Stadtkern von Lüdenscheid vorfinden, handelt.

Aufgrund des hervorragenden Erhaltungszustandes lassen sich an dem Haus die Brandschutz- und Bauvorschriften, die in der Folge des Stadtbrandes von 1723 und des darauffolgenden Wiederaufbaus erlassen worden sind, sehr gut nachvollzie-hen. So sind vor allem die strikte Trennung von Hauskasten und Dachkonstruktion sehr ein-drucksvoll, denn sie belegen die ernsthaften Bemühungen beim Wiederaufbau brandsicher zu bauen. Weiterhin sind auch die Keller von großer Zeugniskraft, da sie auch die Bebau-ungszustände von vor 1723 andeuten.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da die weitgehend vollständige wandfeste Ausstattung Rückschlüsse auf das Leben in dem Haus zulassen. Zudem gibt der gute Erhaltungszustand Aufschluss über die Konstruktion und die Vorgehensweise beim Wiederaufbau nach dem Brand.