170. Lohmühlenstraße 8-10

170. Lohmühlenstraße 8-10
170. Lohmühlenstraße 8-10

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere der oben angegebenen Bauten. Zum Denkmal gehört der schmale Vorgartenstreifen. Die straßenbegleitenden Etagenwohnhäuser wurden im öffentlichen Auftrag durch den Stadtbaurat Wilhelm Finkbeiner 1922 errichtet. Die Häuser stehen leicht durch einen schmalen Vorgarten vom Straßenraum zurückgesetzt, in geschlossener Bebauung an der Strasse. Dabei sind die Traufen der Häuser, dem Stra-ßengefälle entsprechend, abgetreppt. Obwohl die Fassadengestaltung aufeinander abge-stimmt ist, hat jedes der Häuser eine dem System untergeordnete individualisierte Fassade. Alle Häuser sind dreigeschossig mit vier Fensterachsen und einem zentralen Eingang der im Erdgeschoss als fünfte Achse dazwischen gestellt ist.

Die Häuser sind mit Walmdächern geschlossen, wobei nur das oberste Hause einen voll-ständigen Walm hat. Alle anderen Häuser schließen auf der ansteigenden Seite mit ihrem Dach an den nächsten höheren Walm. So sticht das die Reihe auf der Nordostseite ab-schließende Haus noch mit zwei weiteren Eigenschaften aus der Baureihe heraus. Es hat zwei übergiebelte Gauben und einen Arkadenvorbau, der zwei Ladenlokale beherbergt. Die übrigen Häuser haben Schleppgauben.

Durch die Fassadengestaltung der einzelnen Häuser wird die lange Reihe rhythmisiert. Die beiden zentralen Bauten sind relativ schlicht gestaltet. Nur die Hauseingänge sind mit ge-quaderten Pilastern und die Fenster im ersten Obergeschoss mit schlichten Giebeln verse-hen. Die beiden rahmenden Gebäude sind durch die ornamentierten Erker hervorgehoben. Die darauf folgenden Bauten zeigen wiederum Bogenstellungen im Erdgeschoss, im 1. Obergeschoss sind wiederum nur die schlichten Fenstergiebel. Weiteres gestaltendes Mo-ment sind die Kamine die in regelmäßigem Abstand auf dem First stehen.

Die Rückfronten der Häuser sind sehr schlicht und funktional gestaltet. Ursprünglich gab es hier in jeder Wohnung eine Loggia, die wurde jedoch später aufgegeben.

Das Innere der Häuser entspricht den Fassaden. Das bedeutet, das die aufwendig gestalte-ten Haustüren im Flur und Treppenhaus ihr Pendant finden, indem dort die Wände geka-chelt, die Böden gefliest, die Windfangtür und das Treppengeländer aufwendig gestaltet und die Wohnungseingangstüren mit Oberlichtern handwerklich gut gefertigt sind, die Qualität der durchgestalteten Fassaden setzt sich im öffentlichen Teil der Häuser, also in den Trep-penhäusern fort.

Obwohl die Drei-Raum-Wohnungen keinerlei schmückende Elemente aufweisen, bestechen sie durch die großzügige Aufteilung. Es gibt eine Wohnküche mit Loggia, zwei Schlafräume, Toilette und Speisekammer. Die Loggia und die Speisekammer wurden später mit der Toilet-te zu einem Badezimmer umgebaut.

Die beiden Häuser in der Lohmühlenstraße entsprechen den oben beschriebenen Häusern. Auch sie befinden sich an einer Straße mit Gefälle, sodass der gleiche Bauplan für die Häu-ser angewendet werden konnte.

Die Gebäude sind bedeutend für die Geschichte der Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid. In den 1920er Jahren gab es in Lüdenscheid eine große Wohnungsnot der mit Bauten u.a. der öffentlichen Hand entgegen gewirkt werden sollte. 1922 gab es 1292 Wohnungssuchende. Die Stadt baute in diesem Jahr 90 Wohnungen, Bauvereine und Priva-te 70 Wohnungen. Da es viele innerstädtische Baugrundstücke gab, die zudem im Besitz der Stadt waren, wurden zunächst einmal hier gebaut. Dadurch kam es zu verschiedenen Bauvorhaben an unterschiedlichen Standorten. Während beispielsweise hier an der Kölner Straße Kleinwohnungen gebaut wurden, wurden an der Mittelstraße auf einem kleineren Baugrundstück wenige größere Wohnungen gebaut. In den Kleinwohnungen gab es zwar eine Toilette, aber kein Bad. Im Keller gab es für alle Wohnungen eines Hauses eine Waschküche. Die Wäsche konnte im Hof aufgehängt werden. Obwohl kein Bad in der Woh-nung war, kann man für diese Zeit doch schon von einem guten Standard für Kleinwohnun-gen sprechen.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche hier architekturhistorische und stadtbaugeschichtliche Gründe vor. Wilhelm Finkbeiner wurde 1919 zum Stadtbaurat von Lüdenscheid ernannt. Er hat die Stadt vor allem in den 1920 er Jahren durch seine Woh-nungsbauten geprägt. Er verfolgt einen gemäßigten Reformstil, der sich aus dem Heimat-schutzstil entwickelt hat. Schon 1926 wurde sein Werk in der Zeitschrift „Moderne Baufor-men" gewürdigt: In Lüdenscheid ist es dem Stadtbaurat Reg.-Baumeister Finkbeiner gelun-gen, mit künstlerischem Gefühl für die individuellen Gegebenheiten des Stadtgeländes und mit feinem Empfinden für die Fehler jüngst vergangenen Städtebaues nicht nur die Härten dieser verfehlten Bauweise zu mildern, sondern auch neue künstlerische Werte in diese nun einmal bestehende Anlage hineinzutragen. An dem Zug der Straße war nichts mehr zu än-dern, aber vierstöckigen Mietskasernen zu niedriger Bebauung übergeleitet wurde, das spricht von dem Geschick des Architekten in der Bewältigung der Baumassen und Anpas-sung an das Gelände.
Dieses stadtbildprägende Werk Finkbeiners kann u.a. an den Häusern an der Kölner- und Lohmühlenstraße sehr gut nachvollzogen werden.