Hotopstraße 9
Hotopstraße 9

Umfang:

Denkmalwert ist das gesamte Äußere und Innere sowie das konstruktive Fachwerkgerüst des Gebäudes. Im Äußeren die Holzverkleidung, die Säulen mit dem Säulengang, die Dachgestalt sowie die Dachhaut, die Fenster mit den Fensterverzierungen und die Türen. Im Inneren das Treppenhaus, die Umkleideräume mit der hölzernen Wandverkleidung bzw. der Holzbänke sowie die Grundrissstruktur im gesamten Gebäude.

Beschreibung:

1921 wurde zunächst der Mittelbau als Gerätehalle mit Pförtnerwohnung für den Sportplatz errichtet, der 1926 mit seitlich anschließenden Flügelbauten erweitert wurde. Diese Erweite-rung war von vorneherein in der Planung vorgesehen. Auf einem massiv gemauerten Sockel steht ein in Fachwerkbauweise errichtetes Gebäude, das im Äußeren mit Latten verkleidet ist. Der mit einem Satteldach versehene zentrale Giebelbau ist von Flügeln mit zu den Seiten abgewalmten Dächern gerahmt. Der Giebel des Mittelbaus ist durch ein Gesims abgesetzt, so dass ein geschlossenes Giebelfeld entsteht, und die Fenster sind auf der Platzseite mit geschweiften Verdachungen versehen. Ebenfalls zur Platzseite ist dem Erdgeschoss ein Säulengang vorgelagert, so dass die Sportler auch außerhalb der Räumlichkeiten einen Un-terstand haben. Auf der platzabgewandten Seite befindet sich eine weitere Eingangstür und symmetrisch angeordnete halbrunde Fenster, die die Umkleideräume belichten. Im Oberge-schoss des Mittelbaus befindet sich die Wohnung.

Im Keller unter den beiden Flügelbauten sind die Toiletten und Duschen. Die Umkleide im Kernbau ist mit Holz verkleidet, die Um-kleiden in den Anbauten haben noch bauzeitliche Bänke. Die Vorderseite, die von den Sportlern benutzt wird, weist zum Sportplatz, der von einer Baumreihe eingefasst ist. Die rückwärtige Seite führt auf ein dreieckiges Grundstück, das von zwei Straßen gerahmt wird, die ebenfalls mit Alleebäumen abgepflanzt sind. Hier scheint das Haus und die Straßen- bzw. Platzgestaltung aufeinander abgestimmt zu sein, wie es unschwer an den Bäumen erkennbar wird. Die Bäume sind ein wichtiges Gestaltungsmittel, um die verschiedenen Elemente zusammenzufassen. Obwohl das ehemalige Zentrum dieser Platzanlage – der Bismarckturm – fehlt, ist die gestaltende Hand noch deutlich zu spüren.

Das Gebäude im Jahr 1948

Begründung:

Das hier in Rede stehende Gebäude samt der oben beschriebenen Platzgestaltung ist bedeutend für die Geschichte der Menschen, hier für die Menschen in Lüdenscheid, da es zu den selten erhaltenen „Infrastrukturbauten“ von Sport- und Schwimmanlagen gehört. Diese wurden oft – letztlich wie hier auch – in schlichter Holzbauweise gebaut, und haben sich aufgrund mangelnder Bauunterhaltung oder Modernisierung nicht erhalten. Hier haben wir zum einen ein gut erhaltenes und zum anderen ein in vieler Hinsicht anspruchsvoll gestaltetes Beispiel. Gerade nach dem ersten Weltkrieg wurde die sportliche Betätigung von Jugendlichen sehr gefördert. Sport- und Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder oder wie hier Sportplätze für Ballspiele wurden von den Kommunen eingerichtet, um die Volksgesundheit zu fördern. Die „Gerätehalle mit Umkleiden und Pförtnerwohnung“ – wie sie damals genannt wurde – ist somit ein Zeugnis der gesellschaftlichen Bedürfnisse und der Lebensgewohnheiten der frühen 1920 er Jahre.

Für Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor, da das Werk des Stadtbaurates Finkbeiner, der die Stadt Lüdenscheid in den zwanziger Jahren mit großen Bauvorhaben geprägt hat, noch nicht wissenschaftlich erarbeit ist. Die „Gerätehalle“ mit ihrer gediegenen konservativ-reformerischen Architektur, die sich in ihrer Gestaltung auf den Klassizismus bezieht und Stellung gegen die Bewegung des „neuen Bauens“ bezieht, ist ein ausgesprochen typischer Bau Finkbeiners. Weiterhin liegen für die Erhaltung und Nutzung städtebauliche Gründe vor, da die oben beschriebene Platz- und Straßengestaltung ein wesentlicher Bestandteil des Denkmals ist.