166. Weißenburger Straße 3

Weißenburger Straße 3
Weißenburger Straße 3

Der Denkmalumfang bezieht sich auf das Äußere und Innere der Villa (mit wandfester Ausstattung) ausgenommen sind die Kunststofffenster. Zum Denkmal gehören die Blutbuchen, die entlang der Einfriedung zur Weißenburger Straße stehen. Die Einfriedung ist nicht Teil des Denkmals.Etwas in die Tiefe des Grundstücks zurückgesetzt steht auf hohem Kellersockel die zweigeschossige Villa unter Walmdach mit nach hinten herausgezogenem Satteldach, das den rückwärtigen Risalit übergiebelt. Der nach vorne weisende kleine Giebel ist wohl eine spätere Hinzufügung. Über dem mit Rustika verzierten Kellergeschoss erheben sich die schlicht geputzten EG und OG, die jedoch an den Ecken und in der Mitte mit rustizierten Lisenen verziert sind.

Ein aufwändiges Traufgesims mit Bandelwerk und kleinen Gehängen an den Lisenen, die hier die Aufgabe eines Kapitels übernehmen, und flach stuckierten Fenstereinfassungen gestalten und gliedern die Wände im Stil des späten Barocks mit Elementen des Jugendstils.Die Straßenfront ist dreiachsig, wobei sich die Fenster gleichmäßig über die in zwei Hälften geteilte Fassade verteilen, indem die beiden linken Fenster gekoppelt sind. Rechts am Haus (Ostseite) befindet sich, von der Straße um die Breite der Ecklisene zurückgesetzt ein Erker im EG und darüber eine Loggia (mittlerweile mit Fenstern geschlossen). Die Westseite ist fensterlos und nur mit Lisenen gegliedert, wohingegen die Nordseite, die zum Garten und der ehemaligen Fabrik weist, zwar mit denselben Elementen gestaltet wurde, die jedoch in zurückgenommener Form benutzt wurden.

Sowohl der Haupteingang als auch der Personaleingang liegen auf der Ostseite des Hauses. Die Treppe zum Haupteingang ist auf die Straße ausgerichtet, während die zum Personaleingang nach hinten weist.Im Innern betritt man das Haus über einen Windfang. Rechts befindet sich ein schmaler Flur, an dessen Ende eine Toilette ist, links ist der Zugang zum Wintergarten. Vom Windfang betritt man das große Treppenhaus, von dem alle Zimmer erschlossen werden. Sowohl im Treppenhaus als auch im Windfang findet sich Farbverglasung, die jedoch in die Kunststoffverglasung integriert wurde. Die zwei Wohnzimmer sind durch eine große Schiebetür verbunden. Einige der Türen samt Laibungen sowie Teile der Wandpaneele sind auf grobe Weise entfernt worden. Ein großer Kaminzug befindet sich inmitten der Küche und führt im OG am ehemaligen Bad vorbei. Sowohl im Keller als auch auf dem Dach waren weitere Wohnräume, die vom Personal benutzt wurden. Die Gaube, die zur Straßenfront ausgebaut wurde, ist wohl später hinzugefügt worden.Im Drempelbereich sind die Pfetten und Sparrenauflagen sehr stark beschädigt. Weiterhin scheinen mehrere Balkenköpfe der Decke zwischen OG und DG beschädigt zu sein.

Allerdings sind im OG keine aufwändigen Stuckdecken, so dass ein Austausch ohne größeren Substanzverlust durchgeführt werden könnte. An der Einfriedung stehen mehrere (vier) Blutbuchen, die um 1906 gepflanzt sein dürften, sie begrenzen das Grundstück zum Straßenraum.Die Villa ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid, da es sich um eine typische Unternehmervilla in diesem Ort handelt. Aufgrund der guten Überlieferung der historischen Substanz lässt sich Leben und Arbeit der Familie Th. O. Paulmanns noch nachvollziehen. Direkt hinter der Villa und einem kleinen Garten begann die Fabrik, die typisch für Lüdenscheid mitten im nahezu gleichzeitig entstehenden Wohngebiet lag.Die Fabrikanten bauten ihre Villen gerne neben oder in der Nähe ihrer Fabriken und damit in die Nachbarschaft der von ihren Arbeitern bewohnten Mietshäuser.“ (Günther Deitenbeck, Geschichte der Stadt Lüdenscheid 1813 - 1914, Lüdenscheid 1985, S.220)Die Firma Paulmann & Crone, die Metallkurzwaren und Schmucksachen herstellte, gehörte 1910 mit 170 Arbeitern zu den Großbetrieben in Lüdenscheid.

Auch die Produkte, die sie herstellte, waren typisch für Lüdenscheid.Das Innere der Villa zeigt heute noch mit dem repräsentativen Treppenhaus und dem großzügigen Zuschnitt der Räume den Wohnstil der Bewohner. Die Trennung zwischen Wirtschaftsräumen mit Personaleingang und herrschaftlichen“ Räumen ist trotz der Schädigung großer Teile der wandfesten Ausstattung noch gut nachvollziehbar.Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor. Das Haus mit den Buchen entlang der Einfriedung zur Weißenburger Straße und dem weitgehend freien Gelände um das Gebäude fügt sich einerseits in die umliegenden Villenbebauung ein und ist andererseits in unmittelbarer Umgebung zur Fabrik. Beides ist für Lüdenscheid typisch und an diesem Gebäude noch sehr gut nachvollziehbar.