163. Jockuschstraße 16 / Paulinenstraße 5

Jockuschstraße 16 / Paulinenstraße 5
Jockuschstraße 16 / Paulinenstraße 5

Der Denkmalumfang bezieht sich auf das Innere und Äußere des Gebäudes. Im Außenbereich schließt er die Freitreppe am Eingang und die Haustüre mit ein. Im Inneren die wandfeste bauzeitliche Ausstattung wie Türen, Fußbodenfliesen, Stuckdecken und die Treppenanlage. Zum Denkmalumfang gehören die 1905 durchgeführten Änderungen an der Rückfront (Einbruch einer neuen Fensteröffnung im Küchenbereich des 1. OG) und die 1928 errichtet Garage. >Das 1886 von dem Bauunternehmer Krause errichtete Etagenwohnhaus steht auf der Ecke Jockuschstraße / Paulinenstraße.

Auf hohem Kellersockel erheben sich 2 Geschosse und ein Drempel, die von einem flachen aber weit überstehenden Dach gedeckt sind. Die beiden zur Straße weisenden Fassaden sind aufwändig mit Bauzier und anderem aufgewertet, so dass eine deutliche Gliederung entsteht. Die seitliche und die rückwärtige (zum Garten weisende) Fassaden sind sehr reduziert gestaltet, ohne jegliche gliedernde Bauornamentik.Das hohe Erdgeschoss ist durch eine zweiläufige Treppe an der Jockuschstraße erschlossen. An der Paulinenstraße befindet sich eine von Säulen umstellte Loggia, deren Dach im Obergeschoss als Terrasse genutzt wird. Eine Bandrustika verziert das gesamte Erdgeschoss. Etwas abgesetzt verläuft ein Gesims, das die Geschosse teilt. Das Obergeschoss ist glatt geputzt, wodurch die aufwändigen Fensterrahmungen und Fensterverdachungen noch besser zur Geltung kommen.

Obwohl unterschiedlich viele Fensteröffnungen existieren, wird auf beiden Fassaden eine Dreiachsigkeit hergestellt, indem das Mittelfenster zur Jockuschstraße durch zwei Nischen gerahmt wird und zur Paulinenstraße immer zwei Fenster gekoppelt und unter einem zusammenfassenden Giebel gestellt werden. Die abgeschrägte Ecke des Hauses wird im Obergeschoss und Dachgeschoss mit einem weit vorragenden Erker hervorgehoben. Über einem weiteren Geschossgesims schließt der als Attika gestaltete Drempel an. Wandvorlagen dienen den Balkenköpfen als Konsolen und sind zugleich ein die Wand gliederndes Gestaltungselement.Die zwei Wohnungen im Haus werden durch ein großzügiges Treppenhaus erschlossen. Wohnungstüren, die mit geätzten Scheiben versehen sind, schließen die Wohnbereiche vom öffentlichen Treppenhaus ab. Neben den Wohnungstüren gab es noch einen zweiten Eingang, der direkt in die Küche und die Vorratskammer führte, hier war der Eingang für das Personal.In den im Grundriss sich entsprechenden Wohnungen ordneten sich die Räume um eine mit aufwändigem Stuck versehene Diele. Die Küche befand sich neben dem Treppenhaus und war auf diese Weise – wie beschrieben – zu erreichen ohne den Wohnbereich zu betreten.

Die Toiletten befanden sich auf den Halbstockwerken im Treppenhaus. Im Drempel befinden sich die Wohnräume des Personals und Trockenboden.Das hier beschriebene Etagenwohnhaus ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte der Stadt Lüdenscheid, da es das gehobene bürgerliche Wohnen im innenstadtnahen Gebiet sehr gut dokumentiert. Das Haus gibt sich nach außen – zur Stadt hin – sehr repräsentativ, aber auch innen zeugen Räumlichkeiten und Ausstattung von bürgerlichem Wohnen. Die Infrastruktur für das Personal ist auch noch sehr deutlich ablesbar, so dass auch hier ein Hinweis auf die Lebensweise der Hausbewohner gegeben ist.Für die Erhaltung und Nutzung liegen städtebauliche Gründe vor. Das Haus ist nur ein Jahr nach Fertigstellung der gegenüberliegenden St. Joseph und Medardus Kirche gebaut worden.

Mit dem Haus entstand so ein Auftakt zu einem Villenviertel, das südlich der Kirche im Entstehen begriffen war. Um die Wirkung voll auszuschöpfen, nutzte der Erbauer die Ecklage, die es ermöglichte zwei Fassaden zu gestalten. Die opulenten Fassaden weisen zudem zur Altstadt hin und wollen auch hier auf ein neues, bürgerliches Wohnviertel hinweisen.Weiterhin liegen für die Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche, hier kunsthistorische Gründe vor, da die gut erhaltene Bauornamentik und die wandfeste Innenausstattung gute Beispiele für die baukünstlerische Ausstattung eines gründerzeitlichen Hauses sind.