Parkstraße 58 / 60
Parkstraße 58 / 60

Der Denkmalumfang bezieht sich auf das gesamte Doppelhaus – also die Häuser Parkstraße 58 und Parkstraße 60 – in ihrem Äußeren und Inneren. Weiterhin ist die straßenseitige Einfriedigung denkmalwert. Auf der Bergseite der Parkstraße steht das Doppelwohnhaus Parkstraße 58 und 60, das 1912 von dem Architekten Robert Lamm aus Hagen für die Bauherrn Strack und Drexhage - beide Lehrer - errichtet wurde. Leicht ins Grundstück zurückgesetzt, etwas erhöht über der Straße steht das spiegelsymmetrisch angelegte Doppelhaus.

Über einem hohen, aus Bruchstein gemauerten Kellergeschoss erhebt sich ein zweigeschossiges Haus unter einem Walmdach mit Aufschieblingen. Die vier inneren Fensterachsen, die mit Klappläden ausgestattet sind, werden links und rechts durch dreiseitige Erker gerahmt, die im OG in Balkonen enden. Schon 12 Jahre nach der Errichtung des Hauses wurden die Balkone verglast und als Wintergärten genutzt. Das OG ist mit Tonschindeln behangen, so dass von weitem der Eindruck eines Mansarddaches entsteht. Zudem werden jeweils zwei Fensterachsen durch die abgewalmten Gauben im Dach zusammengefasst. In der Mitte des Daches befindet sich ein mächtiger Kaminzug.

Insgesamt bildet die straßenseitige Ansicht eine symmetrische, villenartig anmutende Ansicht. Da die Hauseingänge seitliche sind entsteht der Eindruck einer zusammenhängenden, großen Villa. Auf der Gartenseite sind die beiden Doppelhaushälften leicht unterschiedlich gestaltet. Diese Unterschiede ergeben sich aus leichten Abweichungen in der Grundrissgestaltung beider Haushälften. Vor allem ist die Treppe ins OG unterschiedlich angeordnet, wodurch sich auch der Zuschnitt der Dielen etwas unterscheidet. Insgesamt jedoch stimmen die Grundrisse beider Haushälften weitgehend überein. Nach vorne zur Straße bzw. zur Hangseite sind die Wohn- und Esszimmer, nach hinten zum Garten befinden sich die Diele und die Küche, oben sind Schlaf- und Kinderzimmer. Vor allem die Diele im Haus Parkstraße 58 hat mit eichenen Wandpaneel, schöner Eichentreppe mit geschnitztem Geländerpfosten, einem kleinen Erker, dessen Fenster den Raum belichten und einer Kassettendecke große Aufenthaltsqualität. Eine in die Wandpaneel eingefügte Standuhr gehört zum Inventar (nur der Uhrenkasten ist original). In den Wohn- und Speisezimmern ziert ein fein abgestufter, sehr geometrisch angelegter Stuck die Decken.

Das Doppelhaus ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Menschen in Lüdenscheid, da es aufgrund des sehr guten Erhaltungszustandes das Wohnen der gebildeten Bürgerschicht im späten Kaiserreich verdeutlicht. Nicht die aufwändigen Stuckmotive der Gründerzeit stehen im Mittelpunkt, sondern es zeigt sich allenthalben eine vornehme Zurückhaltung in der Formensprache, so dass weniger die Repräsentation als das gediegene Wohnen in den Vordergrund rückte. Dort wo Stuck vorzufinden ist wie im Wohnzimmer, ist er geometrisch reduziert und bekommt eine geradezu klassizistische Eleganz. Hier, wie auch in der Diele und im Treppenhaus, wo gute Handwerksarbeit im Mittelpunkt steht, wird deutlich, dass sich ein neuer bürgerlicher Geschmack durchsetzt, der sich gegen den Historismus wendet.

Es wirkt wie eine Rezeption des von Paul Mebes 1908 veröffentlichten Buch ,,Um 1800'', in dem eindringlich zur Rückbesinnung zu dem Baugeist jener Epoche aufgefordert wird. Das Werk kam dem allgemeinen Zeitgeist derart entgegen, dass der Titel zur Kennzeichnung einer neuen Architekturströmung aufgegriffen wurde. Diese auch als Neoklassizismus oder Heimatstil bezeichnete Reformbewegung erfreute sich großer Beliebtheit. Es waren vor allem auch die Schriften des Architekten und Publizisten Paul Schultze - Naumburg, die zur Popularität dieses Stiles führten. Erker, die von außen die gerade Fassade auflockern und im Inneren ,,gemütliche'' Aufenthaltsorte bilden, werden zum Bestandteil dieser Architektur. Das zeigt auch ein weiteres Haus des Architekten Lamm in Lüdenscheid (Gewerkschaftshaus, Rathausplatz 21).Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe vor, da das Doppelhaus im Äußeren und Inneren ein gut erhaltenes Beispiel des Reform- oder Heimatstils bildet. Abgesehen von der Dachform, dem Wandbehang sind es auch die Fenstergestelle im OG und die Klappläden, die typisch für diesen Stil sind.