187. Obertinsberger Straße 16 (Tinsberger Schule)

 

Denkmalumfang:

Das Denkmal umfasst das Innere und Äußere des Schulgebäudes von 1901. Nicht zum Denkmal gehört der Anbau Erweiterungsbau von 1953, der jedoch aufgrund seiner teilweise beachtlichen Ausstattung (Eingangsgestaltung, Aula) als erhaltenswerte Bausubstanz im Sinne des § 25 Absatz 2 Satz 2 DSchG NRW eingestuft wird.

Beschreibung:

Das starke Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert führte dazu, dass auch die Städte wuchsen. Mit den neuen Stadteilen entstand auch eine entsprechende Infrastruktur. Die achtklassige evangelische Volksschule wurde 1901 in der im Entstehen begriffenen nordöst-lich der Kernstadt gelegenen Stadterweiterung errichtet. Die Schülerzahlen sind enorm gewachsen.

Mit dem Gesetz von 1891, das die Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern in Fabriken verbot, wurde der Bedarf an Schulen noch größer. Bis dahin konnten Kinder, die tagsüber in Fabriken arbeiten mussten, um zum Familieneinkommen beizutragen, abends in die Fabrikschulen gehen, wo ihnen die allernötigsten Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht werden sollten. So entstanden zwischen 1884 und 1913 mehrere Volksschulen, durch die das Defizit beho-ben werden sollte. Eine davon war die 1901 erbaute Tinsberger Schule. Hierbei handelt es sich um einen dreigeschossigen, dreiachsigen, giebelständigen Kernbau, an den auf der südwestlichen Seite ein ebenfalls dreigeschossiger, dreiachsiger, traufständiger Flügelbau anschließt.

Der Bau ist so gestaltet, dass auf der nordöstlichen Seite ein entsprechender Flügelbau hätte hinzugefügt werden können, was jedoch nie geschehen ist. Über einem Bruchsteinsockel, der das hohe Kellergeschoss birgt, erhebt sich der dreige-schossige Putzbau. Der über eine Freitreppe zu erreichende Eingang ist durch einen Risalit hervorgehoben, der sich wiederum zentral in der Mittelachse befindet. Der Flügel ist leicht zurückgesetzt, sodass mit dem Bau des zweiten Flügels, der Mittelbau entsprechend risalitartig vorgekragt hätte.

Der Mittelbau wird von einem Zierfachwerkgiebel bekrönt. Der Dachüberstand mit vorkragendem Krüppelwalm ist bei einer Dachsanierung abgenommen worden, sodass das Dach heute unmittelbar über der Giebelmauer endet. Die Segmentbogenfenster haben heute ihre alte, farblich abgesetzte Einrahmung wieder, auch die Gesimse und Brüstungen sind, wie es auf älteren Fotos zu erkennen ist, wieder farblich abgesetzt. Die Fenster sind erneuert, aber der ursprünglichen Aufteilung nachempfunden.

Der Eingangsbereich hat die alte Wandgliederung, das Treppenhaus ist mit Fliesenboden, Treppe und Geländer auch noch weitgehend im historischen Zustand. Auch die Klassen-räume sind noch in der alten Größe erhalten, wenn auch die Oberflächen sämtlich erneuert worden sind. Der Dachausbau zu weiteren Klassenräumen ist später geschehen, hier waren zunächst einmal wohl eine Wohnung, später (1932) zwei Wohnungen, offensichtlich für Leh-rer und Hausmeister.

Begründung:

Die Tinsberger Schule in dem hier beschriebenen Umfang ist bedeutend für die Siedlungs-geschichte von Lüdenscheid, da sie das Wachsen der Stadt um 1900 auf sehr gute Weise belegt. Sie bildet heute noch einen zentralen Teil des Viertels. Die Schule ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Menschen in Lüden-scheid, da sie ein wichtiger Beleg für den Volksschulenbau um die Jahrhundertwende bildet. Die großen Klassenräume waren für die hohen Schülerzahlen nötig.

In einer Klasse waren um die 60 Kinder. Es zeigt das Bemühen der Stadt, die oben beschriebene politische Ent-wicklung zu meistern und allen Kindern eine schulische Grundausbildung zu gewähren. Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor, da der Schulbau eindringlich zeigt, wie üblicherweise Schulen gebaut wurden. Die schlichte, aber solide Ausführung ist dafür ebenso beispielhaft wie die oben beschriebene erweiterbare Grunddisposition.