186. Platehofstraße 9 (Vorderstes Ohler Gut)

 

Denkmalumfang

Das Denkmal umfasst das gesamte Äußere und Innere des o.g. Gebäudes. Weiterhin gehören das Gartenhäuschen, die Terrassierungsmauern, die Stützmauern sowie der Plattenbelag im Eingangsbereich zum Denkmalumfang. Nicht zum Denkmalumfang gehört der Gartenpavillon von 1863, da er bei dem Sturm „Kyrill“ zerstört worden ist.

Beschreibung

Das 1813/15 von der Familie Brüninghaus errichtete Gebäude (Inschrift über der linken Kellertür: Maria Sibilla Brüninghaus, 1813) kam über Erbfolge an die Familien Selve (1868), Hohage (1897) bis es 1912 von Peter Robert und Paul Plate gekauft wurde. Es wurde auch „Vorderstes Ohler Gut“ genannt und es grenzte unmittelbar an den ältesten Plate'schen Besitz („Hinterstes Ohler Gut“).

Über einem nahezu quadratischem Grundriss erhebt sich das zweigeschossige, aus Bruchstein gemauerte Haus. Zwei parallel, quer zur „Längsachse“ liegende, Gewölbekeller sind in den Hang gebaut und gleichen das abfallende Gelände aus. Die flachen Gewölbe sind zwischen weitgespannte Bruchsteinbögen gesetzt, sodass sehr große Wirtschaftsräume entstehen, die durch zwei kleine Tore mit rundbogigem Oberlicht auf der Talseite erschlossen sind.

Hier finden sich im Sturz die Entstehungsdaten 1813/1815. In Sandstein eingefasste und mit Schmiedeeisen vergitterte Segmentbogenfenster belichten den Keller. Darüber erheben sich die 2 Geschosse, die mit einem sehr flachen, an den Giebelseiten jedoch sehr steilen Dachflächen abschließen, sodass sie fast wie die Giebeldreiecke eines Satteldaches wirken. Über der Traufe auf der südlichen Giebelseite öffnet sich eine über drei Fensterachsen spannende Fledermausgaube. Während die „Giebelseiten“ heute noch mit Schiefer gedeckt sind, sind die beiden anderen Dachflächen mit roten Dachpfannen gedeckt. (Auch das trägt zu der oben beschriebenen Wirkung des Daches bei.)

Während auf der Süd- und der Nordseite fünf Fensterachsen angeordnet sind und sich dadurch eine Mittelachse herausbildet, die im Erdgeschoß auf beiden Seiten das Eingang-sportal aufnimmt, sind auf den beiden anderen Seiten nur vier, weiter auseinandergezogene Fensterachsen. Die Fenster im Erdgeschoß sind höher als die im Obergeschoß. Die Fenster des Obergeschosses reichen bis an das gestufte Traufgesims, das zum Dach überleitet. Die Fenster sind mit Sandstein eingefasst. Fensterbank und Gebälk kragen leicht vor und sind etwas breiter, während die aufrechten Rahmenschenkel mit angedeuteten Kapitellen als Stützen, die das Gebälk tragen, ausgebildet wurden. Aus dieser Grundform wurde auch das Portal auf der Südseite gestaltet, indem das Portal mit schmalen Seitenfenstern durch einen entsprechenden durchgehenden Sturz zusam-mengefasst wurde.

Die doppelflügelige Tür wurde wiederum von Zweidrittelsäulen eingefasst und über dem Sturz durch ein segmentbogiges Oberlicht herausgehoben, dessen Form im Giebel durch die große weitbogige Fledermausgaube wieder aufgenommen wird. Die Tür auf der Nordseite ist schlichter, hier tragen zwei in die Laibung eingestellte Säulen den geraden Sturz. Die Tür selbst ist durch eine moderne Glastür ersetzt. Auf dieser Seite wurden seit 1921 – Errichtung des Turmes – einige Veränderungen vorgenommen. Das Innere des Hauses wird auch heute noch, obwohl einschneidende Veränderungen vor-genommen worden sind (Herausnahme der großen Haustreppe), durch den Mittelängsflur bestimmt, der das gesamte Haus in beiden Geschossen erschließt. Insgesamt wird die Hausgeschichte durch Besitzerwechsel bestimmt, die auch immer wieder zu einschneiden-den Umbauten geführt haben. Nach dem Erwerb des Hauses durch Peter Robert und Paul Plate 1912 wurde das Gebäude 1921 stark umgebaut.

In diesem Zusammenhang entstand der Turm und wohl auch die Einfriedungsmauer samt Gartenhäuschen im Südwesten des Hauses. Mit dem Turmbau scheint die Küche in den Turm verlegt worden zu sein und die ehemalige Küche wurde zum Esszimmer. Zuletzt 1974 wurde das Haus von einem „Einfamilienhaus“ in ein Etagenwohnhaus umge-baut, wobei der Hauseingang und die Treppe, die bis in das Dachgeschoss führt, in den nordwestlichen Raum gelegt wurde, der vorher als Garderobenraum genutzt wurde und vermutlich schon bei einem der früheren Umbauten von dem größeren Raum abgetrennt worden war. Weiterhin wurde 1974 in beiden Etagen ein Teil des nordöstlichen Raumes abgetrennt, um Badezimmer einzurichten. Die ursprüngliche Eingangsdiele, die früher mit Sandstein belegt war (die Platten liegen heute im Garten, heutiger Eingangsbereich), ist ein schmaler langer Raum, der zu den anliegenden Räumen rechts und links führt und von dem hinteren Dielenteil, wo sich die Treppe ins Obergeschoß und darunter die Treppe in den Keller (sie ist im Keller noch vorhanden) befand, abgeteilt ist. Eine Tür verbindet die beiden Dielenräume.

Im südlichen Teil des Hau-ses befinden sich die Bibliothek und gegenüber das Wohnzimmer, wobei die Bibliothek ver-mutlich erst später eingebaut wurde (evtl. erst nach 1912). Die Räume im nördlichen Teil des Haus sind im Zusammenhang mit den Umbauten verändert worden. Hier wurden auf beiden Etagen Badezimmer eingebaut. Des Weiteren wurde im OG die Treppe ins DG verlegt. Bei der Neuanlage wurde das Treppengeländer der ehemaligen Haupttreppe zwischen Erdgeschoß und Obergeschoß wiederverwendet. Es handelt sich um sehr feingliedrige Stäbe mit einem überaus qualitätvoll durchgearbeiteten Handlauf und Treppenpfosten.

Versetzt wurde auch die zweiflügelige Tür zum Wohnzimmer, die früher die beiden östlichen Räume im Erdgeschoß verband. Der Eckschrank im „Dielenraum“ des Obergeschoß steht noch an der ursprünglichen Stelle, während sein Pendant nun ein Stockwerk tiefer steht. Ansonsten sind im Haus die Türen, Wandpaneel, die Innenklappläden an den Fenstern wohl bauzeitlich, die Eichenfenster sind historisch, sie könnten Ende des 19. Jahrhunderts mal ausgetauscht worden sein.

Im Keller ist noch ein Backofen, nach dem Umbau 1921 wurde 1922 ein Weinkeller eingerichtet. Im bauzeitlichen Dachstuhl sind Kammern für Personal eingebaut gewesen, durch den veränderten Zugang ist der nördliche Teil des Daches auch ausgebaut worden. Die Einfriedungsmauern aus Grauwacke sind wohl mit dem Umbau 1921 entstanden. Sie grenzen das Haus und Grundstück von der Straße ab, die ja später als das Haus gebaut wurde. Das Gartenpavillon steht zwar unmittelbar an der Mauerecke ist aber wohl älter, da es schon auf einem Plan von 1912 eingezeichnet ist. Auch die Terrassierungs- und Garten-mauern gehören offensichtlich in diese Bauphase.

Begründung

Das Haus Platehofstraße 9 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid-Brüninghausen. Es ist von der dem Ort namengebenden Familie errichtet worden.

Es wurde von der den Ort bis heute prägenden Familie Plate über-nommen, die sowohl den Hammer als auch die Ländereien der Familie Brüninghaus über-nahm und weiterführte. Zunächst (im 19. Jahrhundert) handelte sich wohl um ein Unternehmerhaus. Die großen Keller boten Platz für die in einem solchen Haus übliche große Hauswirtschaft mit beispiels-weise Backofen. Es wurde von der Familie Brüninghaus auch Landwirtschaft betrieben, wo-bei die Stallungen und Scheunen außerhalb des Gebäudes lagen. Im Erdgeschoss war wohl westlich der Eingangsdiele das Kontor oder Arbeitszimmer, wo sich heute die Bibliothek be-findet.

Östlich befand sich ein evtl. „öffentlicherer“ Teil des Wohnzimmers, der durch eine Doppeltür vom nördlichen Teil des Wohnzimmers abgeteilt war. Im nördlichen Teil des Hauses – in der Verlängerung der Halle befand sich mitten im Raum die einläufige Treppe nach oben. Aufgrund der Lage der Kellertreppe steht auch fest, dass die Lage und Steigrichtung der Treppe bis zu ihrem Ausbau nicht geändert wurde. Das be-deutet jedoch, dass sie nicht von der Eingangshalle genutzt wurde, sondern vom „privaten“ Wohnbereich im Norden des Hauses. Es bestand folglich eine Trennung zwischen eher öf-fentlichem und eher privaten Bereich des Hauses.

Mit dem Umbau 1921 wollte man der vornehm zurückhaltenden, klassizistischen Architektur des Unternehmerhauses ein adliges Gepräge geben, indem man einen Turm mit „Welscher Haube“, Remisen und Stallungen im Reformstil anbaute. Beispielsweise Haus Hemer oder eben andere Herrenhäuser könnten hier Pate gestanden haben. In dem Zusammenhang könnte auch die Bibliothek eingebaut worden sein, denn die Büros befanden sich nun nicht mehr im Privathaus.

Das Haus wurde Rückzugsort und war im eigentlichen Sinn nicht mehr Teil der Firma. Für Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor. Der Bau von 1813/15 ist im klassizistischen Stil errichtet und die beschriebenen Bau-formen und Proportionen sind Ausdruck dieser Epoche. Der 1921 hinzugefügte Turm ist ein typisches Element des Reformstils, der sich u.a. dadurch auszeichnet, dass häufig Elemente aus der Barockzeit verwendet werden. Er dient im Inneren als sinnvolle Ergänzung des Raumprogramms (Küche und Übergang zu den Wirtschaftsgebäuden) und im Äußeren als Bedeutungsträger (das Gebäude gibt vor älter und Adelshaus zu sein).

Das Gebäude Platehofstraße 9 steht in Privatbesitz und wurde am 05.05.2017 unter der lfd. Nr. 186 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.