Oberbürgermeister

Bild Erwin Welke
Erwin Welke
Stadtarchiv, Bildsammlung

Als Dank und Anerkennung für seine hervorragenden und bleibenden Verdienste um die Stadt Lüdenscheid und weit über ihre engeren Grenzen hinaus verlieh der Rat der Stadt Lüdenscheid Erwin Welke am 22.12.1971 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Lüdenscheid.

Am 09.01.1910 in Dortmund geboren, trat er 1923 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1928 wurde er Mitglied der SPD und ein Jahr später Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Er wurde 1933 zum ersten Mal und 1935 zum zweiten Mal verhaftet, wegen Hochverrats zu fünf Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt, bevor die Gestapo ihn 1940 in Schutzhaft nahm. Nach der Einberufung 1942 zur "Bewährungseinheit 999" geriet er im darauffolgenden Jahr in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser in seine Heimat zurückgekehrt, engagierte sich Erwin Welke in Lüdenscheid von 1946 an sofort für den Aufbau des neuen Staates und übernahm auf den verschiedensten Ebenen politische Ämter. Und genau dieses ihm eigene Engagement war der entscheidende Anstoß für den Lüdenscheider Rat, Welke die höchste Auszeichnung der Stadt Lüdenscheid zu verleihen.

Es ist, so der damalige Bürgermeister Dr. Walter Hostert in seiner Laudatio im Jahre 1971 "die Intensität seines politischen Lebens", es ist "das bis in den Kern seiner Persönlichkeit gehende Engagement", es ist "letztlich das Wie seines politischen Handelns gewesen, warum ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Lüdenscheid verliehen wurde". Seit dem 22.03.1946 bis zur Niederlegung seines Mandats am 22.12.1971 gehörte Welke ununterbrochen dem Lüdenscheider Rat an. Darüber hinaus war er vier Jahre, von 1947 bis 1951, Mitglied im ersten gewählten nordrhein-westfälischen Landtag. Zwanzig Jahre lang, von 1949 bis 1969, engagierte er sich zudem als Mitglied des Bundestages. 1964 wurde er erstmalig vom Rat der Stadt Lüdenscheid zum Oberbürgermeister gewählt. In seiner siebenjährigen Amtszeit bis 1971 wurden unzählige richtungsweisende Entscheidungen für Lüdenscheid im Bereich der Bildung, des Städtebaus, Verkehrs und Sports getroffen, deren Aufzählung fast unmöglich erscheint.

Er galt vielen als "großer alter Mann der Kommunalpolitik in Lüdenscheid" (Jürgen Dietrich, 1971) und seine Art, das vorzuleben, was Demokratie ist, hatte insbesondere für die nachfolgende politische Generation Vorbildcharakter. Er habe, so Dietrich, beeindruckend vorgelebt, dass der Mensch, der Bürger dieser Stadt entscheidend für das Wirken der Kommunalpolitik sei. Für ihn handele die Kommunalpolitik und für ihn versuche sie, die besten Entscheidungen durch einen Ausgleich der Interessen zu treffen. Dieser Ausgleich der Interessen bedinge den Kompromiss. So habe sich Erwin Welke, wie bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes ebenfalls ausgeführt wurde, vom "politischen Kämpfer" zu einem "erfahrenen, gütigen und letztlich weisen Stadtvater" entwickelt, der "seine Aufgabe nicht mehr vornehmlich im politischen Kampf, sondern hauptsächlich in der konstruktiven Integration aller demokratischen politischen Kräfte zum Wohle seiner Heimatstadt sah".

Erwin Welke verstarb am 28.05.1989 in Lüdenscheid.

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