Bestätigter Zeitplan und Sprengvorbereitungen

A45-Spitzengespräch: Lkw-Durchfahrtsverbot wohl ab 10. Juni

Fassten die Ergebnisse des "A45-Spitzengesprächs" zusammen: (von links) Dirk Stiepert und Susanne Schlenga von der Autobahn GmbH und Bürgermeister Sebastian Wagemeyer.
Fassten die Ergebnisse des "A45-Spitzengesprächs" zusammen: (von links) Dirk Stiepert und Susanne Schlenga von der Autobahn GmbH und Bürgermeister Sebastian Wagemeyer. Foto: Sven Prillwitz

Der Auftrag für den Neubau der Talbrücke Rahmede soll im Herbst dieses Jahres vergeben werden. Bis Ende 2026 soll das neue Bauwerk dann stehen. Das hat Dirk Stiepert von der Autobahn GmbH bekräftigt. Bei der Pressekonferenz nach dem "A45-Spitzengespräch" am Dienstag, 21. März, standen darüber hinaus die Vorbereitungen für die Sprengung der Brücke, die Einführung eines Lkw-Durchfahrtsverbots und die Lärmschutzmaßnahmen entlang der Bedarfsumleitung im Mittelpunkt.

Sowohl die Planung als auch der Neubau der Brücke sollen von einem einzigen Unternehmen übernommen werden. Weil damit zwei Verfahren in einer Hand liegen, spricht die Autobahn GmbH von einer "funktionalen Ausschreibung". Das ist ein Faktor, der beim Neubau für Tempo sorgen soll. Ein weiterer: Neben dem Konzept und den Gesamtkosten dafür soll auch der schnellstmögliche Fertigstellungstermin ein zentrales Kriterium für die Vergabe des Großprojekts sein.

Dirk Stiepert von der Autobahn GmbH sprach von einem "Wettbewerb der Innovationen", den sich drei Unternehmen aktuell liefern. Im Herbst dieses Jahres soll dann entschieden werden, wer die neue Talbrücke baut. Die soll wie angekündigt Ende 2026 stehen, so Stiepert.

Wagemeyer warnt vor "Brücken-Tourismus"

Zunächst einmal muss aber die seit dem 2. Dezember 2021 gesperrte Brücke verschwinden. Die Vorbereitungen für die Sprengung am 7. Mai laufen laut Stiepert auf Hochtouren. Er verwies unter anderem auf die See-Container, die kürzlich zum Schutz von unmittelbar unter und neben der Brücke befindlichen Gebäuden aufgestellt worden waren, sowie auf das Anbringen von Stahlkorsetten, die einen kontrollierten Einsturz der Pfeiler gewährleisten sollen.

Die Brückenpfeiler sind in den vergangenen Tagen mit Stahlkorsetten versehen worden.
Die Brückenpfeiler sind in den vergangenen Tagen mit Stahlkorsetten versehen worden. Foto: Sven Prillwitz

Die Stadt Lüdenscheid stellt sich mit Blick auf die Brückensprengung auf ein Großereignis ein - und das im doppelten Sinne. Zum einen müssten im Vorfeld und am 7. Mai selbst in Zusammenarbeit mit Sprengfirma, Autobahn GmbH, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei und Feuerwehr umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, sagte Bürgermeister Sebastian Wagemeyer. Aus diesem Grund komme der "Stab für Außergewöhnliche Ereignisse" (SAE) ab sofort regelmäßig zusammen. Angesichts des unübersichtlichen Areals und der "großen Gefahren" bei und nach der Sprengung formulierte der Bürgermeister den eindringlichen Appell, auf einen "Brücken-Tourismus" - und damit auf unkontrollierbare Zuschauermassen - zu verzichten.

Public Viewing im Rosengarten

Da es sich um ein "besonders wichtiges Ereignis für uns alle" handle und der Event-Charakter verständlich sei, wird im Rosengarten eine Großbildleinwand aufgebaut. Darauf soll die Live-Übertragung der Sprengung zu sehen sein, die der WDR zeigt, kündigte Wagemeyer an.  

Das Public Viewing fällt unter anderem mit dem Streetfood-Festival und der Autoschau in der Innenstadt zusammen. Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing selbst werde die Sprengung an diesem Tag live in Lüdenscheid verfolgen, kündigte Wagemeyer an.

"Finale Abstimmungen" für Lkw-Durchfahrtsverbot

Bis zum 10. Juni sollen die Trümmer der Brücke und auch das aus Erde und Schotter bestehende Fallbett verschwunden sein - zumindest so weit, dass die Vollsperrung der Altenaer Straße wieder aufgehoben werden kann. So sieht es der Zeitplan der Autobahn GmbH vor, an den die Stadt Lüdenscheid anknüpfen möchte -  mit der Durchsetzung eines Verbots für den reinen Lkw-Durchgangsverkehr.

Vorher mache eine solche Regelung auch mit Blick auf die Auswirkungen der Vollsperrung der Altenaer Straße keinen Sinn, so der Bürgermeister. Die Stadtverwaltung werde die Zeit bis Mitte Juni für "finale Abstimmungen" mit allen Beteiligten nutzen, darunter die Polizei. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Wagemeyer.

Noch rollt der Verkehr auf der Altenaer Straße unter der Talbrücke. Die ersten See-Container sind schon als Schutzwand aufgebaut worden, die nach der Vollsperrung noch deutlich größer werden soll.
Noch rollt der Verkehr auf der Altenaer Straße unter der Talbrücke. Die ersten See-Container sind schon als Schutzwand aufgebaut worden, die nach der Vollsperrung noch deutlich größer werden soll. Foto: Sven Prillwitz

Bürgermeister bedankt sich für "sehr gute Zusammenarbeit"

Außerdem bedankte sich der 46-Jährige bei der Autobahn GmbH für die "sehr gute und sehr enge Zusammenarbeit". Dass innerhalb eines knappen Jahres "Baurecht für ein Infrastrukturprojekt von dieser Größenordnung geschaffen wurde, ist enorm". Seinen Dank sprach Wagemeyer auch den vielen Mitarbeitenden in der Verwaltung aus, die die Auswirkungen der A45-Vollsperrung seit rund 16 Monaten "sehr intensiv" und teilweise rund um die Uhr zu bewältigen versuchten. Exemplarisch dafür nannte das Stadtoberhaupt die Fachdienste Bauordnung sowie Verkehrsplanung und -lenkung.

Und dann war da noch das Thema Lärmschutz entlang der Bedarfsumleitung. Insgesamt 156 Anträge auf die Erstattung der Kosten für den Einbau von Schallschutzfenstern und/oder Lüftern hätten Anwohner bislang bei der Autobahn GmbH eingereicht, sagte Dirk Stiepert. Davon seien 117 genehmigt worden. In 16 Fällen davon seien Fenster und Lüfter bereits eingebaut und die Rechnung beglichen worden. Bei 61 weiteren Wohnobjekten könnten die Arbeiten demnächst beginnen. In 39 Fällen hingegen schickte die Autobahn laut Stiepert einen ablehnenden Bescheid, weil die Antragsteller nicht an den Straßen wohnten, die für eine Kostenerstattung infrage kämen.

Lüdenscheid, 22. März 2023