Kultivierte Angst - Angst, Alltag, Aufbruch

Referent Prof. Dr. Ulrich Hoinkes
Referent Prof. Dr. Ulrich Hoinkes

Am Montag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr laden die Museen der Stadt Lüdenscheid zu einer Veranstaltung in die "Wunderkammer der Zukunft" ein. Thema der Veranstaltung wird sein "Kultivierte Angst - Angst, Alltag, Aufbruch".

Als Referenten sind für diesen Abend Prof. Dr. Ulrich Hoinkes von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Kyra Clausen und Lilit Karapetyan eingeladen. Ulrich Hoinkes leitet das internationale Studienprojekt "Kultivierte Angst (Anxiety Culture)" in Kooperation mit der Columbia University, USA.

"Derzeit erscheint unsere Welt wieder einmal gleich in mehrfacher Hinsicht aus den Fugen: Corona, Wirtschaftswandel, Migration und Klima gehören in diesem Zusammenhang zu den prägenden Markern - von den politischen Debatten bis hin zu der ganz persönlichen Erfahrung. Und genau diese verängstigende Erfahrungswelt des Einzelnen soll bei der Veranstaltung den Ausgangspunkt des Erlebens und der Reflexion über die Schieflagen, Herausforderungen und Werte unserer Gemeinschaft bilden. Dabei geht es vor allem um das Spannungsfeld zwischen geforderter Solidarität, Ichbezogenheit und Alltagsrassismus", so Prof. Dr. Ulrich Hoinkes.  Aus der Wunderkammer heraus soll ein Raum zum gemeinsamen Nachdenken eröffnet werden.

Collage mit Angst-Bildnissen

"Der Begriff Angstkultur bedeutet, dass Angst nicht nur eine persönliche Wahrnehmung ist, sondern dass Ängste auch stark kulturell geprägt werden. Jeder hat Angst, aber von Kultur zu Kultur ist das Empfinden darüber anders", erklärt PD Dr. Karen Struve von der Kieler Projektkoordination den Ausgangspunkt der Forschung und nennt ein Beispiel: Wenn an amerikanischen Schulen bewaffnete Sicherheitskräfte eingesetzt werden, dann trägt das vermeintlich zur Beruhigung bei (genannt "securitisation"). Eine ähnliche Situation in Deutschland würde dagegen wohl eher Angstgefühle wecken. "Wie Angst in verschiedenen Kulturen und in verschiedenen Situationen wahrgenommen wird, wie mit ihr umgegangen wird und wie Emotionalitäten in der Gesellschaft Wirkung zeigen, das sind einige unserer Kernfragen", ergänzt Projektleiter Professor Ulrich Hoinkes.

Im Vorfeld der Abendveranstaltung arbeitet das Team aus Kiel in Zusammenarbeit mit dem Lüdenscheider Theaterpädagogen Murat Isboga mit ausgewählten Gästen in der "Wunderkammer der Zukunft" zu dem Thema. Die Ergebnisse aus diesem Workshop werden im Rahmen des Vortrags ebenfalls vorgestellt.

Im Anschluss besteht die Gelegenheit, die Installation in der "Wunderkammer der Zukunft" in Augenschein zu nehmen.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Lüdenscheid, 02.10.2020