Hochwertige Senioren-Wohnungen mit Service-Angebot

Sternplatz: P&C-Gebäude soll ambitioniertem Projekt weichen

Baustelle
Hier ist modellhaft zu sehen, wie die Parkanlage und die Fassade der Wohnungen aussehen könnten, die "nach innen" liegen. Grafik: Stephan Höhne Gesellschaft von Architekten mbH

Service-Wohnen für Senioren statt Leerstand: Die Terragon AG aus Berlin möchte das Peek&Cloppenburg-Gebäude in der Lüdenscheider Innenstadt abreißen und durch einen neuen Immobilienkomplex ersetzen. Bis zu 150 hochwertige Wohnungen mit Dienstleistungsangeboten sollen so am Sternplatz entstehen. Die Stadt Lüdenscheid sieht in dem Konzept eine große Chance für die Entwicklung der Innenstadt.

Seit rund sieben Jahren steht das P&C-Gebäude inzwischen leer. Im vergangenen Jahr scheiterten Pläne, die die Errichtung eines „Stadtturms“ vorsahen. „Der Standort liegt uns seit geraumer Zeit schwer auf dem Herzen und schwer im Magen“, sagte Martin Bärwolf am Mittwoch, 17. Juni, bei der Vorstellung des neuen Konzepts im Rathaus. Umso größer sei die Freude darüber, dass es für das ungenutzte Areal eine neue Projektidee gibt. Und die sei nicht nur ambitioniert und vielversprechend, sondern könnte auch „ein wichtiges Signal“ für die Zukunft der Stadt und vor allem der City sein.

Der Plan: Nach dem Abriss des P&C-Gebäudes soll ein Komplex entstehen, der im Erdgeschoss Platz für Gastronomie, Dienstleistungen und Einzelhandel bietet. Auf der Seite, die zur Wilhelmstraße liegt, sollen drei unterschiedlich große Ladenlokale (95, 195 und 245 Quadratmeter Fläche) vermietet werden. In dem Gebäudeteil, der vom Sternplatz hoch zum Sauerfeld führt, sollen ein Restaurant und eine Mischung aus Gemeinschaftsraum und Bibliothek entstehen. Diese drei Angebote sollen auch für die Öffentlichkeit nutzbar sein. Zu beiden Straßenseiten sind hohe Schaufenster vorgesehen. Parallel zur Sauerfelder Straße soll zudem eine Tagespflege-Einrichtung untergebracht werden.

Wellness-Bereich und Parkanlage

Der Haupteingang zu der geplanten Senioren-Wohnanlage befindet sich laut Plan direkt an der Ecke zum Sternplatz. Für den Empfangsbereich sind ein Schalter für einen Pförtner und der Zugang zu den Fahrstühlen und zum Treppenhaus vorgesehen. Ebenfalls für das Erdgeschoss geplant sind ein rund 450 Quadratmeter großer Wellness-Bereich und eine Parkanlage, die sich über rund 1000 Quadratmeter – und damit über knapp ein Drittel des Grundstücks – erstrecken soll. Die Grünfläche soll einen abgeschlossenen Innenhof innerhalb des Gebäudekomplexes bilden.

In den Obergeschossen sollen zwischen 125 und 150 barrierefreie und hochwertige Wohnungen mit 1,5 bis drei Zimmern sowie jeweils einem Balkon entstehen. An der Ecke zum Sauerfeld soll ein rund 39 Meter hoher Turm mit 13 Geschossen gebaut werden. Dagegen soll sich die Gebäudehöhe zum Sternplatz bzw. zur Wilhelmstraße hin auf fünf Etagen und eine maximale Höhe von rund 22 Metern belaufen.

Projektleiter und Architekt Alexander J. Pithis, der mit der Terragon AG zusammenarbeitet, erklärte, dass sich der Komplex damit an den Höhen umliegender Gebäude orientiere – und sich dadurch harmonisch in die Nachbarschaft der umliegenden Gebäude einfügen solle. Die Dächer sollen begrünt werden. Das Konzept sieht auch zwei Dachterrassen vor.

Stellten das Projekt vor: (vorne von links) Matthias Klipp und Madeleine Wloch von der Terragon AG sowie Architekt Alexander J. Pithis von der Stephan Höhne Gesellschaft von Architekten mbH. Foto: Sven Prillwitz

Das Service-Wohnen richtet sich an Senioren, die älter als 70 Jahre sind. Nach Bedarf können Mieter Pflege- und Dienstleistungen hinzubuchen – in Form einer Service-Pauschale. „Wir möchten unseren Kunden ermöglichen, auch im hohen Alter möglichst unabhängig und selbstständig wohnen zu können“, sagte Madeleine Wloch, Projektentwicklerin bei der Terragon AG.

Terragon AG: Lüdenscheid ist ein 2Superstandort" für Service-Wohnungen

Dass es einen hohen Bedarf an komfortablen und vergleichsweise kostspieligen Service-Wohnungen für Senioren im Märkischen Kreis und speziell auch in Lüdenscheid gebe, sei das Ergebnis einer landesweiten Studie, fügte Akquisiteur Matthias Klipp hinzu. Lüdenscheid verfüge über eine „sehr einkommensstarke Rentnergeneration“ und sei daher ein „Superstandort“ für ein solches Projekt. Kostenpunkt: schätzungsweise 40 Millionen Euro für den Neubau. Die Höhe der Kosten für den Abriss des P&C-Gebäudes und den Grundstückskauf ließen sich laut Klipp noch nicht beziffern.

Zu dem Vorhaben gehört übrigens auch, dass Haus an der Wilhelmstraße 10 abzureißen, neu zu errichten und in das Konzept – unten Ladenlokal, darüber Service-Wohnungen – zu integrieren. Die neue Fassade könne der jetzigen nachempfunden werden, wenn das gewünscht sei, sagte Klipp. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, bestätigte Martin Bärwolf von der Stadt Lüdenscheid. In die Entscheidung über diesen und weitere Aspekte – darunter auch die Frage, ob der Komplex auch eine Tiefgarage beinhalten wird – soll der Gestaltungsbeirat eingebunden werden.

Alle Beteiligten betonten, dass bis zur Umsetzung des ambitionierten Projekts noch einige große Schritte zu machen seien. Am kommenden Montag, 22. Juni, entscheidet der Hauptausschuss – stellvertretend für den Rat –, ob das Projekt weiter vorangetrieben wird.

Sädtebaulicher Vertrag soll Fristen regeln

Sollte es so kommen, sieht der grobe Zeitplan laut Matthias Klipp im Idealfall wie folgt aus: Die Terragon AG gründet eine eigene Projektgesellschaft und schließt im Sommer einen Kaufvertrag mit Peek&Cloppenburg ab. Im Herbst könnte dann ein Bauantrag eingereicht werden, ehe es Anfang 2021 mit den Abrissarbeiten losgeht. Läuft alles nach Plan, könnte der Gebäudekomplex Ende 2024 bzw. Anfang 2025 fertiggestellt und bezugsbereit sein.

Zu den Formalitäten gehört auch ein städtebaulicher Vertrag. Darin sollen Baufristen und Architektur genauestens geregelt werden. Damit wolle sich die Stadt absichern – und einen anhaltenden Leerstand der P&C-Immobilie verhindern, erklärte Martin Bärwolf.

Lüdenscheid, 18. Juni 2020