Daten zur Geschichte der Stadt Lüdenscheid

Die erste Erwähnung Lüdenscheids stammt aus dem Jahr 1067. Kurz und knapp einige interessante und amüsante Daten aus der Geschichte der Stadt bis in die jüngste Zeit.

Foto einer Urkunde von 1072 in der Lüdenscheid erwähnt wird. Die Stelle in der Urkunde ist hervorgehoben.

800 - 1300

Bereits seit dem 9. Jh als Ansiedlung nachweisbar, findet sich die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Luidolvessceith in einer Urkunde, die aus dem Jahre 1067 datiert. Kaiser Heinrich der V. lässt 1114 eine Burg errichten.

Erst unter den Grafen von Berg jedoch - ab ca. 1200 dann unter den Grafen von der Mark - wächst der kleine Ort in seiner Bedeutung. Mit der offiziellen Gründung der Stadt Lüdenscheid durch Graf Engelbert I. von der Mark um oder kurz nach 1268, beginnt der Aufstieg Lüdenscheids zu einem der Hauptorte der Grafschaft Mark. Die junge Stadt bildet bald einen eigenen Stadtrechtskreis und wird Obergericht für einen großen Teil der Grafschaft.

Fotografie des Lüdenscheider Stadtsiegels von 1337

1300 - 1500

Aus dem Jahr 1337 stammt das - soweit bekannt - älteste erhaltene Lüdenscheider Stadtsiegel. Es hängt an einer Urkunde des Klosters Oelinghausen, die heute im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, in Münster liegt.

Die wachsende Bedeutung des Metallhandwerks, vor allem der Drahtherstellung schlägt sich um 1400 in der Entstehung der Drahtgilde nieder. Lüdenscheid ist im 15. und 16. Jahrhundert mit der Hanse assoziiert und die Eisenverarbeitung erlangt europaweite Bedeutung.

Um 1450 wird in der Bergstadt eine Lateinschule gegründet. Im Laufe des 14.-16. Jahrhunderts entwickelt sich Lüdenscheid auch zu einem wichtigen Gerichtsstandort mit überregionaler Bedeutung. Lüdenscheid ist im 15. Jh. Sitz eines europaweit berühmten Freistuhls der Veme.

Ausschnitt aus einer Reproduktion der Lüdenscheider Schützenordnung von 1506

1500 - 1700

1506 findet sich die erste Lüdenscheider Schützenordnung, in deren Tradition sich noch die heutige Lüdenscheider Schützengesellschaft sieht. Im Jahr 1530 muss die Bergstadt den ersten Stadtbrand verschmerzen. Aus dem Jahr 1557 datiert der älteste erhaltene Gildebrief der Drahtgilde. Im Zeitraum von 1563-1578 wird in Lüdenscheid die Reformation eingeführt. 1578 kommt es zum 2. Stadtbrand, dem ein weiterer 1589 folgt.

1609 fällt Lüdenscheid mit Kleve-Mark an Brandenburg, das spätere Preußen. Während des 30-jährigen Krieges kommt es auch hier zu Plünderungen und in den Jahren 1635/36 sucht die Pest die Bergstadt heim. 1656 und 1681 kommt es erneut zu verheerenden Stadtbränden. Nach dem vorerst letzten wird 1682 das Stadt- und Gildebuch angelegt, das bis 1809 geführt werden wird. Im gleichen Jahr wird die Drahtgilde neu geordnet, gleiches erfolgt 1696 beim Schützenwesen.
Im Jahr 1684 zählt Lüdenscheid übrigens 300-400 Einwohner.

Eintrag über den Stadtbrand 1723 in der Bibel der Familie Schniewindt

1700 - 1800

Im Jahre 1713 wir in Lüdenscheid die erste Postanstalt eröffnet. Lüdenscheid hat in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts knapp 950 Einwohner und wird von nun an zunehmend in den Preußischen Staat eingebunden. 1723 kommt es zum 6. und letzten großen Stadtbrand. Die vielen Stadtbrände sind einer der Gründe, warum es im Stadtarchiv, das übrigens 1723 erstmals erwähnt ist, kaum Originalunterlagen aus der Zeit vor 1700 gibt. 1724 wird in Lüdenscheid die reformierte Kirchengemeinde gegründet, die 1729 eine Schule und einen Friedhof eröffnet.

Seit 1740 kommt es zur Einführung der Textilindustrie in Lüdenscheid, seit etwa 1750 zur Einführung neuerartiger Methoden zur Stahl- und Eisenproduktion. 1790 schließlich lässt sich auch die Knopfindustrie in Lüdenscheid nieder. Im selben Jahr wird auf dem Wesselberg eine Schule eröffnet, 1798 folgt eine Kunstschule. Am Ende des 18. Jahrhunderts zählt Lüdenscheid fast 1.500 Einwohner.

Lüdenscheid von Norden aus gesehen auf einem Stich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

1800 - 1850

1806 wird Lüdenscheid zunächst von den Franzosen besetzt und gehört von 1807-1813 zum Großherzogtum Berg. Ab 1813 in die preußische Provinz Westfalen eingegliedert, wird es 1816 Sitz des Land- und Stadtgerichts. Obwohl in den Jahren von 1815-1817 eine Hungersnot herrscht (weitere folgen 1832 und 1845-1846), überschreitet die Zahl der Einwohner noch im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts die 2000.

1823 wird die Kirchenvereinigung der lutherischen und reformierten Kirchengemeinden mit der Gründung der (unierten) evangelischen Gemeinde Lüdenscheid abgeschlossen. 1823 - 1825 wird das Kirchenschiff der evangelischen Medarduskirche (heutige Erlöserkirche) abgebrochen, dessen Neubau 1825 beendet ist.

Im Jahre 1826 beginnt man die Straßen zu pflastern (bis 1836) und es werden die ersten 16 Öllaternen zur Straßenbeleuchtung installiert. In den 1830er und 1840er Jahren werden die ersten regelrechten Straßenverbindungen fertiggestellt (zunächst nach Altena und Halver, später auch nach Plettenberg) und es entstehen erste, regelmäßige Postverbindungen.

1843 errichten die Lüdenscheider Katholiken eine eigene Pfarrei, der 1846 die erste katholische Kirchengemeinde folgt.

1843 ist auch das Gründungsjahr der Lüdenscheider Schützengesellschaft, die bereits im folgenden Jahr ihr erstes Schützenfest veranstaltet. 1845 wird die Lüdenscheider Stadtsparkasse gegründet und es kommt zur Aufstellung der ersten Dampfmaschine. Für die nächsten Jahrzehnte prägt vor allem die nun an Fahrt gewinnende Industrialisierung die Bergstadt. Dies schlägt sich auch in der stark zunehmenden Zahl der Einwohner nieder. 1845 sind es bereits 4000.

In den folgenden Jahren werden weitere Straßenverbindungen gebaut. 1849 wird aus dem Stadt- und Landgericht das Kreisgericht.

Aufnahme des Bahnhofs aus dem Jahre 1883

1850 - 1900

1852 entsteht mit der evangelischen Kleinkinder-Bewahranstalt der erste Kindergarten und 1854 mit der Gründung des Lüdenscheider Wochenblattes die noch heute unter dem Namen Lüdenscheider Nachrichten bekannten Tageszeitung.

Noch 1855 kommt es zu einer letzten Hungersnot. 1857 wird die Volksbibliothek eröffnet, Vorgängerin der heutigen Stadtbücherei. Damit ist sie die drittälteste öffentliche Bücherei Deutschlands.
1858 wird die Städtische Höhere Mädchenschule eröffnet (eine Klasse gab es seit 1822), 1859 das Krankenhaus eingeweiht und 1860 die erste Schützenhalle am Loh gebaut.
Die Einwohnerzahl wächst stetig: 1864 zählt die Stadt 6.216 Einwohner, 1867 sind es bereits 7.324.

1869 werden die Straßen in Lüdenscheid offiziell benannt. Das (ur)alte Rathaus wird in den Jahren 1871-1873 abgerissen und an seiner Stelle ein neues errichtet (heutiges "Altes Rathaus"). 1878 wird die freiwillige Feuerwehr gegründet, im Jahr darauf wird das Kreisgericht zum Amtsgericht; Lüdenscheid überschreitet die 10.000 Einwohner.

1880 wird die Eisenbahnstrecke Lüdenscheid-Brügge eröffnet, und im Jahre 1884 werden das Wasserwerkes und die Wasserleitungen gebaut. 1885 hat Lüdenscheid über 15.000 Einwohner. Die Schmalspureisenbahn der Kreis-Altenaer-Eisenbah (KAE), im Volksmund "Schnurre" genannt, nimmt 1887 zwischen Altena und Lüdenscheid ihren Betrieb auf.
1889 wird durch den Fabrikanten Carl Berg die Aluminium-Industrie in Lüdenscheid eingeführt.

1894 zählt Lüdenscheid über 20.000 Einwohner und ist 1895 die am stärksten industrialisierte Stadt Deutschlands. 1896 stellt der letzte Nachtwächter seinen Dienst ein und es kommt zur Eröffnung des Fernsprechverkehrs zwischen Lüdenscheid und Köln, Mülheim an der Ruhr und Düsseldorf.

1897 wird das Lüdenscheider Stadttheater eröffnet, und im Jahre 1900 findet die erste Vorführung eines Kinematographen statt. Lüdenscheid zählt an der Schwelle zum 20. Jahrhunderts bereits über 25.000 Einwohner.

Aufnahme des ersten Kinos

1900 - 1918

1901 wird in Lüdenscheid die Volkshochschule (VHS) gegründet und 1905 das städtische Hallenbad Schillerbad eröffnet. Im darauffolgenden Jahr steigt die Zahl der Einwohner der Bergstadt auf über 30.000.

1907 wird der Neubau des Amtsgerichtes eingeweiht und Lüdenscheid wird kreisfreie Stadt. Es wird das erste Kino ("Central-Theater") eröffnet, das "Apollo-Theater" folgt 1908. 1910 wird in Lüdenscheid die erste Jugendherberge eröffnet, 1912 ein Altersheim für Frauen. Im Jahre 1913 wird der Spiel- und Sportplatz "Hohenzollernplatz" am Nattenberg eingeweiht.

Der Erste Weltkrieg hinterlässt auch in Lüdenscheid seine Spuren. Die Zahl der Einwohner sinkt leicht und beginnt erst in den 1930er Jahren wieder zu steigen. Von den 6.000 Lüdenscheider Soldaten kehren fast 1.300 nicht zurück in die Stadt. In den folgenden Jahren kommt es auch in Lüdenscheid zu Unruhen, Streiks und Inflation.

Foto eines Aufmarsches in der Knapper Straße zum Tag der Arbeit am 1. Mai (1933 oder 1934)

1919 - 1945

In den Jahren 1919, 1920 und 1923 gibt die Stadt erneut, wie schon 1917, Notgeld aus. 1920 ist Lüdenscheid die teuerste Stadt in Westfalen und im Rheinland.
Seit 1924 wird im Obergeschoss des heutigen Alten Rathauses der Grundstock für das spätere Stadtmuseum gelegt und 1926 wird die erste "Taxameter-Kraftdroschke" in Dienst gestellt. 1930 beginnen die Vorbereitungen für den Bau der Versetalsperre. Im Jahr 1932 wird die Skisprungschanze am Nattenberg eröffnet. 1931 leben über 35.000 Menschen in der Bergstadt.

Auch in Lüdenscheid beginnt 1933 das Leiden von Juden, Oppositionellen und anderen Menschen, die entsprechend der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten verfolgt werden. Bereits 1934 wird eine Luftschutzschule in der Bergstadt errichtet, die 1938 zur Luftschutzhauptschule ausgebaut wird und ab 1935 wird Lüdenscheid erstmals in seiner Geschichte Garnisonsstadt. 1938 überschreitet die Zahl der Einwohner die 40.000.

1940 werden die Stadtwerke Lüdenscheid gegründet und es wird das Arbeitserziehungslager und spätere Konzentrationslager Hunswinkel im Tal der Verse errichtet. Im Verlaufe des Jahres 1943 werden gleich drei Kinderhorte eingerichtet.

Lüdenscheid bleibt während des Zweiten Weltkrieges im Vergleich zu anderen deutschen Städten von Bombenangriffen und Kampfhandlungen weitestgehend verschont. Allerdings kommt es 1945 zu einem verheerenden Tieffliegerangriff auf einen Personenzug der Kreis-Altenaer-Eisenbahn (KAE) bei Mühlenrahmede.

In den letzten Tagen vor der kampflosen Befeiung der Stadt durch amerikanische Truppen kommt es noch zur Hinrichtung dreier deutscher Soldaten wegen angeblicher Fahnenflucht und eines Nazigegners. Während der Besatzungszeit gehört Lüdenscheid zur britischen Zone.

1.398 (darunter 21 weibliche) Einwohner der Stadt Lüdenscheid verloren im Verlauf des Zweiten Weltkrieges bei Kampfhandlungen oder durch Kriegseinwirkungen an den Fronten und daheim ihr Leben. Von den mehr als 500 vermißten Lüdenscheidern wurden 215 amtlich für tot erklärt.

Aufnahme der neuen BAB 45

1946 - 1969

1946 werden in der Bergstadt belgische Truppen stationiert. 1947 ist auch in Lüdenscheid ein Hungerjahr, trotzdem steigt die Zahl der Einwohner - vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen - auf über 50.000.

Im Jahr 1951 findet die deutsche Schwimm- und Springmeisterschaft im Freibad Nattenberg statt und 1957 wird mit dem Verwaltungsgebäude der Firma Busch-Jaeger das erste Hochhaus der Stadt fertiggestellt, das erste Wohnhochhaus folgt 1963. 1959 wird das Heimatmuseum eröffnet und in den Jahren 1964/1965 bezieht die Stadtverwaltung das neue Rathaus am Rathausplatz 2.

1965 wird die städtische Musikschule eröffnet und es wird mit der Sanierung der Altstadt begonnen. Im darrauffolgenden Jahr setzt die KAE - viele Strecken sind in den vorrangegangenen Jahren auf Busverkehr umgestellt worden - ihre letzte Dampflok ausser Betrieb. 1969 schließt sich die KAE mit der Mark-Sauerland zusammen. 1968 wird Lüdenscheid an die neue Bundesautobahn "Sauerlandlinie" (A 45) angebunden.

Die kommunale Neugliederung 1969 hat auch für Lüdenscheid große Bedeutung: das Amt Lüdenscheid wird aufgelöst und der größte Teil der Gemeinde Lüdenscheid-Land wird mit der Stadt Lüdenscheid zusammengeschlossen. Die Zahl der Einwohner steigt damit sprunghaft von zuletzt etwa 57.000 auf über 78.000. Die neue, größere Stadt Lüdenscheid verliert ihre Kreisfreiheit und der Kreis Altena wird in Kreis Lüdenscheid umbenannt.

Aufnahme der ersten Internationalen Kunstoffhaus-Ausstellung 1971 in Lüdenscheid

1970 - 1995

1971 findet die erste Internationale-Kunststoffhaus-Ausstellung (IKA) statt, 1972 wird das "Sauerland-Center" fertiggestellt und 1973 der Rathaustunnel eingeweiht. 1975 wird Lüdenscheid bei einer weiteren Gebietsreform Kreisstadt des neugebildeten Märkischen Kreises. 1976 ist die Einwohnerzahl auf etwas über 75.000 gesunken.

1977 wird der Rathausbrunnen ("Neumann-Brunnen") auf dem Sternplatz übergeben. 1979 wird die Städtische Galerie eröffnet, 1980 das Technische Kulturdenkmal und Eisengeschichtliche Museum "Bremecker Hammer" und 1981 das Kulturhaus.

Die alte Schützenhalle der Schützengesellschaft am Loh wird 1984 abgerissen und 1986 wird das neue Weiterbildungszentrum der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) eröffnet. 1987 wird das Heimatmuseum geschlossen und 1988 die Museen der Stadt Lüdenscheid eröffnet.

Das Deutsche Institut für angewandte Lichttechnik (DIAL) nimmt 1989 seinen Betrieb in der Berstadt auf und 1990 öffnet das "Forum am Sternplatz" seine Pforten. Die in den letzten Jahren wieder steigende Einwohnerzahl überschreitet 1992 die 80.000.

1993 wird pünktlich zur 725-Jahr-Feier der Stadt das neue Stern-Center eröffnet. Die letzten belgischen Soldaten werden 1994 mit einer feierlichen Parade verabschiedet. Im selben Jahr eröffnet im 1981 geschlossenen Schillerbad - zwischenzeitlich war es Jugendzentrum - das Brauhaus "Medardus".