160. Katholische Kirche St. Paulus

Der Turm des Kirchengebäudes St. Paulus im Jahr 2005
Der Turm des Kirchengebäudes St. Paulus im Jahr 2005

Es handelt sich um einen Gebäudekomplex von Pfarrhaus, Verbindungsbau mit Pfarrsaal und Kirchengebäude, der ursprünglich malerisch angeordnet, entsprechend einer barocken Klosteranlage in die (wie historische Ansichten zeigen) Natur eingefügt wurde. Begonnen wurde der Bau 1914. Die Altenaer Architekten Eckenrath und Schurig legten Pläne für das Pfarrhaus mit Jugendheim vor. Obwohl auch die Kirche schon vorgeplant worden war, wurde sie aus finanziellen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeführt.

Bei dem Pfarrhaus handelt es sich um ein zweigeschossiges Gebäude auf einem Bruchsteinsockel, einem verputztem Erdgeschoss, einem verschiefertem Obergeschoss, das mit einem Walmdach aus schwarzen Dachpfannen gedeckt ist. Die Eingangsseite im Norden ist symmetrisch aufgebaut. Der zentrale über eine Treppe erreichbare rundbogige Eingang wird von zwei hohen, ebenfalls rundbogigen Fenstern gerahmt. Im Obergeschoss werden die Achsen durch hochrechteckige, mit Klappläden versehenen Fenstern wieder aufgenommen. Eine große Gaube im Dach betont noch einmal die Mittelachse.
Das Pfarrhaus im Jahr 2005
Das Pfarrhaus im Jahr 2005

Im Osten schließt sich der langgestreckte, eingeschossige Pfarrheimbau an. Während nach Norden kleine Fenster weisen, ist die Südseite mit großen, rundbogigen Fenstern versehen. Die ehemalig stichbogig abschließende Durchfahrt ist  vermutlich erst beim Bau der Kirche angefügt worden.

Das Innere des Pfarrhauses ist weitgehend erhalten, so sind die meisten Türen, die Treppe, die Haustüre und die Fenster bauzeitlich. Obwohl die Küche verlegt wurde, ist der ursprüngliche Küchenraum erhalten. Nur eine Wand, die das Wohn- vom Esszimmer trennte ist herausgenommen worden.

In den Jahren 1925/26 wurde das Kirchengebäude errichtet. Das Gebäude wurde, abweichend von der ursprünglichen Planung etwas östlich versetzt errichtet. Es wurde jedoch nicht von den Altenaer, später Dortmunder Architekten gebaut, sondern von dem Hagener Architekten Peter Wiehl. Aus diesem Grunde unterscheidet sich der Bau insbesondere in seiner äußeren Gestaltung auch von der ursprünglichen Planung. Während zunächst ein etwas nüchterner Bau mit Elementen des strengen Jugendstils geplant war, wurde nun ein im Grund- und Aufriss lebhafter Bau mit geschwungenen teils dem Neobarock entlehnten Formen bevorzugt.

Kirchenfenster

Die einschiffige Saalkirche mit eingezogenem Chor wird durch Wandvorlagen, die vorgeben Wandpfeiler zu sein, gegliedert. Sie tragen -zumindest optisch- das den gesamten Saal überspannende Tonnengewölbe. Im Süden überspannt die Orgelempore den Eingangsbereich. Während im Chor und über der Orgel durch die stark farbigen Fenster Akzente gesetzt wurden, ist die Farbigkeit der Kirchenschifffenster hell und zurückhaltend. Die Kirchenschifffenster sind als Stiftungen gekennzeichnet. Sie wurden von der Firma Peters, Paderborn hergestellt. Im Kirchenschiff sind auf der Westseite von Süden die Heiligen Tharcisius, Aloysius Gonzaga, Georg, Johannes der Täufer und Josef, auf der Ostseite von Süden die Heiligen Katharina, Agnes, Elisabeth, Anna und Maria Königin abgebildet. Im Chor sind das zwei gesamte Fenster einnehmende Engel mit verschränkten Armen und hinter der Orgel befindet sich die Hl. Cäcilia an der Orgel inmitten des Engelschores.

Das Kircheninnere hat immer wieder Veränderungen erfahren. So wurden die Wände mehrfach verändert. Ursprünglich war wohl eine sehr schlichte Wandgestaltung, was auch an der Finanzlage der Gemeinde gelegen haben könnte, da die Christ-König-Kirche in Hagen-Boelerheide des gleichen Architekten eine sehr reiche aufwendige Farbfassung besitzt.

Der Fußboden wurde 1965 in schwarzem Granit erneuert, dabei wurde auch der Chorboden erhöht und der Wandsockel neu gestaltet. Außerdem wurden die Bänke und die Treppe zur Orgelempore erneuert und der Turmeingang geschlossen und zur Kapelle umgestaltet. Die ehemalige Türöffnung wurde mit farbigen Glassteinen zugesetzt. Die Arbeiten wurden von dem Kölner Architekten Hans Schilling durchgeführt.

 

Eine undatierte Ansicht in idyllischer Lage
Eine undatierte Ansicht in idyllischer Lage

Das Kirchengebäude mit dem Pfarrhaus und dem dazugehörigem Pfarrsaal ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier vor allem für die katholischen Gläubigen in Lüdenscheid-Brügge. Der Gebäudekomplex verkörpert exemplarisch mit seiner Baugeschichte die Entwicklung der katholischen Gemeinde in eindrucksvoller Weise. Dies insbesondere deshalb, weil er sehr gut erhalten ist. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu erwähnen, dass die baulichen Veränderungen der 1960er Jahre qualitativ wertvoll ausgeführt wurden. Sie versuchen nicht, sich sklavisch unterzuordnen, sondern passen sich dem Bau mit ihrem eigenen Stil an. Sie sind somit eine zeittypische, aber gelungene Erneuerung des Kirchenraumes.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturgeschichtliche Gründe vor. Insbesondere der Kirchenbau von Peter Wiehl aus Hagen deckt interessante Aspekte im Werk des Architekten auf.  Nur ein Jahr später baut er die Christ-König-Kirche in Hagen-Boelerheide, die sowohl im Äußeren als auch im Inneren im Zeitstil -in diesem Fall dem Expressionismus- errichtet wurde. Gerade die Gegenüberstellung dieser beiden Kirchen belegt die Vielfältigkeit und Anpassungsfähigkeit des Architekten, die immer wieder zu beobachten ist, aber von der Architekturgeschichte gerne "unterschlagen" wird.

In Lüdenscheid war der erste Bauabschnitt mit Pfarrhaus und Pfarrsaal bereits fertiggestellt, er sollte das Ensemble vollenden. Obwohl er den ursprünglichen Plan veränderte, passte er sich dem schon Vorhandenen an. Zudem stand der Bau in ländlicher Umgebung. Hier greift der Architekt, der im städtischen Umfeld mit Klinker baut und moderne Formen verwendet, auf Formen des Heimatstils zurück und passt sich dem "bergischen Barock" an.

Eine Innenansicht aus dem Jahr 1929
Eine Innenansicht aus dem Jahr 1929
Der gesamte Gebäudekomplex steht im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde St. Paulus, Lüdenscheid-Brügge und wurde am 14.08.2007 unter der laufenden Nummer 160 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.